Ein Artenvielfaltsgarten

Unweit vom Bachtelweiher entsteht ein ökosoziales Bürgerschaftsprojekt

Ein Schmetterling sitzt auf einer Distel inmitten von weiteren Disteln
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Am Artenvielfaltsgarten beim Bachtelweiher sollen viele Akteure mitwirken.

Kempten – Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Schon 2019 war Manuela Härtl-Hiller mit dem Wunsch an das Klimaschutzmanagement der Stadt herangetreten, an der Linggener Straße neben den Kleingärten einen Artenvielfaltsgarten zu schaffen.

Derzeit wird die anvisierte Fläche als Bolzplatz für Kinder genutzt; auf dem ungenutzten Teil mit Wiese und einigen Bäumen und Büschen soll nun der Artenvielfaltsgarten entstehen. Einstimmig hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt.

Das ökosoziale Bürgerschaftsprojekt soll als Kooperation der Stadt Kempten, Härtl-Hiller als Initiatorin, Georg Sedlmaier (IG FÜR) sowie den Kemptener BürgerInnen umgesetzt werden. Zudem ist vorgesehen, dass sich unterschiedliche lokale Helfer einbringen, wie engagierte (Hobby-)Gärtner. Die Materialkosten und fachliche Begleitung sollen aus städtischen Finanzen sowie Spenden aus der Wirtschaft bestritten werden. „Vor diesem Hintergrund ist die Mitwirkung und Vernetzung von vielerlei Akteuren aus dem sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben ein wesentlicher Bestandteil des Projekts“, hieß es in der Sitzung. Mit im Boot sind u.a. auch Diakonie, Lebenshilfe, Berufsschule, LBV.

Ein Ziel des Projektes ist, das ökologische Verständnis der Bürgerinnen nachhaltig zu fördern, wozu auch die gärtnerische Umsetzung nach Prinzipien aus Naturgarten und Permakultur beitragen soll. Einheimische Pflanzen sollen die Lebensgrundlage von zahlreichen heimischen Tierarten fördern.

So soll neben dem Aufbau eines „umfangreichen Helfernetzes“ aus Freiwilligen auch ein Angebot für Schulklassen ausgearbeitet werden. Einen weiteren wichtigen Punkt sieht die Stadt in der Verknüpfung zum Projekt „Soziale Stadt“ durch Mitmach-Angebote in den Bereichen Migration und Inklusion.

Verläuft alles nach Plan, wird in den ersten beiden Projektjahren die wesentliche Gartenstruktur geschaffen. Neben der Wasserversorgung auf dem Gelände ist dabei eine nach LBV-Empfehlung 120 Meter lange Vogelschutzhecke geplant; 50 Meter Beerenhecke als Beitrag zur „essbaren Stadt Kempten“; 650 Quadratmeter dauerhafte Blühwiese als spätere Saatgutspenderfläche; ein kleiner Waldgarten soll in den bestehenden Baumbestand integriert und eine liegende Kräuterspirale gebaut und mit Allgäuer Wildkräutern bepflanzt werden; auch Nist- und Nützlingsbehausungen sind vorgesehen, Ertragsbeete mit permakulturellen Elementen und vieles mehr – nicht zu vergessen die Ruhezonen für Menschen und „sinnvolle Verweilangebote für Kinder“.

Zur Umsetzung des Projekts erhält die Stadt für drei Jahre 90.000 Euro aus dem „Bundesförderprogramm zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“. Voraussetzung der Förderung ist, dass die Stadt die Verfügbarkeit eines zehnprozentigen Eigenanteils, hier 10.000 Euro über den dreijährigen Projektzeitraum, „politisch beschließt“.

Vor Bekanntgabe der Förderung hatten das Klimaschutzmanagement und Stadtgrün bereits geplant maximal 9000 Euro pro Jahr aus ihrem Budget für Biodiversitätsprojekte bereitzustellen. Durch die Förderzusage kann dieser Eigenanteil in den ersten drei Jahren nun verringert werden. Baureferent Tim Koemstedt nannte etwa 100.000 Euro an Kosten bis zum Jahr 2024.

Christine Tröger

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