Die Vier von der Schanze

Vier Buchenberger Brüder in der Spur von Rydzek und Frenzel

David Mach aus Buchenberg und vier weitere Sportler beim Sommer Grand Prix Nordische Kombination in Oberstdorf beim Langlauf auf Rädern.
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David Mach (20) ist auf dem Sprung in die Elite der deutschen Kombinierer. Hier beim Sommer Grand Prix in Oberstdorf.

Buchenberg – „Es hat sich irgendwie ergeben,“ sagt Vater Christoph. Mutter Sabine ergänzt: „Uns macht es viel Spaß!“ Die vier Söhne des Ehepaares Mach betreiben alle denselben Sport: David, Simon, Lucas und Elias stürzen sich von Sprungschanzen in die Tiefe und quälen sich durch manchmal endlos scheinende Loipen. Die vier Brüder gehören zu den hoffnungsvollsten Talenten in der Nordischen Kombination, die am heutigen Samstag in die neue Weltcup-Saison startet.

Auf dem Sprung in die Elite

David ist mit 20 Jahren der Älteste im Mach-Quartett, er kommt gerade von einer Rennradtour zurück: „Oberstdorf - Rohrmoos -Hittisau - Oberstdorf, in etwas mehr als drei Stunden, im Schnitt 28 Stundenkilometer, ganz gut“, meldet er und lacht: „Nur im Rohrmoostal war die Straße ein bissle glatt.“ Training für die bevorstehende Saison, leichtes Pedalieren war angesagt, wenn die Kombinierer zu schwer treten müssen, ist das nicht gut für die Beinmuskeln. Gestern stand Langlauftraining in Davos auf dem Programm, die Schweizer haben noch Schnee aus dem vergangenen Winter. Man kommt rum als Mitglied des deutschen Perspektivkaders. „Ich möchte natürlich gern in den A-Kader aufrücken“, erklärt David. Mit Johannes Rydzek, Eric Frenzel und Vinzenz Geiger in einer Mannschaft um Weltcup-Punkte kämpfen, bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft in Oberstdorf dabei sein. Elf Einsätze im A-Team hat der junge Sportsoldat bereits absolvieren dürfen. David hofft auf mehr: „Von Bundestrainer Hermann Weinbuch hab ich positive Signale bekommen“, freut er sich, „ich glaube, der traut mir das zu!“ Einen Titel hat er schon in der Tasche: 2019 ist David im Oberstdorfer Skiinternat zum ‚Eliteschüler des Jahres‘ gewählt worden. „Er hat das Abi mit 1,0 gemacht“, sagt Mutter Sabine stolz. 2026 möchte ihr Sohn bei Olympia starten.

Motivationshilfe vom Papa

Elias noch nicht. Der 13-Jährige geht ins Gymnasium, er mag Deutsch und findet Mathe anstrengend. Manchmal macht auch das Training keinen Spaß, „doch dann kommt der Papa und motiviert mich wieder“, sagt der Jüngste der Vier von der Schanze am Buchenberger Haslach Rain mit einem Grinsen. Elias hat einen Sprungski mitgebracht, mit 220 Zentimetern drei Köpfe länger als der Junge. Seine damit erzielte bisherige Bestweite: 90 Meter! „Springen liegt ihm besser als das Laufen“, weiß Christoph Mach, der als Gymnasial-Sportlehrer das konditionelle Hallentraining der Nachwuchskombinierer leitet. Er hat bei seinen Söhnen die Eignung für Langlauf und Springen erkannt, unterstützt von Ehefrau Sabine, die früher selbst in der Loipe aktiv war: „Klar, ich hab die Jungs zum Training gefahren, zu den Wettkämpfen begleitet und mit ihnen gelernt, oft unterwegs im Auto.“

Elias (13) ist der Jüngste der vier Mach-Brüder. Auf der Schanze in Buchenberg haben alle ihre ersten Sprünge gemacht.

Eltern als Edel-Fans

Natürlich gehören die Machs zu den Edel-Fans, die ihren Kindern als Schlachtenbummler so oft wie möglich vor Ort die Daumen drücken. Wenn es mal nicht geht und Sabine in ihrer Buchenberger Apotheke Wochenend-Dienst schieben muss, dann kann sie sich auf ihre Kunden verlassen: „Die kommen rein und berichten mir aktuell, wie es läuft, das ist einfach schön.“ Buchenberg ist mächtig stolz auf das Mach-Quartett und all die anderen jungen SportlerInnen, die den Namen der kleinen Marktgemeinde in der Welt des Wintersports immer bekannter machen. David erinnert sich an den Empfang, den ihm die Gemeinde und ihre knapp 4200 Einwohner im vergangenen Jahr bereitet haben, nach der Goldmedaille bei der Junioren-WM in Lahti: „Blasmusik, Bürgermeister, Beifall, einfach cool!“ Die beiden „mittleren“ Brüder Simon und Lucas haben so etwas noch nicht erlebt, aber Vater Christoph ist optimistisch, dass das auch irgendwann klappt: „Der Eine ist motorisch überaus begabt, der Andere mental sehr stark.“

Früchte der Buchenberger Nachwuchsarbeit

David, Simon, Lucas und Elias profitieren von der bemerkenswert nachhaltigen Nachwuchsarbeit im TSV Buchenberg. Engagierte Trainer, hochmotivierte Ehrenamtliche, positive Resonanz in der ganzen Gemeinde: Daraus resultieren erfolgreiche Athleten, die aber auch eine gute Infrastruktur benötigen. Die 35-Meter-Schanze in Buchenberg muss renoviert werden, „der Anlauf“, sagt Sabine Mach, „das kostet einen Haufen Geld.“ Landkreis und Gemeinde haben schon einen Beitrag geleistet, aber es fehlt noch einiges.

Am liebsten auf Skiern durch die Polarnacht

David, der potentielle Nachrücker in den deutschen A-Kader, erinnert sich noch genau, wie er zum allerersten Mal vor dieser Schanze stand: „Da war ich acht und wollte sein wie die Stars der Vierschanzentournee.“ Zwölf Jahre danach fliegt er selbst mit den ganz Großen durch die Luft und freut sich auf seine Lieblingsloipe in Finnland: „Dort in der Polarnacht durch die stille, weiße Weite zu gleiten – was Schöneres gibt’s nicht!“

Lutz Bäucker

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