Entscheidung vertagt

Beschluss über Neubau für Stadtbibliothek und vhs im Februar

Die Orangerie im Hofgarten in Kempten, wo die Stadtbibliothek untergebracht ist.
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Noch ist die Entscheidung über das künftige Domizil der Stadtbibliothek nicht gefallen.

Kempten – Die Tagesordnung für die Stadtratssitzung im Januar sah ursprünglich vor, über wichtige Weichenstellungen für die Zukunft von Stadtbibliothek und Volkshochschule zu entscheiden. Auf der Grundlage eines Standortvergleichs sollte das Gremium beschließen, jenen Vorschlag nicht weiterzuverfolgen, der vorsieht, den Neubau der Bibliothek auf dem Sparkassenquartier an der Königstraße zu errichten. Stattdessen sollte die Entscheidung für den zweiten, in der engeren Auswahl verbliebenen Standort und einen gemeinsamen Neubau für beide Bildungseinrichtungen fallen.

Folgt man der vorbereiteten Beschlussvorlage, soll auf dem Schwaigwiesschulgelände ein Gebäude mit einem bereits ausgearbeiteten synergetischen Raumprogramm entstehen. Vorgesehen war, dass die StadträtInnen die Sozialbau beauftragen, „ein Finanzierungsmodell zu erarbeiten“, und dem Amt für Gebäudewirtschaft den Auftrag erteilen, einen Realisierungswettbewerb zu veranstalten. Wären diese Vorbereitungen abgeschlossen, könnten die Bauarbeiten „bis spätestens 2025“ beginnen. Geplant war außerdem, die Verwaltung mit der Aufgabe zu betrauen, gemeinsam mit den KemptenerInnen ein Konzept für die zukünftige Nutzung des Orangeriegebäudes zu entwickeln, das nach dem geplanten Umzug der Stadtbibliothek zu Verfügung stünde.

Die folgenreiche Abstimmung wurde jedoch vorerst vertagt, da die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Aufschub beantragt hatte. Insbesondere die im Frühling 2020 neu in das Gremium gewählten StadträtInnen bräuchten noch Zeit, sich über das Projekt genauer zu informieren. Für das künftige Votum der Grünen könnte auch von Bedeutung sein, dass auf dem Schwaigwiesschulgelände mehrere große, alte Bäume stehen, die dem geplanten Bildungs- und Kulturzentrum weichen müssten.

Der Antrag von FDP, Future for Kempten (FFK) und ödp, den Platz der Städtepartnerschaft im Hofgarten als möglichen Standort in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen, wurde in der Beschlussvorlage nicht berücksichtigt. Vielmehr weisen die Sitzungsunterlagen in ihrer ursprünglichen Fassung darauf hin, dass der Stadtrat bereits im April 2019 entschieden habe, dieser Möglichkeit nicht weiter nachzugehen, nachdem eine Standortanalyse das Grundstück nicht „empfohlen“ hatte. Die Antragsteller listen dennoch eine ganze Reihe von Argumenten auf, die ihres Erachtens für den Verbleib der Allgäubibliothek im Orangeriegebäude und einen ergänzenden Neubau in deren unmittelbarer Nachbarschaft sprechen. Dort könnten dann weitere Bibliotheksbereiche und die Volkshochschule einziehen. Nach Auffassung von FDP, FFK und ödp brächte ein „Bürger-, Kommunikations- und Bibliothekszentrum“ auf dem Schwaigwiesschulgelände erhebliche Nachteile mit sich: So warnen sie vor einer Beeinträchtigung der Festwoche, weisen auf das hohe Verkehrsaufkommen rund um das Grundstück hin und äußern ökologische Bedenken im Hinblick auf den Baumbestand und den Abriss des bestehenden Gebäudes – Stichwort: „graue Energie“. Vom „Standort Hofgarten“ erhoffen sie sich zudem eine „Stärkung der nördlichen Innenstadt“ und erinnern daran, dass vor fünf Jahren in einer Umfrage unter Bibliotheksnutzern „eine überwältigende Mehrheit“ diese Lösung favorisiert habe.

Oberbürgermeister Thomas Kiechle hat auf Anfrage des Kreisboten mitgeteilt, dass die Sozialbau „die gesamte bautechnische Realisierung des Vorhabens“ übernehmen werde. Anschließend sei vorübergehend „eine Art Vermietung an die Stadt“ vorgesehen, „an deren Ende die Eigentumsübertragung an die Stadt Kempten folgt“. Der Stadtrat werde in seiner Februarsitzung über den im Januar aufgeschobenen Beschluss abstimmen. 

kb

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