Vor dem Sprung ins eiskalte Wasser

Wiggensbach diskutiert über Öffnung des Freibades

Kein Eintritt, idyllisch gelegen, unbeheizt – das Freibad von Wiggensbach soll 2021 wieder geöffnet werden.
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Kein Eintritt, idyllisch gelegen, unbeheizt – das Freibad von Wiggensbach soll heuer wieder geöffnet werden.

Wiggensbach – Draußen auf dem Marktplatz tanzen die Schneeflocken im spätwinterlichen Eiswind, drinnen im gut gelüfteten Saal des Gasthauses „Zum Kapitel“ reden sich die Gemeinderäte die Köpfe heiß:

Die vor dem Gasthof abgestellten Autos der Sitzungsteilnehmer waren schon dick eingeschneit, als Bürgermeister Thomas Eigstler das Ergebnis der Freibad-Abstimmung bekanntgab: „Wir stellen einstimmig fest, dass wir ernsthaft gewillt sind, unser Bad zu öffnen!“

HelferInnen gesucht

Im Text des Beschlusses heißt das: Die Gemeinde nimmt rund 26.000 Euro in die Hand, um das sommers sehr gut besuchte Freibad in Kochs baulich zu ertüchtigen. Es wird eine Software angeschafft, mit der der Zugang organisiert und auch limitiert wird. Und die Gemeindeverwaltung sucht zeitnah ehrenamtliche Helfer und Unterstützer, um den Badebetrieb durchführen zu können. Das Ganze geschieht unter Beachtung eines in Wiggensbach erstellten Hygienekonzeptes zur Verhinderung von Infektionen durch das Corona-Virus. Nach der Schließung im vergangenen Sommer häufen sich jetzt die Anzeichen dafür, dass die Bürger von Wiggensbach im zweiten Corona-Sommer nicht wieder auf ihre traditionelle Erfrischung am südöstlichen Ortsrand verzichten möchten.

Ausgeklügeltes Hygienekonzept

Der Jugendbeauftragte Jozef Lovrinovic präsentierte ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, mit dem der Zugang zum unbeheizten Schwimmerbecken und eventuell auch zu den Becken für Nichtschwimmer und Kinder möglich gemacht werden soll. „Wir rechnen mit 320 bis 460 Personen, die sich zeitgleich im gesamten Bereich des Bades aufhalten dürfen“, erläuterte Lovrinovic. „Die Badegäste werden in zwei Besuchsblöcken eingelassen, in der Pause dazwischen werden alle sensiblen Bereiche desinfiziert.

Pro Badetag werden drei bis fünf ehrenamtliche Helfer benötigt, insgesamt im voraussichtlichen Öffnungszeitraum von Mai bis September also ein Personenstamm von rund 70 Leuten.“

Freibad soll Spaß machen

Spontan haben mir 40 zugesagt“, freute sich der Jugendbeauftragte, „die übrigen 30 suchen wir jetzt über einen öffentlichen Aufruf im Wiggensbacher Wochenblatt.“

Obwohl das Konzept bei den Gemeinderäten auf weitgehende Zustimmung stieß, gab es doch auch laute Kritik. Einige wollten die geplante Beschränkung auf das unbeheizte Schwimmerbecken nicht hinnehmen („Ein Freibad soll doch Spaß machen, das macht eiskaltes Wasser nicht.“), andere forderten Mut zur Lücke bei der Organisation („Wir können nicht alles perfekt vorschreiben, die Leute sollten selbstverantwortlich handeln.“) und dritte schließlich plädierten dafür, den Charme des Wiggensbacher Freibades – es kostet u.a. keinen Eintritt – nicht den pandemiebedingten Vorschriften zu opfern: „Beim Baden am Eschacher oder Herrenwieser Weiher isses doch auch Wurscht, ob ich anderthalb oder zwei Meter vom Nachbarn entfernt auf der Wiese liege.“

Jetzt auch digitale Sitzungen möglich

Nach dem grundsätzlichen Ja zum offenen Freibad sollen die letzten Details in der nächsten Gemeinderatssitzung am 10. Mai festgelegt werden – rechtzeitig vor den Pfingstferien. Falls es die Umstände nötig machen, könnte diese Sitzung erstmals auch virtuell stattfinden. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, rechtlich und technisch. Die Wiggensbacher Bürgerversammlung am 29. April wird der erste Test dafür sein – sie geht digital und analog als Mischveranstaltung über die Bühne.

Lutz Bäucker

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