Gebäude mit Ausstrahlung

Gestaltungsbeirat diskutiert über eine mögliche Umnutzung für „Kleine Basilika“ Eberhardstraße 4 

Ein damals als Sacklager dienendes historisches Gebäude aus Ziegelsteinen, „Kleine Basilika“ genannt, in der Eberhardstraße in Kempten, erbaut 1883, auf einer bräunlichen Schwarz-Weiß-Fotografie.
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Das im Volksmund „Kleine Basilika“ genannte Gebäude an der Eberhardstraße 4, erbaut als Sacklager von Theodor Kremser anno 1883.

Kempten – Es ist ein Gebäude mit Ausstrahlung und Geschichte und seine besondere Gebäudeform ist ein Alleinstellungsmerkmal und hat dem Haus in der Eberhardstraße 4 den Spitznamen „kleine Basilika“ verpasst.

Dass es auch für Dr. Jörg Heiler von heilergeiger architekten kein 08/15-Bau ist, war herauszuhören als er dem Gestaltungsbeirat erste Überlegungen für die Zukunft des Hauses vorstellte. Bis vor Kurzem war dort Kremser-Planen zu finden. Nachdem Ullrich Kremser in Ruhestand gegangen ist, steht das Fabrikgebäude leer. Erbaut wurde es von Kremsers Urgroßvater Theodor in den 1880er Jahren als Sacklager und ist seither im Familienbesitz. „Sanieren, Optimieren oder Neubau“, nannte Heiler die drei Optionen für eine weitere Nutzung. Bauherr und Architekt waren bewusst sehr frühzeitig mit ihren Überlegungen an den Gestaltungsbeirat herangetreten, um von diesem eine erste Einschätzung mit Anregungen zu erhalten.

Momentan liege der Fokus auf „Sanierung und Weiterentwicklung“, ließ Heiler das Gremium wissen. Der rechtwinklige Gebäudekörper steht giebelständig zur Eberhardstraße, erstreckt sich fast über die gesamte Grundstückstiefe und liegt mittig zwischen zwei bebauten Grundstücken. Links vom Baugrundstück schließt sich das viergeschossige ehemalige Postgebäude an; rechts davon läuft über das Eck Eberhardstraße/Salzstraße ein dreigeschossiges Gebäude, in dem oben das Kari-Tanzhaus und ebenerdig ein Feneberg-Markt angesiedelt sind.

Aktuelle Ansicht des Gebäudes mit dem benachbarten Postgebäude. Wie könnte die Zukunft des mit der Kemptener Geschichte verwobenen Gebäudes aussehen?

In der „Zielfindungsphase des Vorkonzeptes“ spielt laut Heiler die zentrale Lage des Grundstücks in der Stadtmitte im Umfeld der historischen Stiftsstadt eine wesentliche Rolle. Nachgedacht habe man über eine Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten sowie die Weiternutzung des Bestehenden oder auch die Aktivierung des Erdgeschosses durch unterschiedliche Nutzungen zu einem öffentlichen Raum, der Innen und Außen miteinander verwebt.

Vier Alternativvorschläge stellte Heiler dem Fachgremium vor. Dabei legen die Entwürfe den Baukörper des giebelständigen Bestandsgebäudes mit dem zweigeschossigen Mittelschiff und den eingeschossigen Seitenschiffen zugrunde, mit unterschiedlichen Erweiterungsoptionen. Allerdings, so der Hinweis Heilers, sei eine Erweiterung wegen des schmalen Grundstücks und der einzuhaltenden Abstandsflächen schwierig. Ein weiteres Problem sei der „Schwemmsand im Boden“, weshalb der Grund keine größere Last tragen könne als jetzt ohne Bohrpfähle zu setzen. Denkbare Varianten sind:

  • Aufstocken des Mittelschiffs um ein zweites Obergeschoss mit Satteldach, wodurch es sich an die Firsthöhe der Nachbargebäude anpasst.
  • Erhöhung auch der Seitenschiffe um ein weiteres Geschoss. Die Dachgestaltung bleibt wie bei der vorigen Variante unverändert.
  • Das Erdgeschoss wird um ein Vollgeschoss erweitert und um ein Sheddach, dessen Firsthöhe die der Nachbargebäude aufnimmt und sich in drei Stufen zur straßenabgewandten Seite auffaltet, um ein weiteres Vollgeschoss erhöht. Der Gebäudekörper steht hierbei traufständig zur Straße und passt sich an die Massivität der Nebengebäude an. Dadurch wird der städtebauliche Gesamteindruck stark verändert.
  • Der Grundriss des Bestandsgebäudes und des Erdgeschosses behalten ihre ursprüngliche Form. Das Mittelschiff wird um zwei Vollgeschosse erhöht. Darüberhinaus wird das Gebäude um ein drittes Obergeschoss erweitert.

Es sei „ein kleines Juwel aus einer anderen Zeit“, begeisterte sich Prof. Hannelore Deubzer. Sie würde für gut befinden, „man bleibt in dieser historischen Grundstruktur“. Problematisch sah sie das Fehlen von Parkplätzen, falls man sich für eine Wohnnutzung entscheide. Sie sah an der Stelle einen „Kristallisationspunkt“ und würde eine öffentliche Nutzung begrüßen – „aber wofür?“

Auch ihr Gremiumskollege Hans-Peter Hebensperger-Hüther fände eine öffentliche Nutzung „optimal“, eine Wohnnutzung wegen der benachbarten Schreinerei auf der einen Seite und auf der anderen der Feneberg-Anlieferung weniger. Er freute sich regelrecht darüber, „zu so einem frühen Zeitpunkt“ ein „so aufbereitetes“ Projekt vorgestellt zu bekommen, was dem Gremium noch wirklichen Gestaltungsspielraum lasse. Das geschehe nämlich äußerst selten.

Christine Tröger

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