KemptenerKunstNacht lockt die Massen

Eine Nacht voller Farbe und Musik

+
Die mehrteilige Installation „Gaia schläft“ von Marianne Manda.

Kempten in der KunstNacht war einmal mehr ein ganz besonderes Erlebnis:

Markante Gebäude und Plät-ze erstrahlten in magentafarbenem Licht, an jeder Ecke luden Galerien, Ateliers oder Museen zum unbefangenen Umgang mit Kunstwerken unterschiedlichster Stilrichtungen ein und über der ganzen nächtlichen Innenstadt schwebte ein wohliger Klangteppich, der die zahlreichen Besucher von Kunstort zu Kunstort begleitete. 

Den Initiatoren und Akteuren der Kemptener KunstNacht war es einmal mehr gelungen, die Kunst von ihrem Sockel herunter zu holen und auf Augenhöhe eines breitgefächerten Publikums zu platzieren. Ohne Scheu und ohne Furcht, etwaigen elitären Ansprüchen nicht gewachsen zu sein, zogen Tausende Besucherinnen und Besucher, von Familien mit Kleinkindern bis zu Senioren, in friedvoller Atmosphäre durch die Innenstadt, die an den heuer 38 KunstNachtorten zum Schauplatz für bildende Künste, Tanz, Musik, Installationen und Videoprojektionen wurde. 

Trotz gut organisiertem Bus-Shuttleservice war es kaum möglich, alle Stationen zu besuchen. Da fiel die Wahl schwer. Sollte man den renommierten Kollegen wie Bruno Wank, Guenter Rauch u.a. einen Besuch abstatten, oder sich lieber den zahlreichen passionierten Hobbykünstlern widmen, die zum Teil erstmals den Schritt aus dem stillen Kämmerlein ihrer Ateliers gewagt hatten, um ihr Schaffen einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen? Von Malereien, Zeichnungen, Fotografien, Grafiken und Karikaturen über Skulpturen oder Objekte bis hin zu Kalligraphie-, Textil-, Licht- oder Videokunst war alles dabei – und letztlich fand alles seine wohlwollenden Betrachter. 

Im Stadtpark etwa verbreitete die Installation „Gaia schläft“ von Marianne Manda mit drei riesigen beleuchteten Gewändern, nachdenklich stimmenden, auf den Gehweg projizierten Gedichten und ergreifender, urtümlicher Hintergrundmusik mystische Atmosphäre. Gleich nebenan, im Stadtparkteich, brachten Barbara Wolfarts vier Damen mit Mops, die im kühlen Nass ein Kaffeekränzchen zu halten schienen, die Vorbeispazierenden zum Schmunzeln. In der Galleria Müßiggengelzunfthaus ließ sich die Kemptener Künstlerin Uschi Stadelhofer beim Anfertigen ihrer sympathischen, humorvollen kleinen Köpfe und Plastiken aus Pappmaché genau auf die Finger schauen und in der Erasmuskapelle zeigten SchülerInnen des Hildegardis-Gymnasiums fotografische Selbstinszenierungen nach kunstgeschichtlichen Vorbildern. Bei der vorigen Auflage der Kunstnacht im Jahr 2013 war die Kunstausstellung „artig“ in der Markthalle eine wichtige Station gewesen. Diese beliebte Anlaufstelle fiel in diesem Jahr weg, da die Macher das Projekt terminlich vorverlegt hatten. Stattdessen wartete der Verein artig e.V. im kleineren Rahmen seiner Galerie „Kunstreich“ mit Interaktions- und Installationskunst auf. Die Künstlerin Gwen Boos feierte hier mit einer einmaligen Tanz-Performance auf Leinwand in Farbe und Ton eine Weltpremiere, von der letztlich nur Farbspuren übrigblieben. An mehreren Stationen hatten die Besucher die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden und Kunst zum Mitmachen zu erfahren. Das galt in diesem Jahr ganz besonders für Kinder: Sie durften eine Woche lang im Rahmen des KinderKunstFestes in der Markthalle ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die farbenfrohen Ergebnisse der Arbeiten unter dem Motto „Mein Traum für die Zukunft“ wurden in der Kunstnacht präsentiert – stolze Eltern und gelegentliches Schmunzeln inklusive. Während eine Elfjährige beispielsweise davon träumt, „einst Menschenleben zu retten“, stand bei einer anderen „Prinzessinnen und Meerjungfrauen treffen“ im Fokus. Die spektakulärste Attraktion des Abends bildete freilich die faszinierende, 3D-animierte Video-Großprojektion auf der Südfassade der St. Lorenz Basilika, die von Markus Kösel und Daniel Rauch eigens für diesen Abend entwickelt worden war. 

Begleitet wurde das Programm, das vom Kulturamt der Stadt Kempten gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnern auf die Beine gestellt worden war, von teils hochkarätigen musikalischen und tänzerischen Darbietungen. Zum Abschluss zog es viele Nachtschwärmer noch in die Kunsthalle. Hier nutzten viele die Gelegenheit, den gelungenen Abend mit dem Besuch der abwechslungsreichen und kurzweiligen Ausstellung „Der Andere“ und anschließendem Besuch der KunstNachtParty im Untergeschoss ausklingen zu lassen.  

Sabine Stodal

KunstNachtKempten

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Shawn James im "mySkylounge"
Shawn James im "mySkylounge"
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Neuer Ort des Miteinanders
Neuer Ort des Miteinanders

Kommentare