"Saatgut zum (Über)Leben"

Kemptener stellen nigerianischen Familien Saatgut zur Verfügung

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Kempten – Die Gemeinde von St. Lorenz empfing in dieser Woche hochrangigen Besuch. Der Nigerianer Monsignore Prof. Dr. Obiora Ike ist u.a. Executive Director von Globethics – ein weltweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlern in Kooperation mit dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.

Außerdem ist er Mitglied im Club of Rome. Er beschäftigt sich mit einem ganz grundlegenden, universellen Bedürfnis: Der Ernährung. „Die Schöpfung bewahren“, stehe dem entgegen, was man im Supermarkt an Lebensmitteln finde, so Ike. Das gelte für Europa genauso wie für andere Regionen. In Nigeria werde Reis aus China und Thailand importiert, erzählt er, doch die Qualität der Lebensmittel sei schlecht, die Krebsrate in Nigeria habe in den letzten Jahren stark zugenommen. „Wir Menschen zerstören die Schöpfung“, betont er. Nigeria sei „ein Friedhof für gefahrene Autos aus Europa“, auch nuklearer Abfall werde dort hingeschafft, sogar verseuchtes Fleisch, das in Europa nicht mehr verkauft werden darf, lande dort und werde als Nahrungsmittel verkauft. 

„Wir brauchen Unterstützung“, sagt Ike. Die nigerianische Regierung habe mit Monsanto ein Abkommen getroffen, das festlegt, künftig nur noch Monsanto-Saatgut zu verwenden. Dieses Abkommen sei im Stillen unterzeichnet worden, und dank der Recherchen von Journalisten an die Öffentlichkeit gekommen. Durchgesetzt werde es noch nicht. Das Problem an der Sache? Monsanto bietet, wie auch viele andere Saatguthersteller, sogenannte F1-Hybriden an. Im Gegensatz zu Pflanzen aus samenfester Saat lassen sich aus diesen keine neuen Pflanzen ziehen. Daher müssen die Samen jedes Jahr neu gekauft werden, dazu kommen speziell darauf zugeschnittene Düngemittel und Pestizide. Abhängigkeiten entstehen. Ike versucht, dem mit Mikrokrediten für samenfestes Saatgut entgegenzuwirken. „Die Geschäftspraktiken von Monsanto beobachte ich mit Schrecken“, so Georg Sedlmaier, Gründer von IG-FUER, Interessensgemeinschaft für gesunde Lebensmittel. 

Seine Konsequenz: Er hat wie schon in der Vergangenheit Geld gesammelt, um bedürftigen nigerianischen Bauernfamilien den Kauf von samenfestem Saatgut zu ermöglichen. 6100 Euro sind zusammengekommen, das reicht für etwa 300 Familien. Die Spenden seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Ike sieht zahlreiche weitere Baustellen in seinem Land. So haben die beiden Waisenhäuser, die er gegründet hat, großen Zulauf wegen des Boko-Haram-Terrors. Auch hier wird Hilfe immer benötigt. Wer helfen will, kann dies tun mit einer Spende an: www.umuchinemerebank.com, Pax Bank Köln, IBAN: DE34370601930016803014 oder sich an www.ig-fuer.de wenden. 


Martina Ahr

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