Gescannt aus luftiger Höhe

Von UFOs und Drohnen: Nicht alles ist, was es zu sein scheint!

Ingmar Niemann
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Ingmar Niemann ist Politologe und Dozent an der Hochschule Kempten.

Kempten – UFO-Fans haben derzeit ihre Freude. Noch nie waren Aufnahmen über „unbekannte Flugobjekte“ so klar, so deutlich.

Ein realistischerer Blick auf die Ereignisse ist daher nötig, auch wenn man damit als Spaßverderber gilt, der man natürlich nicht sein möchte. Zu ernst sind die Wahrscheinlichkeiten, die sich aus militärischer Sicht ergeben. Dabei geht es gar nicht um irgendwelche Geheimnisse: Alle mächtigen Nationen dieser Erde haben ein Interesse an Luftraumüberwachung, samt der Möglichkeit, die Erdoberfläche von oben herab „zu scannen“, um damit alle Geheimnisse zu lüften.

Besonders engagiert ist in diesem Zusammenhang die Volksrepublik China. Mit der Entwicklung von neuen supersonischen Flugzeugen, die mit Überschallgeschwindigkeit inzwischen noch leiser und schadstoffärmer fliegen können als ihre Vorgängermodelle bzw. vergleichbare Flugzeuge, hat sich das Reich der Mitte an die Spitze der Entwicklung von Verkehrsjets gesetzt, die die Zukunft der globalen Luftfahrt darstellen werden. Die EU hat in diesem Frühjahr mit dem Projekt SENECA zwar nachgezogen, ist aber erneut zu spät dran, um von den anderen Großmächten auf diesem Feld als Konkurrenz ernst genommen zu werden.

Soweit wäre dies alles unproblematisch, wenn die Volksrepublik nicht in den letzten Jahren im militärischen Bereich massiv aufgerüstet hätte. Dabei wachsen die Militärausgaben stärker als das Bruttoinlandsprodukt. Allein im März diesen Jahres hat die KP-Führung eine Steigerung des Verteidigungsbudgets von 6,8 Prozent beschlossen, mit dem klaren Ziel bis 2035 eine „grundlegende Modernisierung“ der Waffengattungen zu erreichen, um 2049 die führende Armee der Welt zu sein. Schon heute besitzt die Volksrepublik die meisten Kriegsschiffe weltweit, und einige davon sind ihren US-amerikanischen Vergleichsmodellen überlegen, wie der „Luyang-III Type 052 D“-Zerstörer.

Darüber hinaus haben chinesische Anti-Schiffsraketen eine Reichweite von mehr als 200 Kilometern mit Überschallgeschwindigkeit und „Sea Skimming“, sie fliegen also knapp über der Wasseroberfläche unbemerkt von jedem Radar. Das vergleichbare US-Harpoon-System hat dagegen nur Unterschallgeschwindigkeit, während die russische Zircon-Rakete mit 10.000 Kilometern pro Stunde und ausweichmanöverfähig schon vor einigen Jahren eine Gefahr darstellte.

Aber es sind nicht notwendigerweise die Raketen, die hier die Lösung unseres Rätsels sind, sondern das riesige Drohnenangebot, das inzwischen aus China in die Welt exportiert wird. Im militärischen Bereich ist hier vor allem die in Shanghai ansässige Firma Kelly Aerospace zu nennen, die mit ihrer Drohne „Arrow“ eine Geschwindigkeit von 2600 Stundenkilometer erreicht – bei einer Reichweite von 4800 Kilometern. Sie kann ferngesteuert werden, aber auch völlig autonom agieren. Manches unerklärliche „UFO-Verhalten“ könnte so erklärt werden.

Es müssen nicht zwingenderweise militärische Drohnen sein, die die Phänomene darstellen. Der chinesische Drohnenproduzent DJI (Da Jiang International Sciences and Technology) ist der größte Hersteller ziviler Drohnen mit einem Weltmarktanteil von ca. 80 Prozent (2020). Aus Angst vor Spionage hatte das US-Militär schon 2017 für ein Verbot der Drohnen aus der Volksrepublik plädiert. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass der Erwerb einer Drohne in China vergleichsweise einfach ist: Meist reicht schon eine Registrierung oder Genehmigung.

So ist es keine Überraschung, dass die amerikanischen Behörden bereits seit längerer Zeit befürchten, dass diese fliegenden Untertassen mit hochauflösenden Kameras ausgestattet sein könnten, um im Auftrag der chinesischen Regierung Spionage zu betreiben. Letztlich sind nämlich alle chinesischen Firmen per Gesetz verpflichtet, der chinesischen Regierung Auskunft zu geben, wenn gefragt.

Bei derzeit weltweit ca. 390.000 Drohnen im privaten Besitz ist die Wahrscheinlichkeit von UFO-Erscheinungen nun nicht mehr als realistisch zu bezeichnen. Eigentlich schade, eine Illusion weniger.

Ingmar Niemann

Jörg Spielbergs Bericht über Ingmar Niemanns Gastvortrag „Verständnis global“ beim Lions Club Kempten/Allgäu findet sich hier.

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