Konstanten und Novitäten

Das Kulturjahr 2018 ist prall gefüllt

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Das „Gesicht“ des diesjährigen Kulturprogramms der Stadt unter dem Motto „Stadtansichten“.

Kempten – StadtAnSichTen. So hat das Kulturamt sein Programm des Kulturjahres 2018 in Kempten überschrieben. Schließlich steht heuer die Vereinigung des einst in Reichs- und Stiftsstadt geteilten Kempten vor 200 Jahren bei zahlreichen Veranstaltungen im Mittelpunkt.

So auch im Programm des Kulturamts, das die Stadt unter den verschiedensten Blickwinkeln und Perspektiven zeigen will.

Um das Jahresmotto auch optisch zum Ausdruck zu bringen, wurden die farblich jeweils einem der Kemptener Museen zugeordneten Würfel weiterentwickelt zu einem „Gesicht“, das die kunterbunte Vielfalt der „Stadtansichten“ repräsentiert.

200 Jahre vereintes Kempten

„Vereint – aber auch glücklich?“ heißt eine Ausstellung im Foyer des Rathauses (2.3. bis 11.5.), die sich mit dem schwierigen Vereinigungsprozess der geteilten Stadt befasst. Ein Datum, das man sich auf jeden Fall schon einmal merken sollte“, ist laut Kulturreferent Dr. Richard Schießl der 29. September, an dem abends zwei Aufführungen einer „spektakulären“ Videomapping-Show zur Geschichte der Stadt Kempten auf der Fassade der Residenz zu sehen sein wird – „sicher eines der Highlights“.

Im Herbst gibt es dann auch einen Abschied zu feiern: Es ist die letzte Saison des Allgäu Museums, das mit einem zweitägigen Abschiedsfest im November (3./4.11.) seine Pforten für immer schließen wird. Zuvor werden aber auch dort 200 Jahre Vereinigung zelebriert, unter anderem mit der Ausstellung „Ansichtssache – 200 Jahre Malerei in Kempten“, der Freunde Kemptener Museen (fkm) im Börsensaal sowie, gespickt mit einem dicken Begleitprogramm die Ausstellung „He, Fräulien!“ zur Frauengeschichte.

Alpinmuseum – nun ganzjährig geöffnet

Neben Konstanten wie der Festwochen-Kunstausstellung (11.8. bis 30.9.), die nach der Vernissage im Hofgartensaal wieder im großen Saal des Alpin Museums stattfinden soll, ist eine Fortsetzung der letztjährigen Ausstellung „Frau. Land. Flucht“ geplant. In der Erweiterung „Mensch. Land. Flucht“ mit Fotografien von Kees van Surksum und Video-Interviews von Veronika Dünßer-Yagci werden nicht mehr nur Frauen zum Thema Migration gezeigt.

Ab 1. März öffnet „Leuchtendes Mittelalter – von Heiligen, Handwerkern und Altären“ erneut für eine weitere Saison. Und auch für eine Fortsetzung der Stadtexpedition, die die Kemptener schon seit geraumer Zeit am Entstehen des neuen Stadtmuseums im Zumsteinhaus teilnehmen lässt, gibt es, diesmal in Form der Mitmachausstellung „Kempten macht Museum“ vom 11. März bis 8. Juni. „Spannend“ findet Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn dabei, dass „die Bevölkerung wieder mitmachen kann und Spuren in der Ausstellung hinterlassen“ soll. 

In einem Ranking, für das Besucher ihre Stimme abgeben können, werden zudem potentielle Exponate für die Erstbestückung des Zumsteinhauses gewählt. Die Gestaltung der gesamten Ausstellung inklusive quietschgelbem (entsprechend der „Würfel“-Farbe für das Zumsteinhaus) Plakat haben laut Müller-Horn zwei Studentinnen der Hochschule Augsburg als Bachelor-Arbeit geliefert. 

Angereichert wird die Ausstellung durch eine Podiumsdiskussion (24.4.) für die internationale ReferentInnen angefragt seien, „die Erfahrung mit partizipativen Museen haben“, um mit ihnen darüber zu diskutieren, ob eine Bürgerbeteiligung bei Museen etwas Fruchtbares ist; weiter durch eine Denkrunde zum Thema „Heimat. Eine Spurensuche“; einen Soundcollagen-Workshop „Wie klingt Kempten?“ (27. Und 28.03.) für Jugendliche sowie einen Duft-Workshop „Wie riecht Kempten?“ (16. Und 17.03.) für Erwachsene, deren Ergebnisse in die Ausstellung im Zumsteinhaus einfließen sollen.

Kunsthalle

„Die Kunsthalle etabliert sich langsam als ein vollwertiges Ausstellungshaus“, sagt Müller-Horn. Und die zahlreichen Veranstaltungen dort zeigen eine gute Auslastung. Deshalb versuche man sich auch weiter zu „professionalisieren“. Eine Konsequenz daraus: Für Ausstellungen werden künftig drei Euro Eintritt verlangt, Kinder bis zehn Jahre sind frei. Werden die Räume angemietet, liege die Entscheidung allerdings beim „Einmieter“. 

Unter den Ausstellungen des Kulturamts soll lediglich die der letztjährigen Kunstpreisträgerin Kathrin Ganser (10.08.-09.09.) ausgenommen bleiben, da sie parallel zur Festwochen-Kunstausstellung laufe, die keinen Eintritt koste. Man erhoffe sich, so Müller-Horn, „gute Synergie-Effekte“.

Auch an der Kunsthalle geht das 200ste Stadtjubiläum nicht spurlos vorbei. In einer Art Gegenausstellung zu der des fkm im Börsensaal beziehen Künstler wie Horst Heilmann, Angelika Bohm-Silberhorn, Reiner Metzger, Guido Weggenmann u.a. „zehn moderne Positionen aus den letzten 20 Jahren, die ungewöhnliche Blickwinkel auf die Stadt Kempten werfen“. Es sei ein „best of der zeitgenössischen Kunst in Kempten“, warb Müller-Horn. 

80 Einreichungen, aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch Großbritannien, habe es diesmal für die Stipendiatenausstellungen gegeben. Ausgewählt wurden Julia Frankenberg (31.5.-24.6.), die auf Assemblagen spezialisiert ist und die Kusnthalle in ein Atelier umfunktionieren will; Jan-Hendrik Pelz (21.9.-21.10.) stellt seinen Urgroßvater, der selbst ebenfalls Künstler war, in den Mittelpunkt; Jens Gantz-Volbach (27.20.-25.11.), der laut Müller-Horn „einzige Bewerber, der ohne Diskussion genommen wurde“, hat moderne Open-World-Videospiele zum Thema; und schließlich ist die 2017 mit dem Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu ausgezeichnete Julia Miorin mit ihren „Instrumentarien“ von 8.-22. Dezember zu sehen.

Unter vielem anderen zeigt außerdem der Berufsverband Bildender Künsler (BBK) Allgäu/Schwaben-Süd (neben seiner Jahresausstellung vom 24.11. -9.12. im Hofgartensaal) in „CAMBO ARTE, urbane Visionen – Skizzen für eine Stadt“ (30.6. – 15.7.) seine Verbundenheit zur Stadt Kempten.

Nicht zu vergessen: die Römer

Von 13. Mai, dem Internationalen Museumstag, bis 28. September können Interessierte öffentliche Schaugrabungen im Archäologischen Park Cambodunum (APC) beobachten, „angereichert mit Vermittlungsinhalten“, wie APC-Projektleiterin Dr. Maike Sieler anmerkte. Anknüpfend an „den Erfolg von 2016“ wird beim Fest CAMBODVNVM wieder kräftig mit den Römern gefeiert (4./5. August), Gladiatorenkämpfe, Römertheater, Markttreiben u.v.m. inklusive. 

Neu im Programm sind zwei Vorträge zur Antike, rund um die Römer, allerdings im Alpin-Museum. Am 22. März geht es im Vortrag von Marcus Becker „sehr unterhaltsam“ um Antike Welten im Film von 1896 bis heute und am 17. Mai klärt Dr. des. Simon Trixl M.A. in „Von kleinen Kühen und kranken Ochsen“ über Fragen rund um den Speiseplan oder auch die Tierhaltung der Römer auf. Nicht gerade römisch, aber dafür im APC ist das APC Sommer-Festival (19.-22. Juli) in Kooperation mit dem Kleinkunstverein Klecks.

Noch was?

Und auch wenn es mit der Eröffnung des Stadtmuseums noch nichts wird in 2018, wie ursprünglich angedacht. Zumindest das Gebäude soll Ende des Jahres eröffnet werden, das Museum dann Mitte 2019.

Christine Tröger

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