Der Kemptener Fürstabt Rupert

Ein Freiherr von Bodman als Wegbereiter für das Fürstentum Liechtenstein

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Der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman als älterer Herr, auf einem Porträt im Fürstensaal der Kemptener Residenz. Das Bild entstand erst nach Bodmans Tod, doch hatte der Hofmaler Franz Georg Hermann (1692 – 1768) ihn noch persönlich erlebt. Auf der rechten Architekturdarstellung ist das Kemptener Kornhaus abgebildet, das bedeutendste und größte Bauprojekt Bodmans.
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Das Kornhaus in der Kemptener Stiftsstadt ließ Fürstabt Rupert von Bodman um 1699 erbauen. Über dem Portal sind die Steinreliefs des stift-kemptischen Wappens mit der Büste der Königin Hildegard (757 – 783) und rechts davon des Familienwappens der Linie Bodman-Möggingen angebracht.

Kempten – Jung, aus gutem Hause, hochgebildet, ehrgeizig: Diese Eigenschaften brachte der Hegauer Freiherr Johann Siegmund von Bodman-Möggingen mit, als er 1678 mit dem Ordensnamen Rupert zum Fürstabt von Kempten gewählt wurde.

In seiner 50 Jahre währenden Regierungszeit verband er politisches Geschick mit persönlichem Machtstreben und festigte so die Stellung seiner Fürstabtei im Reich. Als „Insolvenzverwalter“ im Auftrag des Kaisers hatte er maßgeblichen Anteil an der Entstehung des Fürstentums Liechtenstein.

Eine große Karriere

Johann Siegmund von Bodman, am 13. März 1646 in Steißlingen geboren, legte nach der Schulzeit am Jesuitengymnasium in Konstanz 1661 Profess im Stift Kempten ab. Seine Ausbildung war umfassend: Ab 1664 Studium in Einsiedeln, an der evangelischen Universität Straßburg, an der Benediktineruniversität Salzburg und schließlich in Pavia, von wo er 1669 wegen der Koadjutorwahl nach Kempten zurückgerufen wurde. Schon in den langjährigen Konflikten des Fürstabts Roman Giel von Gielsberg (1639 – 1673) mit seinem Konvent zeigte sich das große diplomatische Geschick Bodmans. Der neue Fürstabt Kardinal Bernhard Gustav von Baden-Durlach (1673 – 1677) bestimmte Bodman zum Subprior und nahm ihn 1676 mit nach Rom zum Konklave.

Als Bodman nach dem Tod des Kardinals 1678 zum Fürstabt gewählt wurde, setzte er viele Maßnahmen seiner beiden Vorgänger fort. Von Anfang an betonte er seinen Fürstenrang durch eine höfische Repräsentation. 1683 gelang es ihm, vom Kaiser den Titel des Erzmarschalls der Kaiserin bestätigt zu bekommen. 1712 erreichte er das Stadtprivileg für seine Stiftsstadt, das allerdings erst 1728, kurz vor seinem Tod, ausgestellt wurde. Bei allen Bauten, die er in seiner langen Regierungszeit errichten ließ, prangte an prominenter Stelle das Bodman-Mögginger Familienwappen vereint mit dem Stiftswappen. Bodman ließ mehr Medaillen prägen als andere Fürstäbte. Kirchenmusik und Novizenausbildung waren ihm ebenso wichtig wie der Aufbau eigener Werkstätten für die Ausstattung seiner Bauten. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet bewies er großes Geschick.

Im Auftrag des Kaisers

1681 betraute ihn der Kaiser mit einer heiklen Mission: Er machte Bodman zum Leiter einer Kommission, die in der Herrschaft Schellenberg und der Grafschaft Vaduz die juristischen und finanziellen Missstände untersuchen sollte. Dort regierte seit 1675 Graf Ferdinand Karl von Hohenems, der aus finanzieller Not Hexenprozesse zuließ, bei denen das Vermögen der Angeklagten zur Deckung von Schulden beschlagnahmt wurde. Stand zu Beginn der Untersuchung die Beendigung der unrechtmäßig geführten Prozesse im Vordergrund, so wurde Bodman bald zum „Insolvenzverwalter“ des Grafen, den er 1684 in „Sicherungsverwahrung“ nahm. Nach dessen Tod übernahm 1686 sein Bruder Jakob Hannibal III. die bankrotte Herrschaft; doch musste Bodman alsbald wieder einspringen. Er wickelte, ganz im Sinne des Kaisers, 1699 den Verkauf der Herrschaft Schellenberg und 1712 der Grafschaft Vaduz an die Fürsten von Liechtenstein ab.

Die Verbindung zum Kaiserhof war eng: 1707 wurde er als Prinzipalkommissar zur Visitation des Reichskammergerichts in Wetzlar berufen. Der Höhepunkt von Bodmans Karriere auf Reichsebene war seine Berufung zum Präsidenten des Reichshofrats im Jahr 1708; doch zwangen ihn die Einsprüche der protestantischen Reichsstände 1713 zum förmlichen Verzicht. In seinen letzten Regierungsjahren wandelte sich sein Selbstbewusstsein zu Starrsinn, er hatte seine Kompromissbereitschaft verloren: Der Konvent befürwortete die Einsetzung eines Koadjutors, was 1725 mit der Einberufung Anselm Reichlins von Meldegg (1728 – 1747) auch geschah.

Birgit Kata, M.A.

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