Anna und Erich Kunkel sind seit 60 Jahren verheiratet

"Das ging ziemlich flott"

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Anna und Erich Kunkel feiern die Diamantene Hochzeit mit Bürgermeisterin Sibylle Knott.

Kempten – Als Anna Albrecht nach dem Krieg aus dem Sudetenland ausgewiesen wurde und in Eichstätt Unterkunft fand, ahnte sie nicht, dass sie in dem kleinen oberbayerischen Städtchen den Mann ihres Lebens finden würde.

Doch genau so kam es. Eines Abends lernte sie Erich Kunkel kennen. In einem kuscheligen Tanzlokal. Ein adretter und charmanter Kerl, der bald ihre große Liebe wurde. Am vergangenen Mittwoch feierte das Paar Diamantene Hochzeit. 

„Das Kennenlernen ist ziemlich flott gegangen. Vier Jahre waren wir danach ein Paar und dann haben wir den entscheidenden Schritt gewagt und geheiratet“, erinnert sich der damals Auserwählte. Das war im Jahr 1953. Heute, 60 Jahre später, hält er seine Frau immer noch genau so liebevoll im Arm wie damals. „Die Hochzeit war wunderschön. Ein tolles Brautkleid, ein schicker Anzug, herrliches Wetter und gutes Essen. In der Gaststätte von Erichs Cousin. Sogar eine Drei-Mann-Kapelle spielte auf!“, strahlt Anna Kunkel, während sie in Erinnerungen schwelgt. Im Übrigen war sie die erste Frau in Eichstätt, die einen Hochzeitstrauß mit roten Rosen trug. 

Hart wie Diamant hat die Ehe seither gehalten. Und das, obwohl die Zeiten nicht immer rosig waren. „Am Anfang konnten wir nicht einmal zusammen wohnen. „Ich habe als Lokführer in Kempten gearbeitet und Anna blieb bei meinen Eltern in Eichstätt. Damals gab es kaum Wohnungen und das Geld war immer knapp“, erzählt der heute rüstige Rentner. Erst 1955 sollte es mit einer gemeinsamen Wohnung im Haubenschloß klappen. „Erstens hatten wir Glück und zweitens habe ich auch viel gearbeitet, sonst hätten wir das nicht stemmen können. Die ersten Jahre bin ich als Lokführer noch mit der Dampflok gefahren, später mit der Diesellok. Vierzig Jahre habe ich die Züge im süddeutschen Raum navigiert“, erzählt er und öffnet ein altes Fotoalbum. Da ist sie die alte Dampflok! Rundherum kleben die Fotos der Kinder. 

Zwei Mädchen haben sie großgezogen. Dabei war Anna Kunkel der gute Geist im Haus und kümmerte sich um die Erziehung. Außerdem perfektionierte sie ihr Können in der Handarbeit: Sie nähte die Kleider für sich und die Kinder. Die vielen kleinen Gobelin-Bilder an den Wänden zeigen noch heute ihre künstlerischen Fertigkeiten. Auch Häkeln war eine Leidenschaft, während sich ihr Mann gerne dem Schach widmete: „Da hatte ich nie Lust dazu. Und deshalb habe ich ihm irgendwann mal einen Schachcomputer gekauft.” Auch wenn das Ehepaar in Sachen Schach keine geteilte Leidenschaft entwickeln konnte, gab es aber jede Menge andere gemeinsame Interessen. Zum Beispiel das Reisen. Als es später finanziell bergauf ging, erkundeten sie die Welt. Von Europa bis zum Nordkap, hinunter nach Sizilien, von Schottland, England nach Petersburg, über Frankreich bis nach Spanien, Ägypten und Israel. 

Glückliches Leben 

 Weit gereist, bis die beiden ihren 80. Geburtstag erreichten. Seither machen sie es sich lieber Zuhause gemütlich. In einer neuen Wohnung, die geeigneter ist für ein gemeinsames Leben im Alter. Im betreuten Wohnen in der Lenzfriederstraße sie ein neues heimisches Ehenest gefunden. „Hier sind wir völlig eigenständig und wenn es nötig ist müssen wir nur den Notknopf drücken und schon bekommen wir Hilfe. Das beruhigt und ist praktisch. Außerdem gibt es einen Fahrstuhl”, bekräftigt Erich Kunkel und setzt sich zu seiner Frau Anna und zu Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) auf die Couch. Hoher Besuch hat da neben seiner Angetrauten Platz genommen. Schließlich ist so eine Diamantene Hochzeit ja auch etwas ganz Besonderes und Grund genug, persönlich zu gratulieren. Gerade wenn man bedenkt, wie schnell heute Ehen geschieden werden. Aber woran kann das liegen? Oder anders gefragt: was ist das Geheimnis einer langen und glücklichen Ehe? „Das Wichtigste ist, dass man immer miteinander spricht, sich austauscht und auch mal sagt, was einem nicht passt. Und man sollte sich immer wieder neue gemeinsame Ziele suchen. Das schweißt zusammen und gibt neue Perspektiven“, bekräftigt Anna Kunkel.

Nadja von Thaden

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