"Haltung zeigen"

Der Kemptener Stadtjugendring stellt bei der Herbstversammlung ein neues Leitbild vor

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Thomas Wilhelm (r.) und Manuel Büttner blickten im Rettungszentrum der Johanniter zurück auf das vergangene SJR-Jahr.

Kempten – Über den Umgang mit antidemokratischen und rassistischen politischen Positionen diskutierten Teilnehmer der SJR-Vollversammlung rege, als Stadträtin Regina Liebhaber einen Initiativantrag stellte, den sie aus der Präambel der SJR-Satzung ableitete.

Der dritte Bürgermeister Josef Mayr hatte sie in seinen Grußworten bereits zitiert: „Wir treten ein für eine vielfältige, demokratische und rechtsstaatliche Gesellschaft, in der die Würde des Einzelnen und der Respekt voreinander Gültigkeit haben. [...] Nationalismen und Diskriminierungen jeglicher Art erteilen wir eine deutliche Absage.“ 

Liebhaber forderte zu überprüfen, ob Akteure antidemokratischer Positionen von SJR-Veranstaltungen ausgeschlossen werden sollten. Die Delegierten der Jugendverbände zeigten in zahlreichen Wortbeiträgen die Bereitschaft, sich mit dem gesamten politischen Spektrum auseinanderzusetzen – auch den extremen Positionen. Die Jugendlichen kämen zu solchen Veranstaltungen, wie etwa der Wahlparty, meist sehr gut vorbereitet und hätten kritische Fragen, berichtete eine Delegierte. 

Vertreter rechtsextremer Positionen hätten sich bei dieser Gelegenheit häufig „peinlich entblößt“, erklärten mehrere Besucher. Liebhaber zog den Antrag zurück und bedankte sich für die Diskussion, diese habe sie mit dem Antrag auslösen wollen. Genau das will der SJR leisten, war Tenor des Abends. 

„Der SJR ist seit vielen Jahren eine starke Stimme der Kemptener Jugend“, so auch Mayr. Dass dies auch in diesem Jahr gilt, hat der SJR mit seinen „Jugendpolitischen Forderungen“ bewiesen, die im Frühling verabschiedet worden waren. Ein Thema könne bereits abgehakt werden, berichtet SJR-Beisitzer Manuel Büttner, die Erhöhung des Zuschusstopfes sei beschlossen worden. Mit vier Parteien (CSU, den Grünen, SPD und Freien Wählern) habe es bereits Fraktionsgespräche gegeben, mit der ÖDP und FDP seien Termine in naher Zukunft vereinbart. Zusätzlich hätten Vertreter von Fridays for Future Interesse an Gesprächen über die jugendpolitischen Forderungen signalisiert. 

Ein Zwischenfazit zeige, dass diese Gesprächsrunden produktiv und respektvoll verlaufen seien, „wenn man auch nicht immer einer Meinung war“. Als weiteren Jahreshöhepunkt hob Büttner das Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube zum Jahrestag der Reichspogrome“ von 1938 hervor. „Gerade jetzt, wo viele wieder das Leugnen beginnen“, sei eine solche Veranstaltung unverzichtbar im Programm. Vorstandsvorsitzender Stefan Keppeler stellte die Fortschritte der Organisationsentwicklung vor, die in der Frühjahrshauptversammlung bereits ausführlich thematisiert worden war. 

Das Projekt sei als langfristiger Prozess angelegt. Inzwischen haben einige der Dialoggruppen Ergebnisse vorzuweisen: Die Digitalisierung schreite erfolgreich voran, ein Selbstbild sei erarbeitet worden, das dazu diene, dem Jugendverband nach innen Orientierung zu bieten und den SJR nach außen zu präsentieren. Geschäftsführer Alexander Haag schlüsselte dann den Haushalt für das kommende Jahr auf, der einstimmig beschlossen wurde. 

Ein Großteil der Gesamtsumme von 2.226.650 Euro entfällt auf Personalkosten (88 Prozent), 0. 25 Prozent seien für die Vorstandsarbeit eingeplant, 0.46 Prozent für das Marketing. Der sichtbarste Posten „Veranstaltungen und Aktivitäten“ fällt mit 2,99 Prozent vergleichsweise gering aus. Dennoch werden 82 unterschiedliche Veranstaltungen im nächsten Jahr geboten. 

Martina Ahr

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