"Every day for future"

Kemptens Liberale im Bürgergespräch

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Nicht nur die FDP äußert bei ihrem Stammtisch Zweifel an der Realisierbarkeit einer Seilbahn. Auch die in Kempten häufig vorkommende Corvus frugilegus, besser bekannt als Saatkrähe, könnte womöglich Besitzansprüche an ihrem Habitat geltend machen.

Kempten – Beim FDP-Stammtisch und Bürgergespräch wurde FDP-Stadtrat Ullrich Kremser gefragt, ob es denn stimme, dass bei der kommenden Kommunalwahl auch Vertreter der „Fridays for Future“-Bewegung für den Stadtrat kandidieren wollen. Kremser bejaht und fügt hinzu: „Wer eine Ein-Themen-Partei wie fff im Stadtrat haben möchte, bitteschön. Wir als FDP verstehen uns als eine Partei, die mehr Themen als den Klimawandel aufgreift, wir sind eine „Every-day-for-future-Bewegung“.

Für diesen Ausspruch erhielt der Liberale viel Zustimmung von den Mitgliedern und Freunden der Kemptener FDP. Man findet sich in regelmäßigem Turnus im „Leberkäs-Bäck“ zusammen, um über die aktuellen Themen im Land-, Kreis- und Stadtrat zu sprechen. Am vergangenen Mittwochabend wurden Themen wie der demographische Wandel, der Leerstand beim Kemptener Einzelhandel, das Bauvorhaben des Investors Walter Bodenmüller in der Ulmer Straße, eine angedachte Verkehrsberuhigung auf dem Hildegardplatz an Markttagen, der neue Büchereistandort und die über allem schwebende Seilbahn angesprochen.

Mit Daniela Busse hat die FDP eine neue Vertreterin im schwäbischen Bezirkstag. Sie berichtete über ihre Tätigkeit in Augsburg und konnte u.a. vermelden, einen ersten Antrag erfolgreich durchgebracht zu haben. Dabei ging es darum, einen Instagram-Account anzumelden, auf dem junge Menschen für Pflegeberufe begeistert werden sollen. Busse ist Mitglied in der Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ des schwäbischen Bezirkstags und mahnte am Abend, dass dieses Thema zukünftig größte Herausforderungen an die Gesellschaft stellen wird. Nach Busse erhielt Stadtrat Ullrich Kremser das Wort. Er berichtete zum Stand der geplanten Fusion der Krankenhäuser (siehe auch nebenstehender Artikel) und kam schließlich auf eine von Parteikollege Dr. Michael Büssemaker und anderen FDP-Mitgliedern durchgeführte Untersuchung zum Thema „Leerstände in der Kemptener Innenstadt“ zu sprechen. Ziel der Untersuchung war, den aktuellen Leerstand bei Geschäften zu ermitteln (42 sichtbare Leerstände auf Erdgeschossebene wurden erfasst) und danach den Ratsgremien, der Stadtverwaltung, dem City-Management und der Öffentlichkeit ein umfassendes Konzept der Leerstandsminderung vorzulegen. Ein Vier-Säulen-Modell zu diesem Thema wurde am Abend durch Büssemaker selbst vorgestellt.

Ein weiteres Thema war der von Grünen-Stadtrat Thomas Hartmann eingebrachte Antrag, an beiden Markttagen am Hildegardplatz für den motorisierten Individualverkehr bis mittags zu sperren. Kremser sprach auch den Stand zum geplanten neuen Fachmarktzentrum in der Ulmer Straße an. Laut Vorstellung des Investors Walter Bodenmüller sollen an diesem ehemaligen Bundeswehrstandort 42.000 Quadratmeter Fläche für Läden und Sportarenen entstehen. Kremser merkte an, dass dort in keinem Fall Konkurrenz zur Innenstadt entstehen dürfe. „Unsere Einordnung innenstadtrelevanter und nahversorgungsrelevanter Sortimente wird nicht aufgeweicht“, so der FDP-Stadtrat. 

Schlussendlich kam es am Abend zur Diskussion, um die von Oberbürgermeister Thomas Kiechle eingebrachte Idee einer Stadtseilbahn für Kempten. Grundsätzlich gibt es bei der FDP nur wenige, die dies kategorisch ablehnen, allerdings gibt es andere Vorstellungen zur Trassenführung und zur Reduzierung des Linienbusverkehrs.

Unlängst hatte eine Gruppe von FDP-Mitgliedern unter Anton Sommer die Firma Doppelmayr in Vorarlberg besucht, um sich Konzepte für etwaige Stadtseilbahnen erklären zu lassen. Dabei stellte sich heraus, dass jede Stadt ein ganz individuelles Konzept einer Stadtseilbahn brauche und somit auch keine Aussage über etwaige Kosten zum jetzigen Zeitpunkt seitens Doppelmayr abgegeben werden konnten. Auch die Frage Sommers, ob Doppelmayr nicht nur Errichter, sondern auch Betreiber einer Stadtseilbahn sein könnte, sei von der Unternehmensleitung nicht beantwortet worden. Grundsätzlich befürchteten alle Anwesenden einen jahrelangen Rechtsstreit über die Hoheit über den Kemptener Dächern. Auch beim Bücherei-Standort besteht Dissens zu anderen Fraktionen. Nachdem OB Kiechle nun auch seinen zweiten Standort „Sparkassenquartier“ hat fallen lassen und sich für die Schwaigwiesschule ausspricht, können sich die FDPler weiterhin einen Neubau in unmittelbarer Nähe des derzeitigen Standortes vorstellen. Beim Standort des Jahrmarkts wünschten sich die meisten Anwesenden eine Verlegung zum Beispiel an die alte Allgäuhalle. „Dann kämen auch ganz andere Fahrgeschäfte nach Kempten und dann würden alle davon profitieren“, wie Kremser meinte.

Jörg Spielberg

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