Großvorhaben im Winter- oder Dauerschlaf?

Was wird aus dem »Großen Loch« und diversen anderen angekündigten Großprojekten?

Das Große Loch in Kempten mit Schnee im Winter
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Deutschlandweit bekannt: Das „Große Loch“.

Kempten – In Kempten gibt es etliche geplante Großbauprojekte, auf deren Umsetzung teilweise seit vielen Jahren gewartet wird. Der Kreisbote hat bei den Investoren bzw. Architekten nachgefragt, wann oder ob überhaupt noch mit einer Realisierung dieser Projekte zu rechnen ist.

So wurde unter anderem Millenium Building Palladio zum Sachstand Wohnungen im ehemaligen Krankenhausgebäude in der Memminger Straße um eine Stellungnahme gebeten sowie das Unternehmen ­Nowinta Investmentservice GmbH zum berühmten „Großen Loch“. Licht und Schatten sind unter den Stellungnahmen zu verzeichnen.

Ehemaliges Krankenhaus Memminger Straße

Bei Millenium Building Palladio wollte man auf eine telefonische Anfrage keine Auskunft darüber erteilen, wie und wann es mit der Umwidmung des unter Denkmalschutz stehenden Krankenhausgebäudes an der Memminger Straße weitergeht. Das übrige Gelände ist seit einiger Zeit durch die Sozialbau nicht nur mit Wohnungen bebaut, sondern auch bewohnt. „Wir wollen keine Berichterstattung“, so eine Millenium-Mitarbeiterin am Telefon. Ihr zufolge habe man im Augenblick keine Zeit für das Bauvorhaben in Kempten, da eine Maßnahme in Augsburg Vorrang habe. Somit steht derzeit wohl in den Sternen, wann in Kempten etwas entsteht – obwohl eine Baugenehmigung vorliegt.

Das „Große Loch“

Das „Große Loch“ ist seit über zehn Jahren eine Dauerbaustelle. Zur Erinnerung: Nach Gesprächen der Schweizer Investoren mit dem damaligen OB Dr. Netzer, im März 2007, wurde im April 2009 ein Bauantrag eingereicht, der auch eine kleinflächige Einzelhandelsnutzung vorsah. Die Fertigstellung war für den Herbst 2011 angedacht. Wie allseits bekannt, wurde Einzelhandel an dieser Stelle durch die Stadt aufgrund des Einzelhandelskonzeptes nicht erlaubt. Nach einer Bauzeit von knapp einem Jahr wurden im Frühjahr 2011 die Bauarbeiten eingestellt.

Es folgten jahrelange Rechtsstreitigkeiten vor Gerichten. Nachdem der ursprüngliche Investor angeblich in Insolvenz gegangen ist, wurde ein Zwangsverwalter eingesetzt. Bis zum Sommer 2015 befand sich dort eine 18 Meter tiefe, 37 Meter lange und 55 Meter breite Baugrube, die von der Bevölkerung und in den Medien als „das Große Loch“ bezeichnet wurde. Im Sommer 2015 musste die Baugrube wegen Einsturzgefahr durch den Ausbau der Tiefgarage abgesichert werden. Die Stadt setzte hierfür und für andere Maßnahmen wie Baustellensicherung, Abpumpen von Wasser, Kosten Zwangsverwalter, später Insolvenzverwalter usw. Steuergelder in Höhe von mehreren Millionen Euro ein. Dieses Geld sollte wieder in die Stadtkasse zurückgeholt werden, so OB Thomas Kiechle in einem Interview in der BR-Fernsehsendung „quer“ im Mai 2016. Dafür sollte ein Insolvenzverwalter sorgen.

Um die Höhe der „zurückgeholten Gelder“ wird nach wie vor ein Geheimnis gemacht. Nachdem es Ende April 2017 zu einer Übereinkunft zwischen Stadt und Gläubigern gekommen ist, wurde das Grundstück durch den Insolvenzverwalter vermarktet. Jetzt glaubte man, endlich am Ziel zu sein. Das Bauloch sollte endlich der Vergangenheit angehören. Die Nowinta Finanzgruppe aus ­Aalen hat das Grundstück an der Ecke Bahnhofstraße/Mozartstraße erworben.

Nach etlichen Behandlungen im Gestaltungsbeirat wurde auch ein Bauantrag eingereicht und genehmigt. Auf dem Grundstück sollte u.a. eine Appartementanlage mit 156 Mikroappartements, 21 Serviced Appartements und Fitnessstudio entstehen sowie 195 Stellplätzen in einer Tiefgarage. Nach einem „Deal“ mit der Sozialbau über einen Grundstückskauf schienen nun alle Grundlagen geschaffen, die Brache endlich zu bebauen. Doch wie lautet ein Sprichwort: „Meistens kommt es anders, als man denkt.“ Nach wie vor kann man feststellen, „still ruht der See“.

Warten und Hoffen

Wann also soll mit dem Bau begonnen werden oder soll das Grundstück gar weiterverkauft werden? Reinhard Putz, Nowinta-Gesellschafter und Leiter Vertrieb und Marketing, dazu: „Nach konstruktiver und intensiver Zusammenarbeit mit der Stadt Kempten sowie dem Gestaltungsbeirat haben wir zum letzten Jahreswechsel die Baugenehmigung erhalten – ein wichtiger Meilenstein für das Projekt. Im Anschluss daran haben wir uns auch mit unserem Nachbar, der Sozialbau, über den Erwerb eines Grundstückteils der Sozialbau geeinigt. Plangemäß haben wir daraufhin mit den Vorbereitungen für die Vermarktung des Projektes begonnen.

Das Jahrhundertereignis ‚Corona‘ hat allerdings unseren Projektterminplan deutlich verändert. Dennoch stehen wir als Eigentümer nach wie vor hundertprozentig hinter dem Standort und dem Projekt. Angebote zum Kauf des Grundstücks inklusive genehmigter Planung liegen uns vor und werden geprüft. Nach wie vor behalten wir uns die Option vor, das Projekt wie geplant im Einzelnen an Kapitalanleger zu veräußern – Anfragen gibt es bereits viele. Nach erfolgreicher Vermarktung steht aus unserer Sicht einer Realisierung des Projektes nichts im Wege.

Unter der Annahme, dass mit einem Impfstoff im Frühjahr das Leben wieder zurück in die Normalität kehrt, kann mit dem Bau im Anschluss an die Vermarktung begonnen werden. Ein Weiterverkauf des Grundstücks inklusive genehmigter Planung ist nur eine Option, um neue Opportunitäten am Markt anzupacken. Wie schon erwähnt, behalten wir uns nach wie vor die Option vor, das Projekt wie geplant im Einzelnen an Kapitalanleger zu veräußern.“ Die aktuelle Genehmigung sehe, so Putz weiter, eine Appartementanlage mit 156 Wohneinheiten, 21 „Serviced Appartements“ und zusätzlicher Gewerbefläche vor, die verschiedenartig genutzt werden könne. Ein Fitnessstudio sei nur eine Möglichkeit.

Weitere „offene Baustellen“ beleuchtet der Kreisbote in der kommenden Samstagsausgabe, vom 30. Januar 2021.

Helmut Hitscherich

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