»Große Kraftanstrengung«

Ganztagsbetreuung für Grundschüler bringt neue Herausforderungen

Ein Mädchen malt gemeinsam mit einer jungen Frau ein Bild, die beiden sitzen an einem Tisch.
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Die Ganztagsbetreuung für Grundschüler ist eine Herausforderung.
  • VonMartina Ahr
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Kempten – Ab dem Schuljahr 2026/2027 soll er gelten: Der gesetzliche Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Grundschüler und Grundschülerinnen. Der Bundestag hat dem Gesetzentwurf bereits zugestimmt.

Dieser kommende Rechtsanspruch bedeute für die Kommunen eine „große Kraftanstrengung“, so Thomas Baier-Regnery, Leiter des Referats Jugend, Schule und Soziales. „Wir müssen die Räume schaffen und ausreichend Fachkräfte und Betreuungspersonal finden, das wird nicht leicht fallen.“

3,5 Milliarden Euro wird der Bund dafür insgesamt investieren. „Die Finanzierung beschäftigt uns im Städtetag sehr“, sagt OB Thomas Kiechle. Der Städtetag fordert deshalb, dass die Unterstützung deutlich höher ausfallen muss, als bisher geplant und zudem auch die Folgekosten (Betriebskosten und Gebäudekosten) stärker berücksichtigt werden. „Sonst wird es für Kommunen schwierig, die Anforderungen umzusetzen.“

Bereits jetzt, ohne Rechtsanspruch, steht die Ganztagsbetreuung in Kempten vor großen Herausforderungen, berichtet Franz Hansen, Leitung Ganztagesbetreuung an Schulen. Die Nachfrage sei groß. Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass Familien diese Betreuungsangebote nutzen, um den Beruf mit dem Familienleben zu vereinbaren. Aber auch die Hilfe bei den Hausaufgaben sei ein wichtiger Faktor. Außerdem befürworten Schulleitungen, Sozialarbeiter und Schulpsychologen oft aktiv die Ganztagsbetreuung, so Hansen. Er erzählt auch von einem Fall, in dem ein Kind sich über die Ganztagsbetreuung gefreut habe, da es hier endlich wieder ein warmes Essen bekommen habe.

Drei Säulen

Die Ganztagsbetreuung verteilt sich derzeit auf drei Säulen. Die offene sowie die gebundene Ganztagsschule, beide Varianten sind kostenfrei für die Familien, werden von den Schulen selbst organisiert. Die Mittagsbetreuung, die eine Gebühr erfordert, unterliegt hingegen städtischer Trägerschaft.

71 Betreuungskräfte sind aktuell in der Ganztagsbetreuung beschäftigt, außerdem 19 Angestellte bei Essensausgaben und zusätzlich neun Springer. Das Personal werde aber nicht ausreichen, so Hansen. Er setzt auf Fortbildungsangebote, da der Fachkräftemangel wenig Spielraum biete.
Ein zweites Problem sei der Platz. „An vielen Schulen herrscht Raumnot“, sagt er. Oft müsse in andere Klassenzimmer ausgewichen werden. An der Gustav-Stresemann-Schule sei beispielsweise der Essensraum mit ca. 14 Quadratmetern so klein, dass es nicht möglich sei, dass die betreuten Kinder gleichzeitig essen. „Es braucht größere Ansätze, da zu oft improvisiert werden muss“, so Hansen.

Ein erster Schritt ist mit dem Erlass einer Satzung und einer Gebührenordnung getan, die im Ausschuss für Schule und Sport einstimmig beschlossen wurde. Waren die Forderungen bislang privatrechtlicher Natur, können sie nun leichter vollstreckt werden – zumindest der Verwaltungsaufwand falle damit etwas geringer aus.

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