Konkrete Vorhaben für ein inklusives Miteinander

Serie Beauftragte des Stadtrats 2020 - 2026 Stephan Prause (CSU): Beauftragter für Menschen mit Behinderung

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Stadtrat Stephan Prause will Kempten fairer machen.

Kempten – „Die Stadt fairer machen.“ So beschreibt CSU-Stadtrat Stephan Prause seine Aufgabe als Beauftragter für Menschen mit Behinderung. Das Werkzeug dazu: Inklusion. Man müsse Menschen mit Einschränkungen und diejenigen, die aus verschiedenen Gründen am Rand der Gesellschaft stünden, in die Mitte der Gesellschaft holen und ihre Lebenssituation verbessern. Das verlange die UN-Behindertenrechtskonvention mit ihrem Teilhabegesetz. „In Kempten klappt das schon ganz gut“, sagt Prause.

Seit sechs Jahren engagiert er sich im Beirat für Menschen mit Behinderung. Dem gehören neben Vertretern aus Politik, Verwaltung und Vereinen Menschen mit diversen Behinderungen an, um alle Blickwinkel zu berücksichtigen. Daraus hervorgegangen ist 2016 der Aktionsplan „Miteinander inklusiv Kempten“. Prause hat gern am Aktionsplan mitgewirkt und freut sich darüber, dass die Informationen und Unterlagen hierzu auch in leichter Sprache erhältlich sind. Schon das sei „gelebte Inklusion“.

Leichte Sprache ist ein Werkzeug, das Prause häufiger einsetzen will. „Auch Beamtendeutsch kann eine Barriere sein“, sagt er. Auch diejenigen, die aus verschiedenen Gründen komplizierte Formulierungen nicht verstehen, sollen sich durch Veröffentlichungen in Leichter Sprache selbst behelfen können. Überhaupt bietet die Sprache so manche Schwierigkeit, die es auszuräumen gilt: „Formulare und Texte, zum Beispiel auf der Kemptener Homepage, die sollten auch als Audiovariante und in Gebärdensprache zur Verfügung stehen.“

Von Barrierefreiheit und Inklusion profitieren auch viele, die man dabei gar nicht auf dem Schirm hat. So seien Rollstuhlrampen zum Beispiel auch für diejenigen eine Hilfe, die mit einen Kinderwagen oder einem Rollator unterwegs sind.

Stolz ist er auf den Erwerb einer Induktionshöranlage durch die Stadt, die es Menschen mit Höreinschränkungen ermöglicht, trotzdem an Veranstaltungen wie Vorträge und Konzerte teilnehmen zu können. „Jeder Cent ist da gut angelegt.“ Für den Rathausplatz sieht er ein Behinderten-WC als nötig, das auch groß genug für elektrische Rollstühle ist, und für die Treppe am Zumsteinhaus wünscht er sich Markierungen, damit die Stufen auch von Sehbehinderten erkannt werden.

Dass Inklusion „für alle Seiten gewinnbringend“ ist, hebt Prause hervor. Das gelte auch für Unternehmen. Ziel müsse sein, Menschen mit Einschränkungen und Behinderungen „auch auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen“.

Prause kann aus eigener Erfahrung sprechen: Sein älterer Bruder hat Trisomie 21. „Als er zur Schule ging, gab es noch keine inklusiven Schulen“, erzählt Prause. Da habe sich in den letzten Jahren viel getan in Kempten. Inzwischen besuchen mehr SchülerInnen mit Behinderung eine inklusive Schule statt einer Förderschule. „Ein schöner Erfolg“, findet Prause.

Auch die zehnte Grundschule, die Kempten nun neu bekommen wird, soll das Schulprofil „Inklusion“ erhalten und wäre damit die neunte Kemptener Grundschule mit diesem Profil. Das Antragsverfahren habe gerade begonnen. Für eine Schule, die erst neu gebaut werde, sei dieses Profil besonders wichtig. Bei einem Neubau sei es leichter, auf Barrierefreiheit zu setzen.

Seinen Amtsvorgänger, den ehemaligen SPD-Stadtrat Lothar Köster lobt Prause sehr, dieser habe „Maßstäbe gesetzt“, genauso wie der langjährige Vorsitzende des Behindertenbeirats Albrecht Hung. Von beiden habe Prause auch viele Unterlagen bekommen, mit denen er sich u. a. in Sachen Baurecht informieren konnte. Um Barrierefreiheit zu schaffen, sei umfangreiches rechtliches Wissen notwendig, betont Prause.

Prause hofft drauf, dass in den kommenden Jahren der politische Wille vorhanden sein wird, um weitere Inklusionsmaßnahmen durchzusetzen und die Ressourcen dafür bereitzustellen. Ein wichtiger Schritt wäre seiner Meinung nach auch, die halbe Stelle der Inklusionsbeaftragten bei der Stadt zu einer Vollzeitstelle auszubauen. Für all diese Aufgaben blickt er optimistisch in die Zukunft. Denn er erkennt dazu breiten Konsens unter den StadträtInnen und hat festgestellt, dass die Zusammenarbeit mit dem Leiter des zuständigen Referats Jugend, Schule und Soziales Thomas Baier-Regnery, der kommunalen Inklusionsbeauftragten Simone König und vor allem den Vertretern des Beirats für Menschen mit Behinderung sehr gut klappe. „So funktioniert eine Stadt“, sagt Prause.

ma

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