Drei Unfallszenarien

Katastrophe auf der Festwoche

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Im Notfall müssen bei einem Unglück solchen Ausmaßes alle Beteiligten quasi automatisiert zusammen wirken, egal ob Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste oder das THW. Um ein solches Ziel zu erreichen, veranstaltete die Stadt Kempten am Sonntagmorgen eine große Katastrophenschutzübung auf dem Gelände der Allgäuer Festwoche.

Kempten – Die betroffenen Besucher der Festwoche hatten keine Chance dem Unheil zu entrinnen. Ohne, dass sie vorab etwas bemerkt hatten, verdunkelte sich der Himmel flugs über dem Festwochengelände und die aufgestaute Hitze des Tages entlud sich explosionsartig in einem Unwetter apokalyptischen Ausmaßes.

In der Folge kommt es durch orkanartige Windböen und Hagelschlag zu erheblichen Verwüstungen im baumbestandenen Stadtpark auf dem Gelände der Festwoche. Das Festzelt hat es voll erwischt. Durch einen Teileinsturz der Zeltkonstruktion auf die Besucher kam es im Inneren zu einer erheblichen Zahl von Verletzten und Verschütteten. Im Bereich der ZUM hat es einen beliebten Verkaufsstand getroffen. Im Zuge des Unwetters kam es zu Entwurzelung und Abknicken vieler Bäume. Auch hier sind einige Personen unter Trümmern und Geäst eingeklemmt. Ebenfalls nicht überstanden hat das Unwetter eine provisorische Fußgängerbrücke. Hier sind Betonfertigteile, Bruchstücke und Stahlträger auf ein Fahrzeug und Passanten herabgestürzt...

So das Szenario, das sich den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und THW bei der großen Katastrophenschutzübung vom Sonntagvormittag bietet. Die Feuerwehr Kempten ist mit allen Rettungsfahrzeugen und 112 Kräften bei der Übung im Einsatz; die Polizei, wie das THW, schicken jeweils 50 Einsatzkräfte zur simulierten Katastrophenstelle und das BRK und Die Johanniter sind zur Erstbehandlung der Verletzten mit rund 130 Sanitätskräften vor Ort im Einsatz. Unterstützt werden sie dabei von einem Team von Notärzten. Damit die Übung sich den Einsatzkräften möglichst realistisch darstellt, wirken rund 50 als leicht-, wie schwerverletzt geschminkte Mimen mit.

Ziele erreichen

Gesamtübungsziel dieser Katastrophenschutzübung ist eine Vollübung aller Führungsebenen, aller operativ-technisch-taktischen Einheiten der Stadt Kempten. Zudem sollen unter anderem diese Teilziele erreicht werden: Bewältigung Massenanfall von mehr als 50 Verletzten, Rettung und Übergabe von Verletzten im urbanen Bereich, Erprobung des Gefahrenabwehrplans der Allgäuer Festwoche und die Erprobung des Zusammenwirkens von Führungsstrukturen innerhalb der gesamten Gefahrenabwehr. Zusätzlich erschwert wird dabei die Arbeit der Beteiligten durch einen simulierten Stromausfall.

Die Stadt Kempten ist gemäß den Bestimmungen des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes (BayKSG) dazu verpflich- tet, in angemessenem Umfang Übungen unter Beteiligung der im Katastrophenschutz mitwirkenden Organisationen durchzuführen. „Wir tun das nicht nur, weil es unsere Pflicht ist, sondern damit wir das Bestmögliche dazu leisten, im Ernstfall vorbereitet zu sein“, so die Worte von OB Thomas Kiechle, der in der Früh auf der Hauptwache der FF Kempten Gäste und Vertreter der Presse begrüßte, um anschließend gemeinsam die drei Unfall- szenarien auf dem Gelände der Festwoche zu inspizieren.

„Unser wichtigstes Ziel ist es, durch enge Verzahnung aller Hilfskräfte eine optimale und chronologisch sinnvolle Erstversorgung der Verletzten zu gewährleisten“, so Peter Fraas, Leiter des Rettungsdienstes des BRK-Kreisverbands Oberallgäu. Aus diesem Grunde wurde rasch im Bereich der ZUM eine gemeinsame Einsatzleitung installiert. Verunglückte würden im Ernstfall nach dem Grad ihrer Verletzungsschwere eingestuft. Leichtverletzte, die selbstständig laufen können und ansprechbar sind, werden in der Sicherheitszentrale an der Zufahrt zur Tiefgarage Königsplatz notversorgt. Menschen mit mittelschweren bis schweren Verletzungen werden in eigens aufgestellten Sanitätszelten behandelt, während die Schwerstverletzten möglichst schnell in eine Klinik oder zu einem Rettungshubschrauber transferiert werden.

Realitätsnahe Übung

Auch wenn durch gutes Schauspiel und realitätsnahes Schminken der Opfer die Szenerie bei allen Beteiligten Beklemmung hervorruft, kann eine Simulation nur annähernd den Horror einer solches Unglücks abbilden. Irgendwann hat die Feuerwehr es aufgegeben mittels einer Winde die Betonteile von der Unfallstelle mit der eingestürzten Fußgängerbrücke zu räumen. „Alle die darunter liegen sind tot. Wir müssen an die anderen Unfallstellen, wo wir noch Leben retten können“, sagt lakonisch ein erfahrener Feuerwehrmann. Neben ihm auf der Wiese liegt ein „totes Kleinkind“ und in dem am Unfall beteiligten Fahrzeug sitzt angeschnallt eine von einem Stahlträger „geköpfte Frau“. Bei den nahen Sanitätern schreit ein junges Mädchen verzweifelt: „Ich will zu meiner Mutter!“

Jörg Spielberg

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