Der »Fahrplan« steht

Was sich aktuell um die Deutsche Bahn im Allgäu tut 

Ein Zug steht am Sulzberger Bahnhof, Juli 2021
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Ein bisschen hinter der Zeit scheint der Bahnhof Sulzberg schon zu sein. Nun stellt die Bahn in Aussicht, dass der Bahnsteig bis Ende des Jahres komplett erneuert und barrierefrei sein wird.
  • VonJörg Spielberg
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Kempten/Allgäu – Derzeit wird viel für einen Wechsel von Verbrennermotoren zur E-Mobilität geworben. Dabei scheint sich abzuzeichnen, dass auch bei der neuen „umweltschonenden“ Antriebsart ein Trend hin zu schweren SUVs mit breiten Reifen geht. Das erinnert ein wenig an „alten Wein in neuen Schläuchen“ und ist kein Beweis für ein wirkliches Umdenken in der Mobilitätspolitik. Was aber bietet ein weiterer Anbieter den Menschen in puncto Mobilität im Allgäu an?

Die Deutsche Bahn (DB) hatte unlängst in die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau eine Summe von rund 440 Millionen Euro investiert. Dabei wurden die beiden Bahnhöfe Memmingen und Lindau an die wichtige Verbindung zwischen Zürich und München angeschlossen. Teile des alten Inselbahnhofs in Lindau konnten im Vorfeld der Gartenschau 2021 deshalb zurückgebaut werden. Dort entstehen derzeit Skaterpark, Grünflächen und eine mehrgeschossige Wohnbebauung für Familien.

Aktuell hat DB Regio im Allgäu insgesamt 41 neue Fahrzeuge und 38 rundum modernisierte Fahrzeuge vom Typ VT 612, VT 622, VT 633 und VT 650 im Einsatz. Kritikpunkt bleibt, dass diese Triebwagen dieselbetrieben sind, allerdings konnten die Feinstaubemissionen teils um bis zu 90 Prozent gesenkt werden (Quelle: Deutsche Bahn). Zudem macht ein gut besetzter Regio-Zug mit Dieselantrieb im Berufsverkehr gegenüber dem schweren batteriegetriebenen SUV auf seinem Weg zum Tennisplatz immer noch eine „Bella Figura“.

Allein der Bahnhof Kempten zählt pro Tag 6.500 Reisende und Besucher. Täglich verkehren acht Fernverkehrs- und 141 Nahverkehrszüge. Mit den in beiden Richtungen verkehrenden IC 2013 Allgäu und IC 2084 Nebelhorn unterhält die Bahn Fernverbindungen von Nordrhein-Westfalen und Leipzig/Hannover ins Oberallgäu. Somit gibt es für Touristen, die ins südliche Oberallgäu möchten, eine Alternative zur Fahrt mit dem eigenen Pkw.

Von München und Augsburg erreicht man das Allgäu mit dem Allgäu-Schwaben-Takt. Im Allgäu selbst bietet die Bahn für Touristen und Einheimische durchaus günstige Tickets für den Regionalverkehr an. So lässt sich beispielsweise mit dem „Bayern-Hopper“ an einem Tag für 14,20 Euro 50 Kilometer hin- und zurückfahren. Das Ticket gilt zudem in Baden-Württemberg und Österreich und es können drei Kinder zwischen sechs und 14 Jahren kostenfrei mitgenommen werden.

Das „Oberallgäu-Ticket“ gibt es für das nördliche wie das südliche Oberallgäu. Hierfür zahlt der Bahnnutzer elf Euro und darf alle Angebote von Bahn und Bus (inklusive ÖPNV Kempten) für einen Tag nutzen. Eigene Kinder bis 14 Jahren fahren kostenfrei mit. Ein Angebot zum Beispiel für all die, die für einen Tag Shopping aus dem Umland nach Kempten kommen.

Elektrifizierung kommt

Häufiger Kritikpunkt seitens Bahnreisender ist die schlechte Verbindung des Allgäus mit Ulm auf der „Illertalbahn“, die entlang der Landesgrenze Bayern/Baden-Württemberg eingleisig verläuft. Dort verkehren mangels Elektrifizierung derzeit nur Dieseltriebzüge, die für die 80 Kilometer lange Strecke oftmals 90 Minuten brauchen. Hauptursache für die lange Fahrtzeit ist vor allem die Eingleisigkeit, aber auch die Anzahl der Halte.

Allerdings ist Licht am Ende des Tunnels erkennbar, denn in 2020 beauftragte der Freistaat Bayern die Deutsche Bahn und die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm mit den Vorplanungen für die Elektrifizierung der Strecke zwischen Neu-Ulm und Kempten. Die Kosten der Vorausplanungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro übernimmt der Freistaat. Ein Sprecher der Bahn Bayern antwortete auf Anfrage des Kreisboten: „Für die Strecke Ulm – Kempten ist bereits eine Grundsatzentscheidung zur Elektrifizierung gefallen, die auch mit einer Modernisierung der Signaltechnik und einem abschnittsweisen zweigleisigen Ausbau der Strecke einhergehen wird. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aufgrund des sehr frühen Planungsstadiums noch keine weiterführenden Aussagen treffen können.“

Es tut sich was

Kempten hat neben dem Hauptbahnhof einen weiteren Bahnhof. An der Strecke Ulm-Kempten liegt der Ostbahnhof. Im Zuge des Projekts „Soziale Stadt“ soll dieses vernachlässigte Areal nun u.a. durch Begrünung verschönert und die Wegebeziehung zu den umliegenden Wohngebieten und dem APC verbessert werden. Von Seiten der Stadt wurde heuer ein Planungsbüro damit beauftragt, die von den Bürgern bereits eingeholten Ideen und Anregungen, u.a. zu einer verbesserten Parkplatzsituation, in weiterführende Konzepte münden zu lassen. Diese werden den Bürgern im Herbst vorgestellt. „Alles was vor Ort geschieht, geschieht im Dialog mit den Bürgern“, sagt der Leiter des Tiefbauamtes Markus Wiedemann. Die Deutsche Bahn verweist zu diesem Zeitpunkt vorab auf die Zuständigkeit der Stadt Kempten.

Bitte barrierefrei!

Eine Bahnreisende aus ­Sulzberg beschwert sich aktuell über eine fehlende barrierefreie Zustiegsmöglichkeit in die neuen Triebwägen VT 633 am Bahnhof Sulzberg. Die Dame ärgert sich über einen zu niedrigen Bahnsteig und schreibt an den Kreisboten: „Ein- und Aussteigen gleichen einem Balanceakt, ältere Menschen und Kinder können den Zug im Grunde nicht benutzen, ganz zu schweigen von Menschen mit einigem Gepäck oder mit Kinderwagen, Gehhilfen u.ä. Versprochen wird immer wieder, den Bahnsteig zu erhöhen, aber nichts geschieht.“

Nun antwortete die Bahn Bayern auf die Situation in Sulzberg: „Ein barrierefreier Einstieg wird nach dem Ausbau des Bahnhofs Sulzberg möglich sein. Dieser soll voraussichtlich im August beginnen und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Darüber hinaus wird im Zuge des Umbaus auch die Ausstattung auf dem Bahnsteig komplett erneuert. Die eingesetzten neuen Fahrzeuge des Typs VT 633 in Sulzberg als solche sind barrierefrei, so weisen sie etwa einen entsprechend großzügigen Mehrzweckbereich sowie eine Rollstuhl-geeignete Toilette auf und entsprechen den geltenden Normen für Barrierefreiheit. Außerdem sind sie mit einer fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe ausgestattet und weisen ausfahrbare Schiebetritte auf, die den Einstieg auch am Bahnhof Sulzberg erleichtern.“

Kommentar

Das Umweltbundesamt zeigt mit neuesten Zahlen, Quelle: UBA, TREMOD 6.16 (05/2021), dass der Zugfahrer mit einer durchschnittlichen Treibhaus-Emission von 54 Gramm pro Personenkilometer weitaus besser abschneidet als die Nutzer von Bussen (83 Gramm), PKW (154 Gramm) und Flugzeug (214 Gramm). Wer wirklich seinen CO2-Fußabdruck verbessern will, der kann auch jetzt schon gelegentlich umsteigen, lange bevor allgäuweit zweigleisig, elektrifiziert oder gar wasserstoffgetrieben gefahren wird.  Jörg Spielberg

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