Produzentin Bernadette Schugg dreht in der Heimat

"Ein Traum erfüllt sich"

+
Versammelt zum Gruppenbild mit Schwan am Haldensee: (v.li.) Produzentin Bernadette Schugg mit Maxi Schafroth (Bademeister), Niklas Nißl (Wim), Jennifer Ulrich (Barbara Leitner), Regisseurin Jeanette Wagner und Michael Kranz (Bärbels Schwager).

Es ist nicht die erste Produktion innerhalb der Sonntagabend-Reihe im ZDF „Ein Sommer in...“, die Bernadette Schugg für den Mainzer Sender herstellt. Und doch ist die Folge diesmal für sie etwas Besonderes.

Denn nach Sommern unter anderem in Sizilien, den Masuren oder Schottland ist nun eine Folge im Allgäu verortet und ermöglicht der seit 20 Jahren als Produzentin (und seit 2011 auch alleinige Geschäftsführerin) bei der Münchner „Mooviepool GmbH“ Tätigen erstmals überhaupt Drehtage in der alten Heimat. 

Das Licht der Welt erblickte sie 1963 in Legau, wuchs in Kimratshofen als Tochter des 1994 verstorbenen Kunstmalers und Restaurators Joseph Schugg auf und besuchte das Allgäu-Gymnasium in Kempten, bevor es sie zum Studium der Theaterwissenschaften nach München und in die Welt von Theater und Film zog. „Ich hatte direkt nach dem Abitur „die Chance auf eine Regiehospitanz am Theater“, aber auch das Fernsehen habe sie als „immer reizvoll“ empfunden. So kamen nach dem Studienabschluss Stationen bei verschiedenen Sendern und später hat sie von der Redaktions- auf die Herstellerseite gewechselt.

„Für mich erfüllt sich ein Traum, hier produzieren zu dürfen, weil ich das Allgäu liebe und sonst fast nur im Ausland drehe“, bekennt Schugg im Gespräch mit dem Kreisboten in Haldensee (Tannheimer Tal) während der voraussichtlich noch bis 19. Juli dauernden Dreharbeiten rund um Oberjoch, Tegelberg und Schloss Neuschwanstein. Sie hat sich für die Folge im Allgäu starkgemacht und findet es „großartig“, dass das ZDF mitgezogen hat und „wir gemeinsam diesen Weg gegangen sind“. Im Sender habe man das Allgäu nämlich „gar nicht so gekannt“, aber nachdem sie davon immerzu geschwärmt habe, gab es schließlich tatsächlich den Produktionsauftrag zu „Ein Sommer im Allgäu“, worüber sie sich „wahnsinnig gefreut“ habe. Auf keinen Fall wollte sie hier „Heimatkitsch“ machen, sondern es sollte auf alle Fälle eine „besondere Geschichte, dennoch eingebettet in schöne Landschaft“ sein.

Als Inspiration dient nun die wahre Geschichte des Autors Wolfgang Limmer, der auch das Drehbuch geschrieben hat und laut Schugg unter anderem der „Erfinder“ von Serien wie „Pater Brown“ mit Otti Fischer oder „Die Straßen von Berlin“ ist. Mit Limmer arbeitet sie seit vielen Jahren immer wieder zusammen und auch bei ihm gibt es eine Affinität zum Allgäu: „Er hat in Steibis immer Golf gespielt.“ Nach einem Treppensturz vor drei Jahren ist er inkomplett Querschnittgelähmt und kämpfe sich seither zurück ins Leben, erzählt Schugg – ähnlich wie die Protagonistin in „Ein Sommer im Allgäu“:

Die berühmte Extremkletterin Bärbel Leitner (gespielt von Jennifer Ulrich) ist nach einem Unfall auf einer Tour mit ihrem Kletter- und Lebenspartner Jörg Hutter (Johannes Zirner) an den Rollstuhl gefesselt. Vor Jahren hatte Barbara das Allgäu verlassen, nun bringt Jörg sie zurück auf den elterlichen Hof im Allgäu, wo Mutter Irene (Michaela May), Vater Hans (Herbert Knaup) und Schwester Moni (Teresa Rizos) die Pflege der traumatisierten Bärbel übernehmen. Das Dorf hegt währenddessen Pläne, die prominente Sportlerin als Botschafterin eines barrierefreien Allgäus einzusetzen. Die Beziehung zu Jörg zerbricht, da begegnet sie Pirmin (Philipp Hochmair), ein aus New York zurückgekehrter Künstler, mit seinem Sohn Wim (Niklas Nißl), die sie wieder neugierig werden lassen auf das Leben. Auch der Allgäuer Kabarettist Maxi Schafroth hat eine kleine Rolle und ist als Bademeister für den komischen Moment im Melodram zuständig.

Ein Drehtag mit Bernadette Schugg

Für Schugg, die den Arbeitsaufenthalt im Allgäu sichtlich genießt, ist es auch insofern eine runde Sache, als sie angefangen beim Kameramann Enzo Brandner über Jeanette Wagner als Regisseurin und dem gesamten Cast bis in die kleinen Rollen ihr „Traumteam“ verpflichten konnte. Als „ersten Pflock“ war es ihr gelungen, den „Vorstadtweiber“-Star Philipp Hochmair ins Boot zu holen, der die Rolle des Künstlers Pirmin erfreulicherweise „sofort zugesagt“ habe.

Für Jennifer Ulrich ist es die erste Rolle in einem Rollstuhl und „eine totale Herausforderung“, wie sie sagt. Auf die Darstellung der inkomplett Querschnittgelähmten hat sie sich intensiv vorbereitet: Rollstuhltraining mit einem Physiotherapeuten und auch mit Samuel Koch, der seit seinem schweren Unfall bei „Wetten dass...?“ im Rollstuhl sitzt und mit dem sie befreundet ist, hat sie „geübt“. Alarmstufe rot gab es dann aber trotzdem kurzfristig am Set, als der eigentlich eingeplante Physiotherapeut für die Vor-Ort-Betreuung absagen musste. Wie der Zufall so spielt, konnte da der Kemptener Kreisbote vermittelnd weiterhelfen: Spontan erklärte sich Sven von „Fetzer & Pfund“ bereit, im Sauseschritt von Immenstadt zum Drehort Haldensee zu fahren und am Ende war nicht nur die Hauptdarstellerin von der professionellen Einweisung in die richtigen Bewegungsabläufe beeindruckt.

Es sei ein Film „über einen persönlichen Kampf“ und den Mut, seinen Weg zu gehen, ein Film über Hoffnungen, Sehnsüchte, Trennung, eine neue Liebe... Wichtig ist Schugg dabei, dass „niemand angeklagt“ werde. „Wenn die Lebenssituation sich verändert, verändern sich auch die Beziehungen.“ Die Hoffnung bei Schicksalsschlägen sei eben nicht konstant stark, sondern „verschnauft vielleicht manchmal ein bisschen“ – wie auch die Protagonistin in der Geschichte erfahren muss.

Es sind schräge Komödien und große Liebesgeschichten, die Schugg „faszinieren“. Daran möchte sie die Zuschauer teilhaben lassen. „Ich möchte bewegende Liebesfilme machen, möchte die Zuschauer rühren und sie zum Lachen wie zum Weinen bringen“, sagt sie leidenschaftlich. „Ich glaube an die Kraft der Liebe und das möchte ich mit meinen Filmen zum Ausdruck bringen.“ Vielleicht ist es ja ein gutes Omen, dass Hauptdarstellerin Ulrich in einer Drehpause ihr erstes vierblättriges Kleeblatt zu ihren Füßen entdeckte.

Ein Sendetermin für „Ein Sommer im Allgäu“ steht noch nicht fest.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Feiern verbindet
Feiern verbindet
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare