Lohnende Entdeckungstour

Die Keramikfiguren von Gisela Engelmayer laden mit feinsinnigem Witz und Charme ein, entdeckt zu werden

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Ein Fischschwarm, der sich lieber im Gartengrün als im Aquarium tummelt.

Kempten – Farbenfroh sind die Keramiken von Gisela Engelmayer ja immer. Aber diesmal hat die dem Farbreigen nochmals eins draufgesetzt.

In ihrer heute, Samstag, 29. Juni, ab 11 Uhr startenden Werkstattausstellung tummeln sich nach Farbkombinationen gruppiert u.a. Vögel, Fische, Schutzgeister, Vierbeiner, Fantasietiere und -pflanzen, Türme, Figuren, Skulpturen, Keramik-Wandbilder und -geschirr in allen bunten Farben. Dass die Endsiebzigerin noch in die ‚Geschirrproduktion‘ eingestiegen ist, geht auf das Konto ihres Neffen Tobi, der welches für seinen Haushalt gebraucht und sie damit beauftragt hatte. Es kam so gut an, dass sich nun unterschiedlich geformte Tassen, Schalen Tellerchen & Co. zu den kleinen wie großen Keramik-Kunstwerken gesellen.

Zwar steht der Brennofen der Keramikmeisterin, deren diverse Fortbildungen im In- und europäischen Ausland sowie Studienaufenthalte in Mexiko, Peru, Australien und den USA sich in ihren Werken wiederfinden, nur selten still; für ihre aktuelle Werkstattausstellung habe sie seit rund „vier Monaten wie vollberuflich gearbeitet“, wie sie sagt. Einen Schwerpunkt bilden heuer kunterbunte Türmchen und Türme in unterschiedlichster Gestalt, die ihre Existenz einem eigentlich banalen Grund verdanken: den vielen Röhren, die bei Engelmayer herumlagen und sie wie eine treibende Kraft zum „Umbauen“ inspirierten.

Sehr zufrieden ist sie mit dem Verlauf eines Experiments mit Kobaltoxid. Damit hat sie eine in Blautönen gehaltene Keramik-Tierserie eingerieben und es anschließend wieder weggeputzt. „Aber es bleibt etwas davon hängen und verändert alle Farben“, erklärt sie begeistert vom Ergebnis. Besonders hat es ihr hier eine Gruppe Fische angetan – nicht nur wegen der neuen Farbnuancen. „Die gefallen mir total gut“, weil sie auf ihrem blankgeputzten „Glasboden aussehen, als würden sie in sauberem Wasser schwimmen“ und nicht in verschmutztem, worüber man ständig zu hören bekomme.

Zu entdecken gibt es im Haus wie im Garten an allen Ecken reichlich. Dort tummelt sich eine Gruppe Fische im hohen Schilfgras – statt klarblaues Wasser gibt ein klarblauer Himmel (an diesem Tag) den Rahmen; nicht weit entfernt besetzt eine rotweiße Vogelschar spielerisch ein paar ‚Hoinzen‘ und fügen sich geradezu perfekt in die benachbarte Gruppe (echter!) roter Mohnblumen; auf Säulen thronen archaisch anmutende, oben offene Köpfe, aus denen eine frisch gepflanzte Blütenpracht quillt; Keramikblumen umrahmen ihre bunten Köpfe mit im Garten ganz echt festgewachsenen Buschwerk; eine sympathisch-freche Rattenschar treibt allerhand Schabernack.

Und auch wenn es mit der Werkstattausstellung von Gisela Engelmayer eigentlich so gar nichts zu tun hat, einen tieferen Blick ist es allemal wert: Über einem zweistöckigen Podest mit Besuchern und Tellern schmückt ein mit Farbstiften gemaltes, recht großes Bild ihres Enkels Oliver die Wand; es zeigt eine akribisch-detaillierte Landschaft mit Stadt von oben – ein Wimmelbild der besonderen Art.

Eine Woche lang, bis Sonntag, 7. Juli, zeigt Gisela Engelmayer ihr vielgestaltiges Schaffen aus hochgebranntem Steinzeug für Haus und Garten. Start der Werkstattausstellung in der Ravensburger Straße 13 (Kempten-Stiftallmey) ist am Samstag, 29. Juni, von 11 bis 18 Uhr.

Besichtigt werden kann die Werkstattausstellung 2019 an den Samstagen und Sonntagen von 11 bis 18 Uhr, Montag bis Freitag von 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Tel.: 0831/5701803). Der Eintritt ist frei. Infos auch im Internet unter www.keramik-engelmayer.de.

Christine Tröger

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