Geiger hält an Plänen fest

Kiesgrube Pfaffenhofen: Gemeinderat Haldenwang kann das Vorhaben nicht stoppen

Kiesgrube Pfaffenhofen Grundstück Haldenwang
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Kiesgrube Pfaffenhofen: Die neue Kiesgrube soll rechterhand der Verbindungsstraße von Probstried Richtung Untrasried/Obergünzburg entstehen, hinter dem kleinen Wiesenhügel.
  • VonSabine Stodal
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Haldenwang – Trotz Gegenwind hält das Unternehmen Geiger an den Plänen für eine neue Kiesgrube im Haldenwanger Ortsteil Pfaffenhofen fest. Die Gemeinde ist machtlos.

Trotz der Gegenwehr dreier angrenzender Gemeinden und 3.000 von einer Bürgerinitiative gesammelten Unterschriften hält das Unternehmen Geiger an seinen Plänen fest, auf einem fünf Hektar großen Gelände im Haldenwanger Ortsteil Pfaffenhofen eine neue Kiesgrube aufzutun. In der jüngsten Sitzung des Haldenwanger Gemeinderates machte Bürgermeister Josef Wölfle klar: „Wir können das Vorhaben nicht aufhalten.“

Das Thema beschäftigt die Haldenwanger schon seit Mitte 2019, als erste Gerüchte über die Planung von besorgten Anwohnern an die Gemeinde herangetragen wurden. Geiger bestätigte damals die Überlegungen, ein Bauantrag lag jedoch noch nicht vor. Dennoch signalisierte die Gemeinde Haldenwang sowie die Nachbargemeinden Dietmannsried und Untrasried umgehend ihre Vorbehalte bzw. ihre klare Ablehnung gegen das Projekt. In Probstried und Pfaffenhofen formierte sich die Bürgerinitiative (BI) „Nein zur Kiesgrube Pfaffenhofen“.

Bürgerinitiative (BI) „Nein zur Kiesgrube Pfaffenhofen“.

Deren Mitglieder sind unter anderem besorgt über das zu erwartende zusätzliche Aufkommen an Schwerlastverkehr und die Mehrbelastung mit Staub, Lärm und Abgasen sowohl für die unmittelbaren Anrainer als auch für die Anwohner entlang der ableitenden – teils engen – Durchgangsstraßen durch Probstried, Seebach, Haldenwang und Untrasried. Entlang der A7 gebe es mehrere Kiesgruben, zum Teil desselben Unternehmens, die über eine sehr viel bessere Verkehrsanbindung verfügen und noch jahrzehntelang genutzt werden könnten, so die BI.

Zudem sei ein generelles Umdenken in Richtung ressourcenschonenden Baustoffrecyclings wünschenswert. Bis dato sammelte die BI rund 3.000 Unterschriften gegen das Projekt, die am 27. Mai an Landrätin Indra Baier-Müller übergeben werden sollen.

Geiger hat Bauantrag gestellt

Zwar gab es im Lauf der Zeit (zuletzt am 27. April) mehrere Treffen zwischen Geiger und den Bürgermeistern der Gemeinden Haldenwang, Dietmannsried und Untrasried, bei denen zum Teil auch Mitglieder der BI anwesend waren und bei denen die massiven Bedenken thematisiert wurden, trotzdem hat das Unternehmen mittlerweile den Bauantrag, für den das Wasserecht gilt, beim Landratsamt eingereicht. Dieser liegt nun auch der Gemeinde vor. Josef Wölfle fasste einige der zentralen Punkte des 200 Seiten umfassenden Dokuments zusammen:

Kiesgrube Pfaffenhofen: Das ist geplant

Auf einer Fläche von fünf Hektar am östlichen Ortsausgang von Pfaffenhofen, in Sichtweite zur Staatsstraße 2377 zwischen Probstried und Untrasried, sollen in drei Abschnitten 356.000 Kubikmeter Kies bis in eine Tiefe von acht bis maximal 13 Metern abgebaut werden. Dabei sollen Radlader, Bagger und Raupe, eine Siebanalage sowie – an maximal zehn Tagen pro Jahr – eine mobile Brechanalage zum Einsatz kommen. Die Betriebszeiten ist von 6 bis 22 Uhr beantragt.

Witterungsbedingt soll der Abbau voraussichtlich jeweils von Mitte März bis Ende November erfolgen. Als gesamte Abbaudauer sind zehn bis 15 Jahre anvisiert, mit der Option, dass nachträgliche „Anpassungen der Laufzeit aufgrund unabsehbarer Marktbedingungen“ möglich sein sollen.

75.000 Kubikmeter Mutterboden sollen gelagert und später zusammen mit zusätzlichen 24.000 Kubikmetern unbelasteten Materials wieder verfüllt werden. Dabei ist geplant, jeden Abschnitt nach abgeschlossenem Abbau sofort wieder zu verfüllen, ehe der Abbau im nächsten Abschnitt beginnt. Der Zufahrtsweg für die erwarteten ca. 40 Lkw pro Tag soll entlang des östlich angrenzenden Waldstückes verlaufen.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit soll von der Staatsstraße aus Richtung Untrasried kommend eine Linksabbiegerspur eingerichtet werden. Dem Bauantrag liegen ein landschaftspflegerischer Begleitplan, ein artenschutzrechtliches Gutachten sowie ein Lärm- und ein Staubgutachten bei. Denen zufolge werden in allen Bereichen alle Grenzwerte eingehalten oder sogar unterschritten.

Kiesgrube Pfaffenhofen: Gemeinderat von den Plänen entsetzt

Sowohl die rund 20 Zuhörenden als auch einige Gemeinderatsmitglieder zeigten sich von den Plänen – und der Ohnmacht der Gemeinde, diese zu verhindern – entsetzt. „Wir können die Pläne nicht verhindern“, betonte Rathauschef Wölfle. „Wir können lediglich als Träger öffentlicher Belange unsere Bedenken äußern und um eine möglichst verträgliche Nachjustierung bitten. In den Plänen sei „nichts enthalten, was ein K.-o.-Kriterium darstellen würde. Aber das zu beurteilen, ist ohnehin nicht unsere Sache, sondern Sache des Landratsamtes.“ Solange alle rechtlichen Voraussetzungen eingehalten werden, habe man auch dort keine Möglichkeit, die Genehmigung vorzuenthalten.

Grundstückseigentümer: „Kein Kommentar!“

Eine der wenigen Personen, die das Ganze möglicherweise noch stoppen könnten, sei der (ebenfalls in Pfaffenhofen wohnende) Grundstückseigentümer, erinnerte ein Gemeinderatsmitglied. „Er sitzt ja heute hier im Publikum. Vielleicht können wir ihn jetzt gleich fragen, ob er, nachdem er nun alle Bedenken und Sorgen gehört hat, noch immer an dem Vorhaben festhalten möchte.“ Die Antwort des derart unverhofft Angesprochenen: „Kein Kommentar!“

Die Gemeinde Haldenwang wird nun ihre Stellungnahme ans Landratsamt ausarbeiten. Die erbetenen Nachjustierungsbitten umfassen eine Einschränkung der Abbau-Uhrzeiten auf 7–18 Uhr, ein Tempolimit in Pfaffenhofen auf 50 km/h mit eventuell eigenem Tempolimit für den Schwerlastverkehr sowie ein Tempolimit durch Seebach. Geiger selbst soll für die Zeit nach Eingang aller Stellungnahmen ein weiteres Gespräch in Aussicht gestellt haben.

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