Wilhelm Vachenauer blickt mit neuen Schwerpunkten auf die Historie

Kemptens Stadtgeschichte

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Wilhelm Vachenauer und OB Thomas Kiechle bei der Buchpräsentation.

Kempten – „Kempten – Eine Zeitreise durch die Geschichte der Stadt“ heißt ein neues Buch, in dem der Kemptener Wilhelm Vachenauer Interessierten einen umfassenden Überblick über die Stadtgeschichte vom Beginn der Besiedelung bis zur Gegenwart ermöglicht.

Als Wirtschafts- und Sozialgeschichtler wirft er einen speziellen Blick auf die Stadtgeschichte. Übersichtlich gegliedert finden sich am Anfang jeder Epoche zunächst die wesentlichen historischen Abläufe, administrative Vorgänge und die Bevölkerungsentwicklung, gefolgt von den einzelnen Wirtschaftssektoren: der „Primäre Sektor“ Landwirtschaft, der „Sekundäre Sektor“ Gewerbe und Industrie und schließlich der „Tertiäre Sektor“ mit privaten und öffentlichen Dienstleistungen, zu denen unter anderem auch städtische Infrastruktur von der Entwicklung der Post oder Banken bis zum Eisenbahnverkehr, Sozial- und Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen, öffentliche Ordnung oder kirchliches Leben zählen. Eine der Besonderheiten ist die Geschichte der Omnibus-Unternehmen, „die noch nie dargestellt wurde“, wie der Dipl. Handelslehrer bei der Vorstellung seines Buches Anfang der Woche im Kemptener Rathaus meinte. OB Thomas Kiechle zeigte sich beeindruckt von dem „sehr fundierten“, detailreichen und in einer neuen Form vorliegenden Geschichtsbuch.

Ein besonderes Interesse Vachenauers gilt der Kemptener Zunftgeschichte. Denn nicht nur für Geschichte an sich hat er sich nach eigenem Bekunden „schon immer interessiert, sondern auch dafür, „wie eigentlich die frühzeitliche Bildung in der Stadtgeschichte organisiert war“. So sei Lehrzeit bis Gesellenzeit ebenso genau beschrieben wie „was ein Meister wissen muss, um sich Meister nennen zu dürfen“.

Den „Spuren aus grauer Vorzeit“ folgt das römische Cambodunum als Vorgänger Kemptens. In einem weiteren Kapitel nimmt Vachenauer die „Entstehung des neuen Kempten“, seine Befreiung vom Stift, das Münzrecht, die wirtschaftliche Entwicklung bis zum Brandschutz oder auch die Gerichtsbarkeiten ins Visier. Unter „Kempten in der Neuzeit“ stehen Bauernkrieg sowie der „Große Kauf“ durch den damaligen Bürgermeister Gordian Seuter anno 1525 im Fokus, durch den der Fürstabt seinen noch verbliebenen Einfluss in der Reichsstadt verlor.Im Kapitel zur „Reformation in der Reichsstadt“ sind es neben dem religiösen Gezerre erneut wirtschaftliche sowie städtische Entwicklungen, darunter auch die „Anfänge des Theaterlebens“, die der Autor beleuchtet. Es folgen die, laut Vachenauer, „schreckliche Epoche“ des 30-jährigen Krieges, die Zeit „Zwischen Spanischem Erbfolgekrieg und Französischen Revolutionskriegen“ und schließlich die Säkularisierung, die das vereinigte Kempten hervorbrachte.

In einem umfangreichen Teil wirft der Autor einen Blick auf Kempten während der Industrialisierung, dem 1. Weltkrieg sowie der Weimarer Zeit und führt die Leser schließlich in das Kempten des Nationalsozialismus mit Rüstungsbetrieben, Zwangsarbeitern, dem KZ Kottern-Weidach oder auch der Bombenangriffe Amerikanischer Flieger. Nach Kriegsende dann der Wiederaufbau, mit einem „massiven Wohnbauprogramm“ sowie dem Bau von Schulen, denn, so Vachenauer bei der Buchvorstellung, auch „10.000 Flüchtlinge aus den Ostgebieten hätten untergebracht werden müssen.“ Im Kapitel über „Kempten nach dem 2. Weltkrieg hat der 2013 in den Ruhestand verabschiedete Lehrer und Fachbetreuer unter anderem die Wirtschaft der Stadt genauer seziert und in einzelnen Sparten beleuchtet.

Zweieinhalb Jahre hat Vachenauer an der reich bebilderten, 352 Seiten starken Zeitreise durch die Stadtgeschichte gearbeitet und im Eigenverlag 750 Exemplare aufgelegt. Zu haben ist Vachenauers Buch in den Kemptener Buchhandlungen.

Christine Tröger

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