Spektakuläre Hingucker

So phantasievoll gratuliert man sich auf dem Land

Geburtstagsgrüße für Sabine (siehe zweites Foto) und Rosi an der Landstraße zwischen Hellengerst und Waltenhofen.
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Da bleibt fast jeder Passant stehen und drückt auf die Kamera: Geburtstagsgrüße für Rosi an der Landstraße zwischen Hellengerst und Waltenhofen.
  • Lutz Bäucker
    VonLutz Bäucker
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Waltenhofen – Bremsen quietschen, Autos stoppen, Kameras klicken: Wer von Hellengerst Richtung Waltenhofen fährt, sollte auf Höhe Abzweig Maind auf alles gefasst sein.

Zwei riesige Installationen mit Transparenten, einer lebensgroßen Puppe und allerlei Gegenständen ziehen dort die Aufmerksamkeit aller Vorbeikommenden auf sich. Im Mittelpunkt des auffälligen Arrangements: Sabine (50) und Rosi (60) aus dem Weiler Maind.

Ein Schiff auf der Wiese und die Whatsapp-Queen

Die beiden Frauen haben vor ein paar Wochen ihre runden Geburtstage gefeiert. Und so etwas wird im Oberallgäu immer öfter mit phantasievollen und witzigen Installationen am Straßenrand, vor dem Haus der Jubilare oder auf der Wiese davor begleitet. „Klar doch, das macht Riesenspaß und freut alle“, sagt Hedwig Läufle, Nachbarin der beiden und offensichtlich treibende Kraft der Aktion.

Steffi aus Maind wurde so im vergangenen Jahr zum 40. mit einem großen Holzschiff im Gras geehrt, dem handwerklich und künstlerisch begabten Nachbarn Wolfgang stellten sie zum 60. Geburtstag eine Werkbank auf die Wiese. „Wir halten hier alle super zusammen“, erzählt Läufle, „überlegen uns, was wir für wen am besten hinstellen und auf die Transparente schreiben.“

Sabine ist sehr angetan von den Adjektiven, die für sie auf eine etwa drei Meter hohe Wand gepinselt worden sind: Powerkanone, rasende Bäuerin, singende Allrounderin, WhatsApp-Queen. „Ich kann mich nicht beschweren“, lacht sie. Und warum „pfiffige Chefin“? „Weil ich immer mit zwei Fingern zum Mittagessen pfeife.“ Die Bezeichnung „Duracell-Schnätter-Bine“ kommentiert sie ebenfalls lachend: „Wer mich kennt, weiß, was gemeint ist …“

Geburtstagsgrüße für Sabine an der Landstraße zwischen Hellengerst und Waltenhofen.

Nachbarschaftliches Spektakel

Fast noch phantasievoller ist der nachbarschaftliche Gruß für Rosi, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Bremsen zum Quietschen bringt: Eine als Krankenschwester kostümierte Frauenpuppe, die einen Kinderwagen schiebt, daneben ein Kaffeetisch und ein paar doppeldeutige Wortgebilde in bunten Lettern.

Rosi klärt auf: „‚Singdrossel‘, weil ich im Frauenchor Memhölz singe‚ ‚365 Tage Oma‘, weil ich fünf Enkel betreuen darf. ‚Paparazzi‘, weil ich gern fotografiere.“ Beruflich ist sie im Krankenhaus aktiv, daher das rote Kreuz auf dem Puppenkopf.

Die 60-Jährige sieht den Hype im Dorf gelassen. „Eine schöne Sache“, findet sie. Hedwig und Sabine legen ein paar Schippen drauf. „Wir machen da richtig Brainstorming, entwickeln ein Konzept und Wolfi, unser Künstler, setzt das dann um.“ In der Regel sind etwa acht Familien an dem Spektakel beteiligt.

Foto-Stopp für Passanten

Immer wieder bleiben vorbeifahrende Autos stehen, meistens sind es Allgäu-Urlauber, die den Brauch hinter diesen Installationen nicht kennen. Dann klicken die Digitalkameras bis die Akkus leer sind, Daumen hoch und weiter geht die Fahrt.

Jüngere »Jubilare« müssen sich gedulden

„So bleibt unser Weiler bei den Leuten im Gedächtnis“, meint Hedwig. In der Regel werden runde Geburtstage ab 40 Jahren so gefeiert, jüngere Nachbarn müssen also warten, bis es so weit ist. Manchmal werden auch Geburten und Hochzeiten phantasievoll kundgetan. Für die Menschen in eher abgelegenen Siedlungen wie Maind immer eine große Sache. „Wir machen weiter“, kündigen Sabine und Hedwig an, „auch wenn es bei uns jetzt bis zum nächsten ‚Runden‘ ein bissle dauert.“

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