Kemptens Partnerstädte – Teil 4

Bad Dürkheim: Vom Wurstmarkt, der eigentlich das weltweit größte Weinfest ist

Ausgrabungen und Nachbau eines  römischen Weinguts in Bad Dürkheim.
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Ausgrabungen und Nachbau eines römischen Weinguts in Bad Dürkheim.

Kempten – Mit Quiberon in Frankreich, Trient in Italien, Bad Dürkheim in Deutschland, Sligo in Irland und Sopron in Ungarn hat Kempten fünf Partnerstädte, mit denen die „Allgäumetropole“ teilweise seit einem halben Jahrhundert eng verbunden ist. Im Freundschaftskreis Partnerstädte e.V. ist jeder Vertreter des Vorstands zeitgleich Ansprechpartner für eine der fünf Partnerstädte. Der Kreisbote Kempten hat sich mit Peter Würzle unterhalten, der Ansprechpartner für die deutsche Partnerstadt Bad Dürkheim ist.

Teil 1 der Serie über Kemptens Partnerstadt Quiberon findet sich hier.

Teil 2 über Kemptens Partnerstadt Sopron findet sich hier.

Teil 3 über Kemptens Partnerstadt Sligo findet sich hier.

Gleich zwei historische Meilensteine verbinden die einzige deutsch-deutsche-Städtepartnerschaft Kemptens mit Bad Dürkheim und beide feiern dieses Jahr Jubiläum. Bereits seit 70 Jahren besteht eine Weinpatenschaft zwischen den Städten, vor 20 Jahren folgte die offizielle Städtepartnerschaft. „Die ursprüngliche Idee der Weinpatenschaft wurde durch den Verein der Pfalzfreunde im Allgäu angeregt und hatte einen wirtschaftlichen Hintergrund. Ziel war, den Bad Dürkheimer Wein auf der Allgäuer Festwoche zu vermarkten und umgekehrt Käse und Bier aus Kempten und dem Allgäu auf dem Wurstmarkt in Bad Dürkheim“, weiß Peter Würzle, seit 2012 Ansprechpartner für die 342 Kilometer von Kempten entfernt gelegene Stadt in Rheinland-Pfalz.

Der im September stattfindende Dürkheimer Wurstmarkt gilt mit jährlich 600.000 Besuchern als das größte Weinfest der Welt mit über 600-jähriger Tradition. Da, neben Wein, besonders viel Wurst konsumiert wird, hat sich vom Jahr 1832 an bis heute der Name des Wurstmarktes etabliert. „Es werden nur Weine eines bestimmten Jahrgangs und eine zuvor festgelegte Menge ausgeschenkt. Das nimmt die Stadt sehr ernst. Versuchen Winzer zu tricksen, gibt es auch mal einen auf den Deckel“, erzählt Würzle lachend, der 2018 selbst mit der offiziellen Delegation Kemptens den Wurstmarkt besucht hat. „Seit 2000 hat Kempten einen eigenen Patenweinberg in Bad Dürkheim, der von der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten bewirtschaftet wird. Jedes Jahr auf der Allgäuer Festwoche wird der neue Patenwein, ein Riesling, von den Bad Dürkheimer Gästen vorgestellt. Die Stadt Kempten schenkt diesen nur zu besonderen Anlässen aus. Der Weinbau hat in der Stadt an der Deutschen Weinstraße eine lange Vergangenheit. Wie Kempten, hat Bad Dürkheim römische Wurzeln. Ein Weingut der Römer, das 350 nach Christus zerstört worden ist, wurde wieder freigelegt, zum Teil nachgebaut und kann heutzutage besichtigt werden. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert wurde Dürkheim zur Residenzstadt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte die Stadt den Zusatz „Bad“. „Damals wurde festgestellt, dass der Gradierbau, der eigentlich der Salzgewinnung diente, durch das salzhalti- ge Solewasser zu einer sehr guten Umgebungsluft bei Atemwegserkrankungen führte“, erklärt Würzle. Das Gradierhaus wurde nach zwei Bränden in den Jahren 2007 und 2012 aufgrund seiner geschichtsträchtigen Bedeutung für die Stadt wieder aufgebaut. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist das Dürkheimer Riesenfass, in dessen Innerem jedoch kein Wein lagert, sondern ein Restaurant betrieben wird.

Seit seinem Engagement beim Freundschaftskreis haben sich zwischen Würzle und einigen Bad Dürkheimern enge Freundschaften entwickelt. „Erst letztes Jahr waren wir während des Weinbergleuchtens zu Besuch und übernachteten bei Freunden. Ich schätze die gesellige Lebensart der Dürkheimer sehr. Nur der Pfälzer Schoppen, der dort nicht aus einem Viertel, sondern einem halben Liter besteht, ist für die Bayern, die eher Bier gewohnt sind, etwas gewöhnungsbedürftig“, meint Würzle und lacht.

Neben der Feuerwehr und einigen Blaskapellen und Chören, haben die Lebenshilfen der beiden Städte Kontakt zueinander.

Weitere Informationen über die Partnerstädte und den Freundschaftskreis sind unter www. freundschaftskreis-partnerstaedte-kempten.de undwww.partnerstadt-kempten.eu abrufbar.

Dominik Baum

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