Serie: Kemptens Partnerstädte – Teil 2

Sopron: Von zwei verfeindeten politischen Systemen und einer Freundschaft

Blick auf die ungarische Stadt Sopron, Partnerstadt von Kempten im Allgäu.
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Der 58 Meter hohe Feuerturm ist das Wahrzeichen Soprons.

Kempten - Mit Quiberon in Frankreich, Trient in Italien, Bad Dürkheim in Deutschland, Sligo in Irland und Sopron in Ungarn hat Kempten fünf Partnerstädte, mit denen die „Allgäumetropole“ teilweise seit einem halben Jahrhundert eng verbunden ist. Im Freundschaftskreis Partnerstädte e.V. ist jeder Vertreter des Vorstands zeitgleich Ansprechpartner für eine der fünf Partnerstädte. Der Kreisbote hat sich mit Lajos Fischer, dem Stadtratsbeauftragten für Kemptens Partnerstädte und im Verein Ansprechpartner für die ungarische Partnerstadt Sopron, unterhalten.

Teil 1 über Kemptens Partnerstadt Quiberon findet sich hier.

Der europäische Gedanke habe bei der Begründung der Partnerschaft zwischen Kempten und dem ungarischen Sopron, zu Deutsch „Ödenburg“, eine große Rolle gespielt. Damals sei im Stadtrat der Wunsch nach einer Partnerstadt hinter dem Eisernen Vorhang aufgekommen, erklärt Fischer. „Als die Städtepartnerschaft 1987 unterzeichnet wurde, war es erst die zweite Partnerschaft zwischen einer westdeutschen und einer ungarischen Stadt. Trotz zweier eigentlich verfeindeter politischer Systeme hat man es geschafft, Freundschaft zu schließen. Und menschliche Beziehungen tun einer Feindschaft nie gut“.

Diese Beziehungen seien über die Jahre auf vielfache Weise ausgebaut worden. „Auch über den Schüleraustausch zwischen dem Hildegardisund dem Széchenyi-Gymnasium kommen Schüler, Eltern und Lehrkräfte politisch ins Gespräch. Die verschiedenen Sichtweisen darzulegen ist sehr wichtig für das gegenseitige Verständnis“, betont Fischer. Zu Beginn der Partnerschaft hätten, wie bei anderen Partnerstädten, die von Georg Hieble organisierten Partnerschaftsläufe eine große Bedeutung gehabt, mittels derer sich Kemptener und Soproner gegenseitig besuchten. Des Weiteren sind die Universität der ungarischen Stadt und die Fachakademie für Sozialpädagogik in Kempten miteinander vernetzt. „Chöre, Orchester, Musikschulen und Künstler sind ebenfalls in ständigem Austausch.“

Als die Städtepartnerschaft geschlossen wurde, waren beide Städte rund 60.000 Einwohner stark. Während Kempten mittlerweile bei über 70.000 Einwohnern liegt, sind es nach offiziellen Angaben in Sopron nur noch 58.000 Einwohner. „Es gibt jedoch mindestens 10.000 Menschen, die aus den östlichen Gebieten Ungarns für besser bezahlte Arbeit in Österreich nach Sopron gezogen, allerdings dort nicht gemeldet sind“, erklärt Fischer. Neben einer ähnlichen Einwohnerzahl verbinden die beiden Studentenstädte weitere Gemeinsamkeiten. Direkt an die Stadt grenzt der Neusiedlersee, der seit 2001 zum Weltkulturerbe zählt. Die Voralpenlandschaft mit vielen Wanderwegen und die gesunde Waldluft locken viele Touristen in die Stadt, insbesondere aus dem Inland. Historisch betrachtet hat auch Sopron eine römische Vergangenheit – Scarbantia galt als bedeutendes Handelszentrum der Römer. Ausgrabungen und viele Museen geben Einblicke in die Historie der ungarischen Stadt. Außerdem wurde darauf geachtet, den historischen Stadtkern innerhalb der Stadtmauern zu erhalten, weshalb dort kaum Geschäfte vorzufinden sind. „Aufgrund der intakten Innenstadt ist Sopron beliebter Drehort für historische Filme.“ Bedeutend für die eigene Historie der Stadt war das Paneuropäische Picknick 1989.

Anders als in der Allgäumetropole spielt in Sopron der Weinbau eine große Rolle. Die Bezeichnung der „Ponzichter“ (‚Bohnenzüchter‘ – sie pflanzten Bohnen zwischen den Weinreben) genannten Weinbauern weist auf die Zweisprachigkeit der Soproner hin. „Über sechs Jahrhunderte war die Mehrheit der Bevölkerung deutschsprachig“, erzählt Fischer. Weinfestivals locken jüngere Menschen in die Stadt, ebenso das Musikfestival Volt mit rund 150.000 Besuchern. Sopron zählt außerdem zu den kulturellen Hochburgen Ungarns mit seinem Theater, einem sinfonischen Orchester, vielen Chören, einer Ballettgruppe, Kulturvereinen, Festivals und einer breitgefächerten Musik- und Kunstszene. Zu den Ehrenbürgern der Stadt gehört der ungarische Komponist Franz Liszt, der 1820 im Alten Kasino in Sopron im Alter von neun Jahren sein erstes Konzert gab und in den Folgejahren als Weltstar regelmäßig für Konzerte in die Stadt zurückkehrte.

„Sopron hat viele Partnerstädte, drei bis vier Partnerschaften werden aktiv ausgelebt. Kempten ist eine davon, woran auch der Freundschaftskreis Partnerstädte Anteil hat“, so das Resümee des Stadtratsbeauftragten.

Weitere Informationen über die Partnerstädte und den Freundschaftskreis sind unter www.freundschaftskreis-partnerstaedte-kempten.de und www.partnerstadt-kempten.eu abrufbar.

Dominik Baum

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