Kemptenerin war im "Affenjahr" mit dem Furgon vier Wochen in der Mongolei unterwegs

"Sehr heiß, trocken und staubig"

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Elisabeth Brock mit Alimas Mutter vor deren Jurte.

Kempten/Mongolei – Raus aus dem Allgäu und rein in die mongolische „Prärie”: eine vierwöchige Reise führte Elisabeth Brock, Freie Mitarbeiterin des Kreisboten, in abge- legene Gegenden, zu Nomaden, Schamanen und Bogenschützinnen. Seit Kurzem ist die Kemptenerin wieder zurück im Allgäu und erzählt von ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken.

VON ELISABETH BROCK 

Ein schmuckloses, allerdings äußerst robustes Gefährt ist der russische Kleinbus, mit dem wir vier Wochen in den westlichen Aimags und im Changai-Gebirge der Mongolei unterwegs waren. Geschickt über Stock und Stein gelenkt wurde er von Bolgroo, dem jungen mongolischen Fahrer, gelotst, bekocht und intensiv über Land und Leute informiert hat uns Alimaa, unsere mongolische Freundin.

Auch auf der vierten langen Reise hat uns das Riesenland begeistert, das wie ein „rohes Ei“ zwischen Russland und China liegt. Wer gern von Zäunen und Verboten ungehindert zu Fuß über Berge, durch Steppen und Flussauen streift, findet in diesen dünn besiedelten Weiten sein Glück. Markierungen, Schilder, Infotafeln, Themenwege, wie vom Allgäu fast bis zum Überdruss gewohnt – die Mongolei ist weitgehend frei davon.

Alimaa, die mit vielen Geschwistern in einer nomadisierenden Viehzüchterfamilie aufgewachsen ist, führte uns in sehr abgelegene Gegenden, um ihre Verwandten zu besuchen. So waren wir oft in Jurten bei Nomaden zu Gast und konnten dank Alimaas Übersetzungshilfe mehr über deren Lebensweise erfahren. Meine eigenen Mongolischkenntnisse gehen nämlich über einige einleitende Höflichkeitsformeln wie „Sind deine Tiere fett?“ und „Sitzt ihr weich und gut?“ kaum hinaus ... Jurten sind filzbedeckte Rundzelte, in denen wie in einer Einraumwohnung gekocht, geschlafen, gegessen und neuerdings auch fern gesehen wird. In großen Plastikfässern steht Yakmilch bereit, die zu Yoghurt und Käse weiterverarbeitet wird. Bei unseren Besuchen werden wir unbefangen und herzlich begrüßt, dann selbstverständlich mit leicht gesalzenem Milchtee und Aruul, dem luftgetrockneten steinharten Magerquark, bewirtet. Meist ist auch ein Baby mit in der Runde, das herumgereicht und, wenn es quengelt und schlafen soll, fest in eine Decke gewickelt und mit Bändern verschnürt wird. Radio- und Fernsehgeräte, denen kleine Fotovoltaikanlagen den Strom liefern, sorgen dafür, dass die Weltnachrichten mit all ihren Schrecken die einsamsten Täler erreichen. Auch das Handy ist überall präsent, nachdem zumindest auf dem Land das Zeitalter des Festnetztelefons übersprungen wurde.

Natürlich schweifen immer noch große Pferdeherden über die Steppe, aber fast scheint es, als würden die Hirten inzwischen das Motorrad dem Reitpferd vorziehen. Auf dem Land ist die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern traditionell: ich sah nur einmal eine Frau auf dem Pferd und einmal eine am Lenker des Motorrads. 

Frauen sind für die recht fleischlastige, kaum gewürzte mongolische Küche zuständig. Unser Fahrer freut sich immer, wenn sich in seiner Schale fette Fleischstücke samt Knochen türmen; sollte ich die Nudelsuppe allerdings mit italienischer Gewürzmischung aufpeppen, schmeckt sie ihm leider gar nicht.

Als wir eines Abends oberhalb eines frei mäandernden Flusses das Zelt aufbauen, werden wir von Trommelklängen auf zwei Schamanen und eine Schamanin aufmerksam gemacht. Es sind eindruckvolle Gestalten in bunten Gewändern, mit Bändern behangen, ein Wolfsfell auf dem Rücken. Sie schlagen ihre Trommeln im Rhythmus des Herzens und tanzen sich in Trance, Stunde um Stunde, bis in die Nacht. Ebenfalls Zeichen der alten Volksreligion sind die Owoo genannten Steinsetzungen auf Bergen und Passhöhen. Auch wir umkreisen sie dreimal, legen Steinchen dazu.

In der kleinen Provinzstadt Murun erleben wir das aktionsgeladene Nadaam-Fest, dessen Wurzeln bis in die Zeit der Hunnen zurückgeht. Viele Leute, traditionell und festlich gekleidet, schauen den massigen Ringkämpfern zu, ich bewundere eher das Bogenschießen, weil dabei auch ein zielsicheres Frauenteam antritt. Ein Stück außerhalb der Ortschaft findet das Pferderennen statt. Unglaubliche 25 Kilometer jagen Buben zwischen sechs und zwölf Jahren auf ihren zähen Pferden um die Wette, oft ohne Sattel. Sehr heiß, trocken und staubig ist das Land – typisch für ein Affenjahr, sagen unsere mongolischen Bekannten, die mit dem buddhistischen Kalender rechnen.

In Ulan Bator beschließen wir die spannende Reise. Die Stadt hat sich innerhalb weniger Jahre stark verändert: Ganze Hochhausviertel wuchsen empor, das Verkehrschaos ist einigermaßen gebändigt und von den Straßen wird allmorgendlich der Müll weggekehrt – eine respektable Leistung für ein armes Land im Umbruch. Die weitläufigen Jurtensiedlungen rund um den Stadtkern werden aber wohl noch lange bestehen und ein Postzustelldiensts liegt auch noch in weiter Ferne, weil es kaum Straßennamen und Hausnummern gibt.

Mein Wunsch für die Mongolei: Mögen die Nomadenkultur und die wunderbare Natur erhalten bleiben, mögen die Menschen mehr von den Segnungen als vom Fluch der Moderne betroffen werden. „Bajartaj“ – Auf Wiedersehen!

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