AufStadtspaziergang mit OB Kiechle

Depot und Stadtbibliothek werden vorerst Wunschträume bleiben

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Station machten die „Stadtspaziergänger“ unter anderem im Stadtpark, wo die Umgestaltungsarbeiten auf Hochtouren laufen und OB Thomas Kiechle (Mitte) auch Auskunft zum Stand Stadtbibliothek und Zumsteinhaus gab.

Kempten – Rund 30 Leute waren der Einladung des Ortsvorsitzenden der CSU Kempten-Süd Stephan Prause gefolgt und hatten sich zusammen mit OB Thomas Kiechle auf einen Stadtteilspaziergang begeben. Neben Stadtteil spezifischen Stationen wie dem Lebensmittelmarkt in der Haubenschloßstraße,

lief die Route über die Wärmestube des BRK, das Allgäu-Art-Hotel zum „großen Loch“, für dessen Bebauung nun endlich die Verträge unterschriftsbereit seien, wie Prause im Gespräch mit dem Kreisbote meinte. Beim kurzen Zwischenstopp auf dem ehemaligen Brauhausgelände lobte Kiechle, dass hier ein „modernes innerstädtisches Wohnen“ entstanden sei, „das auch funktioniert“. Die damalige politische Entscheidung, das ehemalige Sudhaus in seiner Außenfassade wieder aufzubauen, sei damals richtig gewesen. Heute würde er aber sagen, „vielleicht etwas mehr Mut und weniger auf die Leute hören“, denn an dem Gebäude sei „nichts denkmalgeschützt“ gewesen.

Zwei „Höhepunkte“ des Spaziergangs waren sicher Stadtpark und Zumsteinhaus. Ersteren bezeichnete Kiechle als das „mutigste“ Projekt, „weil wenn’s um Bäume geht, weiß es jeder besser“, dabei werde immer vergessen, „dass Bäume nachwachsen“. Beim Rundgang durch die Anlage ging er unter anderem auf die drei bald auch begrünten „eiförmigen Inseln“ ein, die noch mit Sitzmöglichkeiten eingefasst werden sollen, das Wasserspiel, das in Kürze in der östlichen Ecke des Weges zwischen Stadtpark und Sparkassengebäude sprudeln soll und das „große Spielgerät“ an der westlichen Ecke. Insgesamt werde es „mehr Grünanteil als im alten Stadtpark“ geben, betonte er, auch wenn der optische Eindruck zumindest momentan trüge. Sitzgelegenheiten sollen entweder dort sein, wo keine Krähen-Bäume sind oder mit einer eigens für den Kemptener Bedarf entworfenen Überdachung versehen werden.

Wie Kiechle erklärte, werde der Festwochenaufbau künftig einfacher, da die Stadtparkgestaltung darauf abgestimmt sei. 5,9 Millionen Euro seien zwischen Festwochenabbau und Festwochenaufbau verbaut worden, zeigte er sich beeindruckt über die zeitlich sportliche Leistung. „Ich hoffe, dass das Gesamtbild schön ist und gut – ich war immer davon überzeugt – und dass es die Leute annehmen.“ Da es „immer auch Kritik gab“, sei die Entscheidung für den Wegfall der 37 Parkplätze vor dem Finanzamt zwar für ihn „nicht leicht“ gewesen, aber seines Erachtens „richtig“.

Das werden die ersten Seilbahn-Gondeln, witzelte der stellvertretende Ortsvorsitzende Stephan Kraus über die bereits angelieferten Überdachungs-Gestänge auf dem Gelände. Den Kemptener Werner Thanner beschäftigten eher die Krähen. Wie er im Gespräch mit dem Kreisbote erzählte, habe er vom ehemaligen Stadtgärtner Uwe Gail erfahren, dass „nur Bayern und Baden-Württemberg ein so strenges Tierschutzgesetz haben“. Deshalb sollten sich seines Erachtens die Kommunen zusammenschließen und sich für eine Lockerung an den Landtag wenden.

Zum Lingg-Park gebe es, so Kiechle auf Nachfrage, noch „keine Pläne“. Da aber im Rahmen des Mobilitätskonzeptes die ZUM verändert, sprich verkleinert, werde, komme das sicher dem Lingg-Park zugute.

„Auch ein ganz großes Projekt“ – das neue Stadtmuseum im Zumsteinhaus, dessen Eröffnung Kiechle nun auf das Wochenende 6./7. Dezember 2019 fixierte. In Bayern gebe es „nur ganz wenige Städte, die ein neues Museum“ und vor allem „in ein altes Gebäude bauen“, hob er die Besonderheit hervor. Bei der recht frisch daherkommenden Fassadenfarbe habe man dem Wunsch des Denkmalamts – grau in grau – nicht entsprochen. Und „jetz’ is scho gmolt“, schmunzelte der OB. Insgesamt sei das Zumsteinhaus „extrem schnell vollzogen worden“, sogar „doppelt so schnell“ wie seitens der staatlichen Museen empfohlen worden sei, entkräftete Kiechle die immer wieder vorgebrachte Kritik an Bauverzögerungen, die ein altes Gebäude halt mit sich bringe. Der Grundgedanke hinter dem barriere- und vor allem für alle Besucher kostenfreien Stadtmuseum sei, dass es allen zugänglich und „ein Ort der Begegnung ist“.

Nachdem die Zumsteinwiese als Standort für eine neue Stadtbibliothek vom Tisch ist, sollen laut dem Stadtoberhaupt nun die Planungen für die Gestaltung der Grünfläche beginnen, „Mittel sind bereits eingestellt, wie er angab. Als Bibliotheks-Standorte seien nach wie vor die Gebäude der Sparkasse an der Königstraße sowie der aktuelle Standort der vhs im Gespräch. Ernster war seine Miene bei dem Hinweis, dass der Zeitpunkt für eine Umsetzung allerdings „noch offen“ sei.

Ebenfalls „noch offen“ – oder sollte man sagen: wieder offen? – ist der Bau des Museums-Depots, wie Kiechle auf Nachfrage des Kreisbote recht kurzangebunden einräumte. Das werde „Thema der Haushaltsberatungen“ sein. Schulen und Kitas „sind die wichtigen Themen, denen sich alle anderen unterordnen müssen“. Laut den beiden CSU-Stadträten Birgit Geppert und Stephan Prause werde sich der Bau des Depots höchstens um ein Jahr verzögern. Andere Quellen aus dem Gremium sprechen von „mindestens vier, fünf Jahren“, in denen mit dem Depot nichts passieren werde. Im Kulturamt war bis Redaktionsschluss niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Bisherige Depot-Planung

• 2015 kam die Idee auf, geeignete Räume für ein Zentraldepot anzumieten, da die über die Stadt verstreuten Räumlichkeiten aus allen Nähten platzen. Parallel wurde der Auftrag erteilt ein Sammlungskonzept zu erarbeiten, was laut damaliger Aussage seitens Kulturamt nicht möglich war, da die Depoträume zu vollgestopft seien. Noch im gleichen Jahr wurde die Idee einer Anmietung verworfen.

• 2016 war die Sozialbau mehrfach als potentieller Bauherr eines Depots im Kulturausschuss, welches dann von der Stadt angemietet werden sollte. Als Bausumme waren nach grober Kostenschätzung 3,2 Millionen Euro im Gespräch. Ende des Jahres beantragten die Stadträte Andreas Kibler (CSU) und Alexander Hold (Freie Wähler), das Depot doch lieber seitens der Stadt zu bauen, woraufhin 3,2 Millionen Euro ins Investitionsprogramm für die kommenden Jahre aufgenommen wurden.

• 2017/18 Kulturamt und Bauamt haben die Arbeit aufgenommen. Es wurden Bestände und Bedarfe ermittelt sowie mit Architekten konferiert.

• 2018 wurden in einer Gemeinschaftssitzung des Kultur- und Bauausschusses aufgrund der erstmals vorliegenden Planung, hinzugekommenen Objekten aus dem aufgelösten Allgäu-Museum sowie zusätzlichen Kosten für die Grundstückserschließung 5,6 Millionen Euro als Bausumme fixiert.

• Aktuelle geplanter Stand:

• 2020 Baubeginn

• 2021 Fertigstellung

• Ende 2021 Beginn der Umzüge aus den einzelnen Depot-Standorten

Christine Tröger

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