"Fluch und Segen"

CSU Kempten-West spricht über die Herausforderungen einer wachsenden Stadt

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Am Dienstagabend sprachen Oberbürgermeister Thomas Kiechle (l.), der Ortsvorsitzende der CSU Kempten-West und Stadtrat Alexander Buck (M.) sowie Stadtrat Andreas Kibler (r.) zu den Besuchern der Stadtteilversammlung

Kempten – „Wir sind eine wachsende Stadt und das ist gut so. Diese Tatsache bedeutet aber auch große Herausforderungen und Mut zu Entscheidungen für diejenigen, die für die Zukunft Kemptens verantwortlich zeichnen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle am Dienstagabend zu den Besuchern der Stadtteilversammlung Kempten-West im Hotel Waldhorn.

Damit skizzierte Kiechle schon einmal vorab zwei wichtige Themenfelder der mittelbaren Zukunft, die auch im Besonderen die westlichen Stadtteile Kemptens betreffen werden – Bildung und Wohnungsbau. Der Ortsverband CSU-Kempten West mit seinem Ortsvorsitzenden Alexander Buck hatte geladen, um mit Bürgern über die Themen neue Grundschule, Funkenwiese im Stiftallmey, Fach-Sanitätszentrum, Carl-von-Linde Gymnasium und Renovierung der Rottachbrücke im Rothkreuz zu sprechen. 

Thema Bildung
Erstes Thema am Abend war der geplante Neubau einer 10. Grundschule für Kempten, die laut Oberbürgermeister Thomas Kiechle in jedem Fall westlich der Iller entstehen wird. Kiechle räumte ein, dass die Verantwortlichen der Stadt auf falsche Prognosen bezüglich der Bevölkerungsentwicklung Kemptens und des Oberallgäus vertraut hatten. Die Voraussagen über die Bevölkerungsentwicklung erwiesen sich dieser Tage als falsch. Offiziell wurde mit einer Stagnation, ja sogar mit einem leichten Rückgang, der Bevölkerung gerechnet. Eingetreten sei aber, so Kiechle ein Zuwachs an Geburten. Durchschnittlich seien in Kempten in den vergangenen Jahren rund 500 Geburten im Jahr zu verzeichnen gewesen, tatsächlich sei die Zahl in den letzten fünf Jahren im Schnitt auf 650 gewachsen. Zur Geburtensteigerung kommt laut Kiechle zudem ein starker Zuzug von Menschen aus anderen Teilen Deutschlands, der EU und von Asylsuchenden. 

„In den vergangenen Jahren wuchs die Einwohnerzahl Kemptens so jährlich um rund 1000 Personen. „Damit hat so niemand gerechnet. Diese Erhöhung bedeutet aber für die Stadt Kempten in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge massive Herausforderungen“, so Kiechle, „von hinten gerechnet brauchen wir im Jahr 2024 eine neue Grundschule, wenn wir gewährleisten wollen, dass zukünftig jedes Kind in Kempten eingeschult werden kann.“ Noch in diesem Jahr werde die Standortfrage für die neue Grundschule geklärt, zwei Standorte kämen derzeit in die engere Wahl, die der OB allerdings nicht benennen wollte. Die Kosten für den Neubau der Grundschule taxiert Kiechle auf geschätzte 20,4 Millionen Euro. Derzeit fließen bereits rund 57 Millionen Euro des städtischen Haushaltes in den Bereich Bildung. „Das ist rund ein Drittel des Haushaltes“, erläutert der OB. 

Kiechle räumte ein, dass derzeit eine Lücke von 500 Kindergartenplätzen und 170 Krippenplätzen in der Allgäumetropole klafft: „Wir wissen, dass wir in diesem Punkt Nachholbedarf haben, aber wir nehmen die Herausforderung an, befinden sich doch derzeit einige Kindertagesstätten im Bau.“ 

Thema Wohnungsbau
Ein weiterer Schwerpunkt, der von der Bevölkerungsentwicklung Kemptens beeinflusst wird, ist der Wohnungsbau und im Speziellen der Stand zur Bebauung der Funkenwiese. Ihren Unmut über die Bauarbeiten auf dem Areal äußerten zwei Anwohner, die zu viel Dreck und Lärm monierten. Ein Besucher wünschte sich, dass dort eine Tempo-30-Zone in Betracht gezogen wird. Kiechle äußerte sich hoffnungsvoll über die Entwicklung der Bauarbeiten auf der Funkenwiese. Positiv zu vermerken sei aus seiner Sicht, dass dort die vorhandene Infrastruktur nicht erheblich hätte erweitert werden müssen. Bei einer Investitionssumme von rund 50 Millionen Euro entstehen durch die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Sozialbau aktuell sieben Gebäude mit 180 Wohnungen, 202 Tiefgaragenplätze und 65 oberirdische Parkplätze. 

Wie beim Thema Bildung sprach der OB auch beim Bauen die Gesamtsicht an. Derzeit entstünden allein durch die Sozialbau 600 neue Wohnungen, zum Ende des nächsten Jahres werde die Zahl auf 1000 anwachsen. Kiechle führt Bauvorhaben in der Keselstraße beim Umbau des Fach-Sanitätszentrums, in Heiligkreuz, im Thingers und in Lenzfried an. Überall dort entstünde neuer Wohnraum und man sei bemüht, unter anderem durch die Anwendung des „Kemptener Models“, den Quadratmeterpreis mit im Schnitt acht Euro pro Quadratmeter für eine Mehrheit bezahlbar zu gestalten. Kiechle lobte an dieser Stelle auch das Engagement der BSG-Allgäu und der Baugenossenschaft. 

„Mit diesen drei Baugesellschaften stehen wir im Vergleich zu anderen Städten glücklich da“, sagte er, und verwies darauf, dass bei allen Herausforderungen der Zeit, Kempten im Vergleich zu anderen bundesdeutschen Städten gut dastehe. Auf die Frage nach Wohnungsleerständen antwortete Kiechle, dass diese in Kempten nur marginal vorkämen. Der Städtetag denke an, eine zweite Grundsteuer zu etablieren, die Grundstücksbesitzer dazu bewegen soll, ihre derzeit ungenutzten Bauflächen verstärkt als Bauland auszuweisen. 

Anschließend wurde über die Bezuschussung eines Umbaus am Carl-von-Linde-Gymnasiums gesprochen, den die Stadt mit 11,8 Millionen Euro finanziert und über die Sanierung einer kleineren Brücke über die Rottach im Stadtteil Rothkreuz, deren Renovierung mit rund 250.000 Euro zu Buche schlägt. 

Jörg Spielberg

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