Kemptener Freimaurer-Loge zeigt sich zum Doppeljubiläum offen

Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft

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Dr. Jürgen Rogalla (re.), Meister vom Stuhl, und Manfred Ecker (li.), federführender Organisator der Ausstellung „Im Geist der Aufklärung“, im symbolträchtigen „Tempel“ der Kemptener Freimaurer-Loge „Zum Hohen Licht e.V.“.

Kempten – Auf ihrer Website (www.freimaurer-kempten.de) lädt die Kemptener Freimaurer-Loge „Zum hohen Licht“ ausdrücklich zum Dialog ein, stellt aber auch gleich klar: „Wenn Sie hier etwas Geheimnisvolles suchen, müssen wir Sie enttäuschen: Freimaurerei in unserer Zeit ist nicht geheimnisvoll – obwohl sie voller Geheimnisse steckt. Das erschließt sich indes nur dem, der Freimaurer wird und sich bemüht, als Freimaurer zu leben.

Wer sich für die Freimaurer auch jenseits geheimer Verschwörungstheorien interessiert, hat ab kommendem Samstag, 2. April, bis 26. Juni 2017 besonders leichten Zugang. Zwar rühren Freimaurer keine Werbetrommeln für sich, wie der Meister vom Stuhl der Kemptener Loge, Dr. Jürgen Rogalla, im Gespräch mit dem Kreisboten versichert, nutzen aber gerne Jubiläen o.ä. dafür, sich in der Öffentlichkeit transparent zu zeigen, unter anderem „um aus dieser geheimnisvollen Ecke heraus“ und weg von den Verschwörungstheorien zu kommen. Unter dem Titel „Im Geist der Aufklärung – 300 Jahre Freimaurerei in der Welt, 230 Jahre Freimaurer im Allgäu“ haben die Logenmitglieder unter Federführung von Manfred Ecker und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Freimaurer Museum Bayreuth sowie der Frauen-Großloge von Deutschland eine Ausstellung im Börsensaal des Kemptener Kornhauses auf die Beine gestellt, die mit Führungen und einer Reihe begleitender Veranstaltungen zeigen soll, was Freimaurertum de facto ist: Ein dogmenfreier (heute nicht mehr ausschließlicher) Männerbund, in dem jedes Mitglied daran arbeitet, das zugrundeliegende humanitäre und liberale Menschenbild an sich zu kultivieren.

Den Freimaurern gehe es darum, ihr Weltbild, ihre „Lebenshaltung“ zu vermitteln, geprägt von „Humanismus und liberalem Denken“ und zwar unabhängig von religiöser, weltanschaulicher oder politischer Überzeugung, fasst Rogalla es zusammen. Eine Einschränkung ist dem Meister vom Stuhl dann aber doch wichtig und er betont, dass „extremistische“ Tendenzen oder „Fundamentalisten mit begrenztem Weltbild“ bei den Freimaurern keinen Platz haben. Was in manchen Ohren wie ein sektenartiger Titel klingen mag, ist übrigens schlicht der tradierte Ausdruck dafür, was sonst als Vereinsvorsitzender bezeichnet würde.

Die Aura von „Geheimniskrämerei“ der weltweit vernetzten Bruderschaft resultiere vor allem aus der für die Freimaurer sehr schwierigen Zeit des 3. Reiches, erklärt Ecker, da sie zwischen 1933 bis 1935 mit Juden „in einen Topf geworfen wurden“ und „das alte Stigma noch immer mitkommuniziert“ werde. Und er versichert entgegen mancher sich hartnäckig haltender Unterstellung: „Wir sind wirklich nicht dabei die Weltherrschaft anzustreben.“ Gut beschrieben sieht Rogalla das Wesen der Freimaurer eher im Titel (wie Inhalt) des Buches „Die diskrete Gesellschaft“, was auch das karitative, nicht öffentlich gemachte, Wirken einschließe.

Vielleicht sind es ja auch die Rituale und Symbole, die viel mit den Ursprüngen der Bruderschaft zu tun haben (siehe Infokasten), in der Außenwahrnehmung aber eher ein verschwörerisches Image aufkommen lassen. Da gibt es die sehr rituell begangenen Tempelabende, was laut Rogalla lediglich dazu dient, „Ruhe herzustellen“. Auch die Bezeichnung „Tempel“ für den Versammlungsraum mit seinen Säulen liegt im Ursprung der Freimaurer und beziehe sich auf den Salomonischen Tempel, der als ein Meisterwerk der Baukunst gegolten habe und deshalb von den Steinmetzen der Dombauhütten zum sinnbildlichen Vorbild auserkoren worden sei. Naheliegend sind auch weitere Symbole, wie das Arbeiten am „rauhen Stein“, was den noch unfertigen Menschen bezeichnet; der Zirkel, der für den Geist steht; der rechte Winkel für Gerechtigkeit; das Senkblei für ein geradliniges Leben; der Kreis, der das Göttliche bezeichnet wie das Rechteck das Irdische; und nicht zu vergessen der Hammer für Ordnung und Recht, den neben dem „Meister vom Stuhl“ auch die beiden „Aufseher“ als „hammerführende Meister“ führen.

Dann gibt es die „Bruderabende“ an denen sich die Brüder über zuvor von internen oder externen Referenten gehaltene Vorträge austauschen, beispielsweise zu Themen wie Verschwörungstheorien, wie „Fake News“ wirken, die Planung der Stadt Brasilia nach freimaurerischen Kriterien oder auch den Schriftsteller Dan Brown, der, so Rogalla, „gut recherchiert, aber Vieles zusammengebaut hat, was nicht zusammengehört“.

Und zu guter Letzt gibt es noch „Gästeabende“, an denen erste Vorbereitungsgespräche mit Interessenten geführt werden, ob eine Aufnahme in die Bruderschaft denkbar ist. Wird ein Interessent aufgenommen durchläuft er drei Stufen: 1. Die Aufnahme als „Lehrling“, 2. Die Gesellenstufe und „meist nach einem Jahr“ als 3. Stufe die „Erhebung zum Meister“.

Auch wenn im Börsensaal neben Ritualgegenständen und Symbolen ein installierter Freimaurertempel zu sehen sein wird – ein Detail muss im Logen-Tempel bleiben: die Stuckdecke mit Rosengirlanden, die schon bei Übernahme der Räumlichkeiten da gewesen sei, passend zum Spruch „sub rosa dictum“ („was hier gesprochen wird, bleibt unter der Rose“). Und das habe nichts mit Geheimniskrämerei zu tun, sondern mit der Wahrung der Privatsphäre.

Vorträge und auch eine Demonstration einer Logenarbeit, unter anderem mit kurzer Einführung in die Bedeutung freimaurerischer Rituale, ermöglichen tiefere Einblicke. Anhand historischer Dokumente aus dem 18. Jahrhundert wird auch die Gründerzeit der Allgäuer Logen beleuchtet, in der auch so illustre Namen wie der des Hofkaplan des Kemptener Fürstbischofs und Geheime Rat Dominicus von Brentano (1740 - 1797) oder Johann Jakob von Jenisch (1734 - 1829), der letzte Bürgermeister der freien Reichsstadt Kempten vor ihrer Eingliederung in das Königreich Bayern eine Rolle spielen.

„Im Geist der Aufklärung – 300 Jahre Freimaurer weltweit, 230 Jahre Freimaurer im Allgäu“ startet am kommenden Samstag, 2. April und endet am 25. Juni 2017. Geöffnet ist die Ausstellung Di – So, 10 – 16 Uhr. Führungen nach Voranmeldung unter sekretaer@freimaurer-kempten.de. 

Ursprung der Freimaurerlogen

Die Bauhüttengemeinschaften der operativen Werkmaurer und Steinmetzen in England (Dombauhütten) nahmen um 1650 vermehrt auch Geistliche, Adelige, Gelehrte, Handwerker und andere Bürger als Mitglieder auf. Nachdem in 4 Londoner Bauhütten (Lodges, Logen) ausschließlich symbolisch, geistig, philosophisch, spekulativ arbeitende Maurer waren, schlossen sie sich am 24. Juni 1717 (Johannistag) zur ersten Großloge von England zusammen. Dies war der Ausgangspunkt der modernen Freimaurerei. Die Ideen der Aufklärung unterstützten die rasche Verbreitung der Logen. 1723 wurden die „Alten Pflichten“ veröffentlicht, die erste Satzung der Freimaurerei. Das freimaurerische Gedankengut verbreitete sich rasch in den von England abhängigen Ländern und in Europa. (Quelle: www.internettloge.de).

Christine Tröger

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