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Kemptener Klima-Anpassungsstrategie erarbeitet

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Von: Martina Ahr

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Starkregen
Nach dem Prinzip Schwammstadt gilt es künftig, Wasser bei Regen zurückzuhalten und bei Trockenheit wieder abzugeben. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / Nomadsoul1

Kempten - Der Klimaschutzbeirat sieht dringenden Handlungsbedarf, eine Strategie zu entwickeln, sich an die kommenden Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, anzupassen. Diese ist nun fertig.

Der Klimawandel macht sich bemerkbar – auch in Kempten. Das berichtet Klimaschutzmanager Thomas Weiß. „Ein signifikanter Anstieg der Temperaturen, mehr heiße Tage über 30 Grad, mehr Trockenperioden, die ­Iller war nur noch ein Rinnsal, mehr und mehr Quellen trocknen aus.“

Die Stadt habe außerdem Trockenschäden der Vegetation festgestellt, weil Bäume durch die Trockenheit brüchiger geworden seien; Wetter­extreme wie Starkregen und Stürme haben zugenommen. Das habe Konsequenzen für die Artenvielfalt; auf der anderen Seite lassen sich neue Arten nieder, was insbesondere sichtbar bei Insekten und Pflanzen sei. Gerade für die sehr junge und sehr alte Bevölkerung seien auch zunehmend gesundheitliche Folgen zu erwarten. Kurzum, so Weiß: „Das Thema Klimawandel ist im Allgäu angekommen.“

Der Klimaschutzbeirat sieht dringenden Handlungsbedarf, eine Strategie zu entwickeln, sich an die kommenden Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, anzupassen. Eine solche sei in einem „intensiven Prozess“ mit verschiedenen Akteuren, u.a. aus den Fachämtern erarbeitet worden, so Thomas Weiß.

Frühzeitig Maßnahmen zu planen und durchzuführen habe sich bereits bewährt, so Baureferent Tim Koemstedt. Im Falle von Hochwasserereignissen, die deutschlandweit zu einem großen Problem geworden sind, sei man im Allgäu durch die Vorarbeit der letzten Jahre gut gerüstet.

In vier Workshops wurden nun die Risiken und Folgen des Klimawandels für die Stadt analysiert und daraus Maßnahmen abgeleitet. So ist es zu zwölf neuen Maßnahmen gekommen:

Als kleine grüne Oasen sollen die Tiefbeete zusätzlich wirken. Darunter findet sich die Rigole als Regenrückhalt
Als kleine grüne Oasen sollen die Tiefbeete im Kemptener Neubaugebiet Halde Nord zusätzlich wirken. Darunter findet sich die Rigole als Regenrückhalt. © Stadt Kempten

Politische Entscheidungen werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen aufs Klima überprüft

Mehrere Maßnahmen haben das Ziel, die Klimaproblematik als Querschnittsthema in der Stadtpolitik zu verankern; dazu gehört u.a. eine „Arbeitsgruppe Klimaanpassung“ zu etablieren und eine Bewertungsgrundlage für Stadtratsentschlüsse zu entwerfen. Alle Entschlüsse, die eine negative Klimaentwicklung begünstigen könnten, müssten demnach gesondert geprüft werden. „Auch in der Politik, im Stadtrat, wird dann Bewusstsein für den Klimawandel geschaffen“, so Weiß.

Überhaupt haben mehrere Maßnahmen das Ziel, zu informieren und aufzuklären; dies soll laut Maßnahmenplan sowohl auf Zielgruppen, als auch auf die verschiedenen Themenbereiche zugeschnitten werden. Unter anderem ist geplant, einen Klimastammtisch für ältere Mitbürger und Mitbürgerinnen zu etablieren. Es gehe aber auch darum, ein höheres Bewusstsein für Lebensmittelproduktion und Ernährung zu schaffen. Ziel sei auch, mit Akteuren aus anderen Berufen ins Gespräch zu kommen, Weiß nennt u.a. Ärzte und Ärztinnen, die gerade hinsichtlich der gesundheitlichen Gefahren des Klimawandels wichtige Ansprechpersonen seien.

Zum Hochwasserschutz und gegen Trockenheit

Auch technische Ansätze haben ihren Weg in den Maßnahmenkatalog gefunden. So soll in der Stadtplanung künftig das Konzept „Schwammstadt“ eine größere Rolle spielen. Das bedeutet, erklärt Grünen-Stadträtin Gertrud Epple, dass bei Stark­regen Wasser zurückgehalten wird und in Trockenperioden genutzt werden kann. Eine typische Maßnahme dafür ist, die stark voranschreitende Flächenversiegelung zu begrenzen oder auch Flächen wieder zu entsiegeln.

Koemstedt bestätigt: „Eine Herausforderung ist das Thema Grundwasser“, die Speicher leerten sich; kommt es dann zu starken Regenfällen, sind die Böden nicht mehr in der Lage, das Wasser aufzunehmen. „Das Wasser fließt ins Meer und ist weg.“ Der Regen dürfe aber nicht in die Iller gelangen, sondern müsse hier in der Region gehalten werden. „Da müssen wir in der Planung, bei öffentlichen und privaten Planungen, mehr Bewusstsein schaffen“, so Koemstedt.

Auf einer Starkregengefahrenkarte, die mit allen Daten auf der Homepage der Stadt Kempten für jeden Interessierten zugänglich ist, könne man schon jetzt feststellen, ob es für das eigene Wohngebäude Schwierigkeiten mit Regenwasser, das nicht abläuft, geben könnte. Das sei etwa der Fall, wenn eine Tiefgaragen­einfahrt tiefer als die anliegende Hauptstraße sei. Solche Probleme gebe es laut Koemstedt in nahezu jedem Stadtteil.

Die Vegetation fit für den Temperaturanstieg machen

Weitere Maßnahmen der Klimaanpassungsstrategie betreffen die Kemptener Vegetation: Waldflächen sollten erhalten und gegebenenfalls vergrößert werden, um die Ökosystemleistung zu erhalten, erklärt Weiß. Dabei werde es zunehmend wichtiger, die Waldzusammensetzung ans Klima anzupassen. „Fichtenbestände haben keine Zukunft“, man müsse deshalb in den Dialog mit Waldbesitzern treten.

Das Mikroklima in der Stadt könne verbessert werden unter anderem durch Dach- und Fassadenbegrünung; Gemeinschaftsgärten sollen gefördert und Lebensräume für Bienen geschaffen werden.

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