Kemptens Partnerstädte – Teil 5

Trient: Von Floßrennen, Quietscheenten und Kemptens Stadträten in mittelalterlichem Gewand

Ein Floß auf dem Fluss Etsch in Südtirol während des Floßrennens der Stadt Trient, Palio dell‘Oca, mit vier Männern in Kostümen aus dem Mittelalter, die versuchen, einer großen künstlichen Gans einen Ring um den Hals zu legen
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Das berühmte Floßrennen Palio dell’Oca, der Wettkampf um die Gans, in Trient.

Frankreich, Trient in Italien, Bad Dürkheim in Deutschland, Sligo in Irland und Sopron in Ungarn hat Kempten fünf Partnerstädte, mit denen die „Allgäumetropole“ teilweise seit einem halben Jahrhundert eng verbunden ist. Im Freundschaftskreis Partnerstädte e.V. ist jeder Vertreter des Vorstands zeitgleich Ansprechpartner für eine der fünf Partnerstädte. Der Kreisbote Kempten hat sich mit Marion Haase unterhalten, die Ansprechpartnerin für die italienische Partnerstadt Trient ist.

Teil 1 der Serie über Kemptens Partnerstadt Quiberon findet sich hier.

Teil 2 über Kemptens Partnerstadt Sopron findet sich hier.

Teil 3 über Kemptens Partnerstadt Sligo findet sich hier.

Teil 4 über Kemptens Partnerstadt Bad Dürkheim findet sich hier.

Als größtes Zentrum nördlich der Alpen sowie größte Stadt auf der Südseite des Gebirgszugs haben Kempten und Trient 1987 ihre Partnerschaft begründet. Bereits eine Dekade zuvor hat über die Kemptener Sektion der International Police Association und der Trienter Stadtpolizei eine erste Annäherung der beiden Städte stattgefunden. Mit einer Distanz von rund 320 Kilometern Entfernung ist es die geografisch nächste Partnerstadt Kemptens, die bei guter Verkehrslage in vier Stunden mit dem Auto zu erreichen ist.

„Ein Grund für die Partnerschaft sind die vielen Gemeinsamkeiten der Partnerstädte“, erzählt Marion Haase, die selbst Italienisch spricht und seit zehn Jahren im Freundschaftskreis Ansprechpartnerin für das 118.000 Einwohner zählende Trient ist. Beide Städte sind römischen Ursprungs und liegen auf der Via Claudia Augusta, einer der wichtigsten Römerstraßen, die eine Verbindung zwischen Norditalien und Süddeutschland herstellte.

„Während in der Altstadt von Trient die prächtig bemalten Palazzi der Adligen, beispielsweise das Fuggerhaus, bewundert werden können, haben wir in Kempten die Patrizierhäuser am Rathausplatz und in der Kronenstraße“, erklärt Haase. Trient ist mit 16.000 Studierenden Universitätsstadt, Kempten mit über 6000 Studierenden Hochschulstadt.

„Außerdem lebt die Hauptstadt der autonomen Region Trentino-Südtirol ähnlich vom Tourismus wie Kempten und das Allgäu. Vom Monte Bondone, dem Hausberg der Stadt, kann der Ausblick auf Trient, die Dolomiten und das Etschtal genossen werden. Zudem liegt der nördliche Teil des Gardasees nur 30 Kilometer entfernt“, so Haase.

Jedes Jahr wird Ende Juni mit dem „Feste Vigiliane“ ein großes Fest zu Ehren von Bischof Vigilius, dem Schutzpatron der Stadt, veranstaltet. Für eine Woche wird die Stadt mittelalterlich gestaltet, die Bewohner kostümieren sich und führen an Ständen die damaligen Handwerke vor. „Seit 1984 findet das berühmte Spektakel Palio dell’Oca, der Wettkampf um die Gans, auf der Etsch statt. Über 60 Teams bauen hierzu ihr eigenes Floß und müssen bestimmte Aufgaben auf dem Fluss erfüllen, beispielsweise Quietscheenten in einen Basketballkorb werfen und einer riesigen, weißen Gans einen Ring um den Hals werfen. Auch hierbei schlüpfen alle Teilnehmer in eine mittelalterliche Kluft“, erklärt Haase und ergänzt: „Floß Nummer 31 ist jedes Jahr für Kempten reserviert. Teams haben unter anderem schon die Lehrkräfte der Robert-Schuman-Mittelschule, die Stadträte Kemptens und die Ringer vom SV 29 gestellt.“

Neben der Teilnahme am Floßrennen sei der Austausch zwischen den beiden Städten vielfältig. Die Stadtkapelle Kempten habe in der Vergangenheit Konzerte auf dem Domplatz von Trient gegeben, an den Jugendtheatertagen in Kempten nehme seit vielen Jahren eine Theatergruppe aus Trient teil und die Künstlergruppe La Cerchia stelle jährlich ihre Werke in Kempten aus. „Auch die Polizisten besuchen sich nach wie vor gegenseitig in ihren Städten und Schulen bieten einen Schüleraustausch an, zum Beispiel die Robert-Schuman-Schule und das Hildegardis-Gymnasium.“

Marion Haase hat Trient schon über 50 Mal besucht und zahlreiche Freundschaften geschlossen. Privat bei Freunden übernachtet habe sie jedoch noch nie. „Da sind die Italiener anders als wir. Sie wollen so oft wie möglich draußen sitzen und treffen sich lieber in Cafés, Bars und Restaurants als jemanden zu sich nach Hause oder gar zum Übernachten einzuladen.“ Draußen zu sitzen, genieße auch Haase, gerne in Trients Altstadt mit den kleinen, individuellen Lokalen. „Große Geschäftsketten sind dort nicht zu sehen.“

Weitere Informationen über die Partnerstädte und den Freundschaftskreis sind unter www.freundschaftskreis-partnerstaedte-kempten.de und www.partnerstadt-kempten.eu abrufbar.

Dominik Baum

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