Zumsteinhaus ein "Inklusives Museum"?

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Das schmucke Zumsteinhaus soll nicht nur Stadtmuseum werden, sondern auch als inklusives Museum und damit für alle Menschen gerüstet werden.

Kempten – Die barrierefreien Vorgaben der baulichen Sanierung erfüllt das künftige Stadtmuseum im denkmalgeschützten Zumsteinhaus nach „DIN 18040“ bereits und berücksichtigt damit in der baulichen Konzeption die Bedürfnisse der Menschen mit körperlichen Einschränkungen, wie Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn im Kulturausschuss vortrug.

Um als inklusives Museum gelten zu können, müsse man aber „nicht nur auf die Einschränkungen eingehen“, sondern sich als Museum verpflichten, für alle Menschen da zu sein, unabhängig ihrer unterschiedlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen. Und genau das hat sich Müller-Horn als Ziel für das künftige Stadtmuseum auf die Fahnen geschrieben (der Kreisbote berichtete). Dem Ausschuss stellte sie nun dafür unterschiedliche Pakete an Maßnahmen „vor dem Museum, im Museum und im Vermittlungsprogramm“ zur Auswahl, die das inklusive Museum „zum Leben erwecken“ sollen. Diese sollen sich auch nicht nur an Menschen mit Einschränkungen richten, sondern den Museumsbesuch „sinnlicher und spannender“ für alle Besucher machen. Geplant sei, die Maßnahmen in Kooperation mit den Betroffenen und ihren Verbänden bzw. Vereinen zu entwickeln und auf Praktikabilität zu prüfen.

Da es später sonst „richtig teuer“ würde, empfahl sie die Maßnahmen aus Paket A sofort in die Planungen und Bauumsetzung aufzunehmen: zehn inklusive Aktivpfad-Stationen à 3000 Euro und eine technische Einrichtung für Hörgeschädigte (20.000 Euro). Mit dem Abgleich des Brandschutzes und zusätzlichen Honorarkosten für den Gestalter bezifferte sie die Mehrkosten insgesamt auf rund 65.500 Euro.

Knapp 145.000 Euro sind für Paket B „Maßnahmen für Blinde“ innerhalb des Museums veranschlagt, das unter anderem ein taktiles Leitsystem mit Bodenmarkierungen beinhaltet, Tafeln mit Pyramiden- und Brailleschrift oder 3D-Objekte. Auch zwei Reliefbilder sollen für andere Besucher sichtbare Dinge über den Tastsinn erfahrbar machen. Um auch den Außenbereich „inklusiv“ zu gestalten, angefangen beim Leitsystem vor dem Gebäude bis zum Tastmodell vor den Eingängen, würden weitere rund 124.000 Euro fällig.

Als dicksten Brocken, oder wie Müller-Horn meinte, „unser teuerster Posten“, stand eine „zukunftsweisende“ Inklusions-App auf der Liste, die allerdings erst nach der Eröffnung des Museums fertig werden könnte. Der Multimedia-Guide soll sowohl auf dem eigenen mobilen Gerät bedient werden können als auch alternativ per Leihgerät des Museums. Zu Buche schlägt dabei laut Müller-Horn vor allem, dass die App nicht nur für verschiedene Tourenvarianten sondern auch für verschiedene Betroffenengruppen erstellt werden müsse: eine audiodeskriptive Tour für Menschen mit Sehbehinderung, eine Videoführung in Deutscher Gebärdensprache für Menschen mit Hörbehinderung, eine Tour für Menschen mit Lernbehinderung, für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Besucher mit geringen Deutschkenntnissen und eine Führung in Englischer Sprache. Alles in allem käme die App auf gut 400.000 Euro, für die Müller-Horn 60 Prozent Förderung in Aussicht stellte. Generiert werden könnte sie über die Entwicklung eines Interreg-Projektes, indem Maßnahmen für das Kempten-Museum, den APC und das Vorarlberg-Museum in Bregenz gebündelt würden. Darüberhinaus könnte nach Vorgesprächen mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, Kempten als Pilotprojekt für die Entwicklung einer inklusiven App in Frage kommen und dafür ein Forschungsprojekt mit einer Universität aufgelegt werden.

Müller-Horn rechnet mit circa 30 inklusiven Veranstaltungen pro Jahr, für die speziell geschulte Honorarkräfte wie Blindenführer oder Gehörlosendolmetschern benötigt werden. Deshalb sei eine Erhöhung des Budgets für Vermittlung um 15.000 Euro nötig.

Der Beschluss folgte einstimmig OB Thomas Kiechle, der meinte, dass „wir uns dem Inklusionsgedanken grundsätzlich nicht verschließen sollten“ und es lediglich eine Frage des Umfangs sei. Deshalb schlug er „erstmal“ die Baumaßnahmen und damit Paket A vor. Die hielt der Stadtratsbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Lothar Köster (SPD), „vorab für unabdingbar“. Kulturamtsleiter Martin Fink sah „sehr sehr viel Potential“ in dem Inklusionsthema für das Museum, zumal Kempten bereits ein Inklusions-Hotel habe und sich mit solch einem kulturellen Angebot dazu „ein ganz neuer Besucherkreis erschließt“. Es sei für Kempten „eine ganz große Chance“ und ein „Alleinstellungsmerkmal“.

Christine Tröger

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