Nach Corona-Pause

Kemptener Kunstarkaden öffnen am Sonntag wieder ihre Türen

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Zeichnet vor Ort im Atelier und zeigt Werke, die sie während des Lockdowns angefertigt hat: Die Bildhauerin Nina Annabelle Märkl.

Kempten – Kaum eine Branche wurde von der Coronakrise so getroffen wie der Kunstbetrieb – viele Künstlerinnen und Künstler bangten um ihre Existenz. Doch der Weg zurück zur Normalität hat begonnen.

Feuchte Augen hatte Guido Weggenmann, als er während des Corona-Lockdowns Mails von verzweifelten Künstlern erhalten habe. „Bei Corona hast du keine Aufträge“, so der Allgäuer Bildhauer und Organisator der Kemptener Kunstarkaden. Künstlerexistenzen hätten daher auf auf dem Spiel gestanden, bedauert er. „Das ist sehr, sehr traurig.“ Auch sein Herzensprojekt, die Kemptener Kunstarkaden, mussten derweil geschlossen bleiben. Das Licht des Ausstellungsraums habe er aber mit einer Zeitschaltuhr weiterhin brennen lassen. Einige Kemptener hätten ihm geschrieben und sich darüber gefreut, dass ihnen die Kunst in diesen trüben Zeiten Licht in die Dunkelheit gebracht hätte. Sie schauten daher mehrmals die Woche in die Fenster. „Das fand ich sehr berührend“, so Weggenmann. Nach fast dreimonatiger Pause zeichnet sich aber ein Licht am Ende des Tunnels ab. Dank sinkender Infektionszahlen können Kunsträumlichkeiten wie die Kemptener Arkaden nun wieder ihre Pforten öffnen. 

Offene Tür für Kunstbegeisterte und Interessierte

„Es ist wichtig, jetzt nach außen zu gehen“, bekräftigt die Münchner Künstlerin Nina Annabelle Märkl, die seit Samstag, den 22. Juni, für eine Woche als „Artist in Residence“ im Atelier in der Königstraße ist. Bei der Veranstaltungsreihe zeichnet die Bildhauerin vor Ort und zeigt eigene Werke, die sie während des Lockdowns angefertigt hat. Märkl beschreibt ihre Arbeiten als „Schnittstelle zwischen Zeichnung, Installation und Skulptur. Ihre Konstellationen hinterfragen Seh-und Wahrnehmungsgewohnheiten, indem sie die Grenzen zwischen Gegenstand und Abstraktion auflösen. Die Tür stehe für Kunstbegeisterte offen, so Märkl – Interessierte können ihr beim Werken zuschauen und mit ihr ins Gespräch kommen. „Kunst sollte für alle da sein und eine Plattform des Austauschs sein“, lädt sie ein. Die Münchnerin, die auch an der Münchner Kunstakademie lehrt, schwärmt von Kemptens gutem Ruf als Plattform für regionale und nationale Künstler. Dies habe sich landesweit herumgesprochen, so Märkl. Organisator Weggenmann erzählt sogar von Gästen aus der Schweiz und Österreich bis hin zu Berlin, „vor allem Sammler“, sagt er. Nachdem das Atelier seit vergangenen Samstag wieder in Betrieb ist, erwartet die Besucher am 28. Juni die große Wiedereröffnung der Ausstellungsräume nebenan. Dort werden der Thüringer Künstler Ambech und der Münchner Alexander Laner bis zum 26. September ausstellen. 

Ein Zeppelin und lebendige Waschmaschinen

Ambech beschreibt seine Arbeiten als interaktive Kunst. „Wahrnehmung, Raum, Bewegung, Zeit und Standpunkt sind wichtige Parameter in seinem fotografischen Oeuvre“, heißt es im Veranstaltungsflyer. Alexander Laner bezeichnet sich dagegen als „Aktionskünstler“ und klassischer Bildhauer, „dem es um die Skulptur im weiteren Sinne geht“. Weggenmann spricht bei der Ausstellung von voluminösen Arbeiten. „Von der Größe her fast schon erschlagend.“ Ein halbes Zeppelin, zum Leben erweckte Waschmaschinen, kündigt er für die Besucher an. Trotz aller Euphorie gelte aber „Safety First“, so Weggenmann. Besucher dürften nur mit Maske in die Arkaden und auch nur eine gewisse Anzahl an Leuten. Personen mit Erkältungs-Symptomen oder Kontakt zu COVID-19-Fällen innerhalb der letzten 14 Tage seien vom Zutritt ausgeschlossen. Hände müssten am Eingang desinfiziert werden. Ein Mindestabstand von 1,5 Meter Abstand zu anderen Besuchern müsse eingehalten werden. Öffnungszeiten sind von Donnerstag bis Samstag: 16 bis 20 Uhr und Sonntag: 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Informtionen unter: www.kunstarkaden-kempten.de.

Cian Hartung

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