Die Halbzeitbilanz von OB Kiechle

Themen, die bewegen

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Zum Thema „Mobiltät“ sprach CSU-Stadtrat und Busunternehmer Helmut Berchtold (l.) gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle (r.). Moderiert wurden alle Fragerunden von Fabian Geyer (M.), dem 1. Vorsitzenden des CSU-Ortsverbands Kempten Mitte.

Familie M. wohnt außerhalb von Kempten. Er pendelt mit dem Auto, sie mit dem Bus. Mit dem Auto steht Herr M. häufig im Stau, Frau M. braucht mit den Kindern ewig in die Stadt und die Taktung der Buslinien ist nicht ideal. Beide würden gerne tauschen, es soll bald eine JobCard geben.

Sportverein für den Ältestenkein Problem, es gibt unzählige Angebote, Kita für die Kleine dagegen sehr schwer, es gibt nur wenige Angebote. Shoppen in Kempten macht ihr Spaß, aber es gibt zu wenig Parkplätze und die sind teuer. Es könnte mehr fürs Fahrradfahren getan werden, findet Frau M.. Das Freizeitangebot ist klasse, Kletterhalle und Erlebnisbad, aber für vier Personen nicht gerade günstig. Alle wollen lieber in Kempten wohnen, aber es gibt kaum Grundstücke für Eigenheime und wenn, laufen die Angebote meistens über die lokalen Wohnungsbaugesellschaften. Trotzdem sind alle froh in ihrer neuen Heimat. „Kempten ist fast schuldenfrei, das ist gut für meine Kinder. Auch die Bildungsangebote sind hervorragend, meine Kinder können vom Kindergarten bis zur Hochschule vor Ort bleiben“, sagt Herr M.

Das sind unter anderem die „Themen, die Kempten bewegen“. Am Freitagabend vergangener Woche wurden diese bei der Halbzeitbilanz von OB Thomas Kiechle im Haus Hochland eingehend beleuchtet. Eingeladen zur Veranstaltung hatte die CSU-Kempten. Begrüßt wurden die rund 200 Besucher durch den Kreisvorsitzenden der CSU, Thomas Kreuzer. Zu sechs Themenfeldern äußerten sich jeweils die zuständigen CSU-Stadträte. Zu Beginn wurden Fragebögen verteilt, auf denen die Besucher ihre Fragen niederschreiben konnten. Zugesichert wurde in jedem Fall eine Antwort, wenn nicht im Rahmen der Veranstaltung, dann hernach per E-Mail.

Mobiltät

„Wir wollten vermeiden in diesem Themenfeld von einer Baustelle zur nächsten zu springen und haben deshalb gemeinsam mit allen Verantwortlichen das Mobiltätskonzept 2030 aus der Taufe gehoben“, so CSU-Stadtrat Helmut Berchtold. 22.000 Fahrzeuge pendeln nach Kempten ein, 10.000 pendeln heraus. Um Angebote zum Umsteigen auf den ÖPNV zu schaffen, wurde unlängst die „mona JobCard“ ins Leben gerufen (der Kreisbote berichtete, die im günstigsten Fall zwölf Euro monatlich kostet. Ferner möchte Kiechle erreichen, dass zukünftig nicht der gesamte ÖPNV grundsätzlich über die ZUM läuft, sondern auch andere Knotenpunkte entstehen. Täglich gibt es 220 Busverbindungen von der ZUM zum Bahnhof, daher spricht sich Kiechle gegen eine Schienenverbindung aus. Zudem möchte er sukzessive die Elektromobiltät stärken indem neue Ladesäulen aufgestellt werden.

Wohnraum

Kempten wird noch 2017 die Einwohnerzahl von 70.000 erreichen. Da steht Wohnbau ganz oben auf der Agenda und Kiechle spricht vom „Bauen für die bürgerliche Mitte“. Rund 425 neue Mietwohnungen entstehen derzeit im Stadtgebiet, überwiegend mit Beteiligung der Sozialbau und der BSG-Allgäu. Bei der Vergabe von Bauland an junge Familien mit Eigenheimwunsch verweist der OB auf ein begrenztes Angebot. CSU-Stadtrat Erwin Hagenmaier aber versichert, dass Grundstücke auch direkt an Familien und nicht nur an Wohnungsbaugesellschaften vergeben werden. „Wir wollen die Bebauung in Kempten nicht in die Fläche ausweiten, sondern die Stadt baulich verdichten“, so OB Kiechle. Bei der geplanten Bebauung der Funkenwiese äußerte eine Besucherin Kritik über die mangelnde Mitnahme der Anwohner seitens der Stadt.

Wirtschaft

Kempten ist mit seinen 37.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen das wirtschaftliche Zentrum der Region. Kiechle möchte die Wirtschaftskraft Kemptens weiterhin stärken. Einen Schub in diese Richtung erwarten er und CSU-Stadtrat Harald Platz vom neuen digitalen Gründerzentrum, das für rund 7,3 Millionen Euro in der Immenstädter Straße entstehen wird. Zudem verspricht Kiechle eine flächendeckende Versorgung aller Haushalte mit Breitbandtechnik. „Anschluss zu halten an die Digitalisierung ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt.“ Die Erhöhung der Grundsteuer zu Beginn dieses Jahres verteidigt Kiechle: „Mit zehn Prozent Erhöhung liegen wir klar unter dem Durchschnitt der anderen 25 kreisfreien Städte im Freistaat.“ Für die Betreuung der 3900 ansässigen Betriebe und die Neuanwerbung von Unternehmen soll zusätzlich zum vorhandenen Amt für Wirtschaftsförderung eine ihm direkt unterstellte Stelle geschaffen werden.

Sport

Franz Mayr, Beauftragter des Stadtrates für Sport, betritt die Bühne und berichtet gemeinsam mit Kiechle über das Erreichte und Geplante. Das „Swoboda Alpin“ – Kemptens neue Kletterhalle des DAV wurde im Frühjahr fertiggestellt und ist laut der beiden Christsozialen schon jetzt ein Besuchermagnet weit über die Stadtgrenzen hinaus. Zukünftiges Highlight wird die moderne Dreifachturnhalle sein, die auf dem Freigelände des Hildegardis-Gymnasiums oder des Carl-von-Linde-Gymnasiums errichtet werden soll. Der Bau in unmittelbarer Nähe zur Schule ist nötig, um Fördermittel zu erhalten. Auch den Bau einer „Schnitzelgrube“ für die Turner verspricht Kemptens OB am Abend. Die Preise des Cambomare werden steigen und bei der Aufbereitung des Bachtelweihers hin zu einem Badesee konnte mit den Verantwortlichen kein Konsens erzielt werden.

Kultur

Silvia Rupp steht den Fragen von Moderator Fabian Geyer Rede und Antwort. Großes Thema ist die Fertigstellung des neuen Kemptener Heimatmuseums im Zumsteinhaus zum Ende nächsten Jahres. Hier erinnert OB Kiechle noch an die Möglichkeit der Bürger Kemptens, sich mit eigenen Ideen bei der Ausgestaltung des neuen Museums zur Stadtgeschichte einzubringen. Des weiteren berichtet Rupp vom geplanten Projekt des Theaters in Kempten im kommenden Jahr, bekannte Märchenstücke auf der Bühne der Burghalde aufzuführen.

Schulen

CSU-Stadtrat Andreas Kibler spricht über das Bemühen der Stadt, die flächendeckende Versorgung mit Kita-Plätzen zu verbessern und widmet sich, wie Kiechle, den Plänen zur Sanierung der ­Lindenbergschule. Noch steht nicht fest, ob es statt einer vermutlich sehr teuren Sanierung zu einem Abriss und einem etwaigen Neubau mit zeitgemäßer Architektur

kommt.

Jörg Spielberg

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