Ernstfall nachgespielt

Für eine klare Sicht

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An den einzelnen Stationen werden die Schüler über die Auswirkungen von Rauchen und Trinken informiert.

Kempten – Eine laute Sirene schallt durch die Räume des Jugendhauses, Türen öffnen sich und Gruppen von Jungen und Mädchen, die sich zum Beispiel „Keine halben Sachen“ oder „Champagner“ nennen, drängen sich durch den Gang zur nächsten Station.

Nach dem sogenannten Checkpoint ging es zu den Stationen „Tabak nichts vernebeln“, „KlarSicht-Werbung statt Images“, „Talkshow“, „Alkohol-Dreh-Bar“ und den „Rauchbrillen“.

Über 200 Schüler aus den 7. Klassen verschiedener Schulen machten am jetzt beim Koffer-Parcours „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Alkohol und Tabak mit. Das Amt für Jugendarbeit, der Stadtjugendring und der Fachdienst für Suchtfragen und Prävention knüpften damit an die seit Jahren erfolgreichen Kampagne „Leben statt Schweben“ an.

An den sechs Stationen, die von Pädagogen betreut und moderiert wurden, konnten sich die Schüler spielerisch mit ihrem Genuss- und Konsumverhalten auseinandersetzen, reflektieren und ihr Wissen zum verantwortungsvollen Umgang mit legalen Suchtmitteln erweitern. Die Jugendlichen hatten an jeder Station 15 Minuten zur Verfügung, um die Mitmachaktionen, Rollen- und Erlebnisspiele und die Wissensaufgaben in ihrer Kleingruppe zu bewältigen.

Zunächst wurden die Jugendlichen gefragt, ob es für sie zum Erwachsenwerden dazu gehört, Alkohol zu trinken und zu rauchen.

An der Tabak-Station boten eine riesige Zigarettenschachtel mit Begriffen rund um das Thema „Rauchen“ und Bodenbilder mit einem Überblick über den jährlichen Zigarettenverbrauch und die dadurch entstehenden Kosten eine gute Möglichkeit zur Diskussion. Mehrere Jugendliche benannten dabei, dass sie mit dem Rauchen begonnen haben, damit ihre Eltern auf sie aufmerksam werden. Andere beginnen durch den gemeinsamen Konsum in der Gruppe, um nicht außen vor zu bleiben. Erstaunt, aber auch angeekelt reagierten die Jugendlichen auf eine Tasse mit der simulierten Jahresteerablagerung in der menschlichen Lunge bei einer Schachtel Zigaretten pro Tag. Es wurde über das Passivrauchen, aber auch Möglichkeiten des Aufhörens gesprochen.

Kreativität gefragt

An der Station „KlarSicht-Werbung statt Images“ entwickelten die Gruppen eine eigene Werbestrategie für ein Alkoholprodukt. Sie überlegten sich, was das Produkt auszeichnet, welche Farbe und welchen Geschmack es hat. Ziel war es, den Jugendlichen durch das Entwickeln einer eigenen Strategie zu helfen, die „Versprechen“ der Werbung realistisch einzuschätzen.

Kreativität war hingegen bei der „Talkshow“ gefragt. Die Jugendlichen hatten sich dafür eine schwierige Lage ausgedacht, in der eine fiktive Person durch Alkohol- oder Tabakkonsum gerät. Die Gruppen entwickelte rund um diese Situation eine Geschichte mit verschiedenen Beteiligten, die in einer „Talkshow” dargestellt wurde. Bei der Station „Alkohol-Dreh-Bar“ spielten die Jugendlichen Flaschendrehen. Anders als beim Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ gab es hier nur Wahrheiten, indem Wissensfragen rund um das Thema Alkohol beantwortet werden mussten. Dabei ging es um Trinkgewohnheiten, Alkohol in der Gesellschaft, Wirkungen, Risiken oder Jugendschutz. Eindrucksvoll konnten die Jugendlichen durch das Aufsetzen der Rauschbrillen mit 0,8 bis 1,5 Promille erleben, wie schwierig es ist in diesem Zustand die eigenen Bewegungen zu koordinieren. Dabei konnten sie auch feststellen, wie sich ein Alkoholrausch auf die Wahrnehmung auswirkt und wie unbeholfen, peinlich oder sogar lächerlich man wirken kann, wenn man zu viel getrunken hat.

Parallel zu „KlarSicht“ wird derzeit auch ein neuer Weg in der Prävention von Alkoholmissbrauch mit dem multimedialen Programm „Starker Wille statt Promille“ für Schüler der 8./9. Klassen beschritten. Die Jugendsozialarbeiter und schulbezogenen Jugendarbeiter bieten dies noch bis Ende Juli nach Absprache mit der Agnes-Wyssach-Schule und der vier Mittelschulen vor Ort und in eigener Terminvereinbarung für die jeweilige Zielgruppe an den benannten Schulen an.

Im Ausblick wird unter der Kampagne „Leben statt Schweben“ im Herbst eine dreitägige Veranstaltung mit dem Themenschwerpunkt „Sexuelle Bildung“ vom 12. bis 14. November für Schüler, Lehrkräfte, Multiplikatoren und die interessierte Fachöffentlichkeit angeboten.

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