Vorfreude auf persönliche Begegnungen und vielfältigen Austausch

Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026: Lajos Fischer (Bündnis 90/Die Grünen): Beauftragter für die Partnerstädte

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Lajos Fischer mit Ehefrau Johanna Hodel-Fischer beim 30. Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks nahe Sopron. Auch OB Kiechle nahm mit seiner Gattin am Gedenktag teil.

Kempten – Mit Quiberon in Frankreich, Trient in Italien, Sopron in Ungarn, Sligo in Irland und dem deutschen Bad Dürkheim hat Kempten gleich fünf Partnerstädte, deren Freundschaft teilweise seit vielen Jahrzehnten Bestand hat. Gäbe es Corona nicht, wäre dieses Jahr die 30-jährige Städtepartnerschaft mit Sligo gefeiert worden. 2021 folgen zwei weitere Jubiläen: die Partnerschaft mit Quiberon wird 50, die mit Bad Dürkheim 20 Jahre alt. Seit der letzten Stadtratswahl ist Lajos Fischer als Beauftragter offiziell Ansprechpartner für die Partnerstädte.

Wirklich neu ist die Aufgabe für den gebürtigen Ungarn jedoch nicht. „Schon bevor ich nach Kempten gezogen bin, habe ich ehrenamtlich von Sopron aus die Städtepartnerschaft gepflegt. Bereits Ende der 1980er Jahre gab es in Kooperation mit dem Stadtjugendring einen Jugendaustausch der beiden Städte“, erinnert sich Fischer zurück. Er empfinde die Arbeit des heutigen Freundschaftskreises Partnerstädte Kempten e.V. unter der Leitung von Petra Le Meledo-Heinzelmann als sehr inspirierend und kümmere sich mittlerweile als Vorstandsmitglied um die deutsch-ungarischen Beziehungen. Hierzu organisiere er mitunter die regelmäßigen Bürgerreisen nach Sopron. Auch in Trient und Quiberon sei er persönlich gewesen, Besuche in Sligo und Bad Dürkheim stünden noch aus. „Aufgrund der Pandemie werde ich wohl die deutsche Partnerstadt zuerst besuchen.“

Im Interview mit dem Kreisboten lobte Fischer die gute Arbeit seines Vorgängers Stephan Prause, der seit dieser Legislaturperiode als Beauftragter für Menschen mit Behinderung in neuer Funktion tätig ist. „Über den Freundschaftskreis wird es sicher Gelegenheit geben, weiterhin gemeinsam die Städtepartnerschaften voranzubringen, wie wir es im Prinzip schon die letzten sechs Jahre zuvor getan haben.“ Neben der Absprache mit Prause als Vorgänger, habe zudem eine Abstimmung mit Oberbürgermeister Kiechle stattgefunden, der Fischer in seiner Beauftragtenfunktion große Freiheiten eingeräumt habe. „Wir arbeiten im Bereich der Partnerstädte schon sehr lange vertrauensvoll zusammen“, meinte der neue Beauftragte und nannte als Beispiel den gemeinsamen Besuch nahe Sopron während des 30- jährigen Jubiläums des Grenzdurchbruchs, der als Paneuropäisches Picknick in die Geschichtsbücher einging. Auch Angela Merkel und Viktor Orbán waren am Gedenktag im letzten Jahr vor Ort. Der europäische Gedanke habe für Kiechle und ihn bei der Idee der Städtepartnerschaften immer eine große Rolle gespielt und werde dies ebenso in Zukunft tun. „Es ist wichtig, direkte Begegnungen über Landesgrenzen und unterschiedliche politische Systeme hinweg zu ermöglichen und neue Freundschaften entstehen zu lassen. So bleibt weniger Raum für manipulative Ideologien“, ist sich Fischer sicher, der die drohende Gefahr der Spaltung in zwei Lager sieht: dasjenige, das die EU weiterentwickeln wolle und das, welches den nationalen Weg bevorzuge.

Aktuell würden die Partnerschaften auf schulischer, sportlicher, musikalischer, wirtschaftlicher und politischer Ebene vielschichtig gepflegt, wobei viele Veranstaltungen und Projekte zum Selbstläufer geworden seien. Weitere Patnerstädte seien trotzdem vorerst nicht geplant, da der Fokus auf einer aktiven Partnerschaft liege, was bei noch mehr Städten zeitlich schwer realisierbar wäre.

Stattdessen wolle Fischer im fachbezogenen Austausch, sei es beispielsweise zu kulturellen, integrativen oder ökologischen Themen, vorhandene Potentiale zur weiteren Vernetzung nutzen. „Im Kulturbereich laufen bereits die ersten Gespräche, wie eine solche Zusammenarbeit künftig aussehen könnte“, so der Stadtrat. Darüber hinaus will Fischer für alle Bürgerinnen und Bürger, die nicht über institutionalisierte Einrichtungen, wie Schulen und Vereine, Kontakt zu den Partnerstädten erhielten, neue Begegnungsmöglichkeiten schaffen.

Auch in Kempten selbst wolle er die Städtepartnerschaften sichtbarer werden lassen. Es gebe zwar auf dem Rathausplatz mit den Namen der Partnerstädte gravierte Steine, jedoch könnten viele ohne entsprechendes Hintergrundwissen damit nichts anfangen. Gemeinsam mit dem Stadtratskollegen Alexander Buck und der Stadtverwaltung werde momentan überlegt, wie dort mehr Informationen ansprechend bereitgestellt werden könnten.

Dominik Baum

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