Stadträtin Erna-Kathrein Groll als Klimapilgerin in Paris

Viele Schritte für das Klima

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Stadträtin Erna-Kathrein Groll (re.) mit anderen Pilgerinnen und Pilgern auf dem Weg nach Paris zum Klimagipfel.

Kempten/Paris – Um im trüben Novemberwetter zu einer Fernwanderung aufzubrechen, muss jemand schon ganz besonders motiviert sein. Für Stadträtin Erna-Kathrein Groll war die Klimakonferenz in Paris Motiv genug, Schlafsack und Isomatte in den Rucksack zu packen und sich einer ökumenischen und internationalen Pilgergruppe anzuschließen.

Um ein Zeichen zu setzen für Klimagerechtigkeit, pilgerte sie von Chalon-en-Champagne aus in sieben Tagen ca. 150 Kilometer Richtung Paris. Der Klimawandel, so Groll, sei so bedrohlich, dass sie den kleinen Schritt, den sie persönlich tun kann, unbedingt tun wollte: „Wie ein Kolibri, der einen Schnabel voll Wasser zum brennenden Urwald trägt.“

Ähnlich dachten wohl viele Menschen aus politischen und kirchlichen Gemeinden, die sich zum Teil aus Skandinavien und Spanien kommend in einem Sternmarsch auf die französische Hauptstadt zubewegten. Unter Polizeibegleitung, wegen der jüngsten blutigen Anschläge. Dabei war die Organisation des Pilgerwegs äußerst schwierig, denn Programm und Treffpunkte konnten angesichts der Terrorgefahr jeweils nur kurzfristig bekanntgegeben werden. Nach anstrengenden Tagesetappen wurde in Schulen und Hallen, aber auch bei sehr herzlichen Gastfamilien übernachtet. Untertags besuchte die Gruppe jeweils ökologische Projekte, z. B. einen Betrieb, der den bei der Weinproduktion anfallenden Trester weiter verwertet.

Kurz vor Meaux wurde die Pilgerschar angehalten, bekam dann aber als einzige Gruppe doch die Erlaubnis, zu Fuß in die Innenstadt weiterzugehen. Im Vorort Saint Denis gab es einen Abschlussgottesdienst mit hochrangigen Geistlichen aus mehreren Religionen. Sie lasen Abschnitte aus ihren heiligen Schriften, in denen die gemeinsamen Werte, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, betont wurden. „Es war ein ehrliches Miteinander der Religionen“, freut sich Groll. Die Übergabe einer Petition mit 1,8 Millionen Unterschriften an Christiana Figueres, die Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, bildete den Höhepunkt des Pilgerwegs für Klimagerechtigkeit. Es gab emotionale Redebeiträge, die unter dem Motto „Geht doch!“ Hoffnung vermittelten. Groll empfand die französische Bevölkerung als äußerlich ruhig und gelassen. Als jedoch bei einem Ausstellungsbesuch wegen einer Terrorwarnung kurzzeitig der Ausgang des Gebäudes gesperrt war, erstarrten die Mienen. Aus mehreren Gesprächen konnte sie entnehmen, dass das Thema der erneuerbaren Energien noch nicht bei den Menschen angekommen ist. „Überall Plastikzeug und viele Befürworter von Atomstrom“ bedauert Groll. Andererseits stünden in Frankreich sehr viele Elektrofahrräder und Elektroautos zum Ausleihen zur Verfügung. Die Basis, die einfachen Menschen, wollen etwas bewegen und setzen sich für mehr Klimagerechtigkeit ein, so das motivierende Fazit der Pilgerin aus Kempten: „Wir können uns nicht erlauben, dass eine Klimakonferenz noch einmal schief geht!“

Elisabeth Brock

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