Corona-Test im Test

Wer sich absolut nicht digital zum Corona-Test anmelden kann, bekommt alternative Möglichkeit

Ein Mann beim Corona-Test
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Beim Corona-Test.

Kempten – Mit auf den ersten Blick kaum überwindbaren Hürden sehen sich manche weniger digital-affine MitbürgerInnen bei der Aufgabe konfrontiert, zu einem Covid-19-Testergebnis zu gelangen.

Wer die Infos dazu nicht irgendwann in einem der Printmedien aufgeschnappt hat, wird schnell im Internet fündig – sofern er/sie auf ein solches Zugriff hat. Wenn aber nicht? Was tun, wenn die gängige Online-Anmeldung zum kostenfreien Test im Testzentrum nicht möglich ist? Was tun, wenn im zweiten Schritt das Testergebnis nicht der gängigen Praxis folgend per Smartphone über QR-Code abgerufen werden kann?

Mit ihren 84 Jahren stand die Kemptenerin Elfriede Baumeister vor genau diesen Hürden. Seit Kurzem ist ihre 86-jährige Freundin Lilo ins Pflegeheim umgezogen, und um ihr dort Gesellschaft leisten zu können, muss Baumeister bei jedem Besuch einen negativen Corona-Test vorweisen, dessen knappes „Verfallsdatum“ nicht abgelaufen sein darf. Generell freut sie sich auch darüber, dass ihre Freundin inzwischen ihre erste Impfung erhalten hat und „ich jetzt jeden Tag kommen könnte“, statt wie zuvor nur eine Stunde pro Woche – wäre das mit dem Corona-Test für sie nicht so kompliziert. Baumeister hat nämlich weder Internet noch Smartphone.

Da sie nicht gewusst habe, wo sie wegen eines Testtermins anrufen könne, sei sie einfach zum Testzentrum in der ehemaligen Ari-Kaserne gegangen, was nicht gut angekommen sei. Schlussendlich habe sie einen Bekannten gefunden, der den Termin online für sie ausgemacht habe, an den die Bestätigung geschickt werden konnte und der den QR-Code zur Abfrage des Testergebnisses auf sein Smartphone habe schicken lassen und ihr den Ausdruck zur Vorlage im Pflegeheim von seinem 15 Kilometer entfernten Wohnort gebracht habe. Ganz schön aufwändig findet Baumeister, zumal das Ergebnis des PCR-Tests nur maximal 72 Stunden alt sein dürfe und deshalb für fast jeden Besuch ein neuer fällig werde.

Nach Erfahrung von Andreas Kaenders, Pressesprecher des Oberallgäuer Landratsamtes (der Landkreis und die Stadt Kempten unterhalten ein gemeinsames Testzentrum an den zwei Standorten Marktanger in Sonthofen und Gelände der Ari-Kaserne in Kempten), sei es eher selten, dass in Situationen wie der von Elfriede Baumeister kein Nachbar, Bekannter oder Verwandter zur Stelle sei. Falls es aber keine andere Lösung gebe, würden auch die Testzentren selbst Hilfestellung leisten.

So könne man im Notfall einen Termin auch über die Hotline des BRK unter 0831/52 29 27 98, Montag bis Freitag von 10–13 Uhr sowie unter 08321/612-666, Dienstag bis Donnerstag 13–16 Uhr, bekommen. Da der Empfänger ja keine Email-Adresse habe, werde die Bestätigung in diesen Ausnahmefällen per Post verschickt, das Testergebnis telefonisch durchgegeben – wohlgemerkt nicht als Regel. Aber auch die Pflegeeinrichtungen seien ihren BesucherInnen gerne behilflich bei der Testanmeldung sowie beim Auslesen des QR-Codes.

Das bestätigt auch Verena Peuler, Einrichtungsleiterin SeniorenWohnen Kempten Hoefelmayrpark. Wie in einigen anderen Einrichtungen auch, werden dort zudem Schnelltests für BesucherInnen angeboten. Dass es das Angebot geben kann, sei eine „personelle Frage“, sagt sie, und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen werde durch den mit ca. einer halben Stunde pro Person veranschlagten Test Arbeitskraft gebunden und nicht jede/r fühle sich dazu befähigt. Deshalb sei das Ziel natürlich schon, dass die Besucher vorwiegend ins Testzentrum gehen. Eine weitere Besuchsoption sei, dass sich die Leute draußen im Freien treffen, wofür keine Testungen nötig seien, auch nicht bei den BewohnerInnen, die ja zum Teil auch in die Stadt zum Einkaufen fahren würden. „Ein Test bringt frühestens nach vier bis acht Tagen etwas“, erklärt Peuler.

Nachdem es ihre Einrichtung zu Beginn der Pandemie heftig erwischt hatte, ist Peuler froh sagen zu können, dass seit drei, vier Wochen kein einziger Fall mehr aufgetreten sei. Die Teststrategie scheint hier also aufzugehen: Das Personal wird laut Peuler zwei Mal pro Woche getestet und die Bewohner bei Verdacht. Auch seien bereits fast alle BewohnerInnen im ersten Durchgang geimpft. Während sich circa 90 Prozent der BewohnerInnen hätten impfen lassen, beziffert Peuler die Impfbereitschaft beim Personal mit nur etwa 50 Prozent. „Als Einrichtungsleiterin wünsche ich mir natürlich, dass sich möglichst viele impfen lassen“, sagt sie und hält auch mit ihrer „persönlichen Meinung“ bezüglich der von Ministerpräsident Markus Söder ins Gespräch gebrachten Impfpflicht für Pflegepersonal nicht hinter den Berg: „Die Impfpflicht-Diskussion kommt zur völlig falschen Zeit“, zumal man „kräftemäßig am Anschlag“ sei und „nicht noch zusätzlichen Druck“ brauche. In einer Stellungnahme vom 12. Januar 2021 äußert sich das Bayerische Rote Kreuz (BRK) ähnlich und bezeichnet die Impfpflicht für Pflegekräfte als Fehler (siehe unten).

Was als Hürde am Ende für digital-ferne Menschen wie Elfriede Baumeister bleibt: Die Telefonnummern, an die man sich für Hilfe wenden kann, sind im Internet zu finden.

Infos kompakt

In Ausnahmefällen, wenn keine Möglichkeit besteht, sich online anzumelden, kann die Anmeldung zum Corona-Test (ausschließlich zur Testung!!) telefonisch erfolgen unter

• 0831/52 29 27 98, Mo–Fr, 10–13 Uhr

• 08321/ 612-666, Di–Do,13–16 Uhr

Impfhotline: 0831/20 69 71 71

Corona-Infos unter

www.oberallgaeu.org

www.kempten.de

Christine Tröger

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