Mit den Augen "lauschen" im Kemptener Kunstkabinett

Sichtbare "Klänge"

+
Aus bemaltem Lindenholz hat Luzia Werner „Ein Akkordeon für Hans“ geschaffen. Im Hintergrund steht ein Pianist von Anette Zappe „Im Rampenlicht“.

Kempten – „Klänge“ künstlerisch zu visualisieren war die Herausforderung für die aktuelle Ausstellung im Kemptener Kunstkabinett. In den 63 gezeigten Werken spiegelt sich die Vielfalt, die in dem Begriff „Klang“ schlummert.

Wie immer bei Ausstellungen im Kunstkabinett, ergänzen sich auch diesmal Werke zeitgenössischer, vorwiegend regionaler Künstler, der Trientiner Künstlergruppe „La Cerchia“ und erlesene Werke aus der hauseigenen Sammlung Dr. Wilhelm Maul, in der sich viele auch jahrhundertealte Arbeiten finden. Der große zeitliche Bogen, den die gezeigten Arbeiten umspannen, aber auch das häufig im musikalischen Kontext umgesetzte Sujet, macht einmal mehr ein sich immer wieder Bahn brechendes menschliches Bedürfnis deutlich: sich künstlerisch auszudrücken. Lediglich die Ausdrucks- weisen, Moden, Materialien, Stile, Techniken und Themen wandeln sich bisweilen. Das Grundbedürfnis dagegen scheint seit Urzeiten unverändert.

Mit nur wenigen, dafür umso wirkungsvoller platzierten Federstrichen hat Rembrandt R. Harmensz van Rijn (1606-1669) seinen „König David, Harfe spielend“ gezeichnet. Ebenfalls aus der hauseigenen Sammlung beeindrucken – unter anderem – Marc Chagalls Lithographie „Die blaue Flöte“ oder „Tanzende Figuren“ auf einem japanischen Schwarz-Weiß-Holzschnitt. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Flüchtlingswelle geht die Kohlezeichnung „Kriegselend“ von Michael Pascevitius unter die Haut, der – 1911 in Litauen geboren – selbst ein Flüchtling gewesen sei, wie Kuratorin Maria Farkas erzählt. Müde lehnt ein junger Mann an einem Baum, in der Hand eine Geige – die Krücke, die sein fehlendes Bein ersetzen muss, neben sich. Einen von vielen auch heiteren Akzenten setzt der Waltenhofener Wolfgang Steinmeyer: „Ein wahrer Künstler sucht die Herausforderung“ steht unter einer überdimensional langen Klaviertastatur, hinter der selbstbewusst der Pianist zu Gange ist. Humorvoll ist auch der Betzigauer Roland Breitinger in seiner Kaltnadelradierung „bel canto, kräftezehrend“ an das Thema herangegangen. Während ein Sänger tiriliert, legt ein Vogel ihm einen Wurm in den weit geöffneten „Schnabel“. Viele Natur-Klänge finden sich bei den italienischen „La Cerchia“-Malern. Carla Caldonazzi visualisiert in „Gorgolio“ das Gurgeln von Wasser, während sich ihr Malerkollege Domenico Ferrari in „Fruscio“ dem Rauschen des Wassers annimmt und Roberto Piazza den Herbstwind in „Vento d’autunno“ visualisiert.

Auch in den Stilen und Techniken drückt sich die Vielfalt des Themas wie der Ausdrucksmöglichkeit Kunst aus. Kubistische „Klänge“ verströmt das „Mädchen mit Cello“ in der Ölmalerei von Maria Farkas. Vergoldete Bronze hat Basilius Kleinhans für seine kleine und große „Schale für die Sonne“ gewählt. „Nur Lauschen“ lässt Daphne Kerber ihren in Konzentration geneigten Kopf aus gekalkter Fichte. Filzstift und Seidenraupenkokons hat Bernadette Mayr für ihre „Musikalische Früherziehung“ eingesetzt.

Bis 25. Oktober kann die Ausstellung in der Salzstraße 12 noch besucht werden, Donnerstags, freitags und samstags von jeweils 16 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von jeweils 11 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0831/28381.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare