Kinder als Naturwissenschaftler

Netzwerkreferentin Nadja Fischer stellt die Aktion „Haus der kleinen Forscher“ im Kemptener Stadtjugendring vor. Foto: Kampfrath

Eine Gruppe Fünfjähriger stellt ein Glas in eine mit Wasser gefüllte Schüssel. Jedes Kind hat eine Pipette. Damit nehmen sie Wasser aus der Schüssel auf und geben es in das Glas. Als dieses fast voll ist, wechseln sie sich beim Pipettieren ab. Am Ende bildet sich über dem Glasrand durch die Oberflächenspannung ein wackeliger Wasserhügel. Solche Experimente sollen künftig zum Alltag an Kemptener Kindertagesstätten gehören.

Denn die Stadt Kempten ist seit Kurzem Koordinationspartner der Berliner Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Marion Haugg vom Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport hat als Koordinatorin die Aufgabe, das lokale Netzwerk aufzubauen. Am Montag vergangener Woche kamen viele Erzieherinnen und Erzieher zur Auftaktveranstaltung für das „Haus der kleinen Forscher“ im Seminarraum des Stadtjugendrings. Die Stiftung entstand im Jahr 2006. Je ein Vertreter der Siemens Stiftung, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Dietmar Hopp Stiftung und von McKinsey & Company setzten sich damals zusammen. Sie berieten darüber, wie man dem Fachkräftemangel im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich entgegenwirken könnte. Die vier Institutionen unterstützen auch heute noch die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Das Ganze startete mit 50 Kindertagesstätten in Berlin und Brandenburg. Derzeit nehmen bundesweit rund 17 000 Kitas am „Haus der kleinen Forscher“ teil. "Natürliche Interessen" 60 Mitarbeiter hat die Stiftung mittlerweile. Sie stellt den Kindergärten kostenlos die Arbeitsmaterialien für die Experimente zur Verfügung. Die Inhalte dafür entwickelt das Akademieteam der Geschäftsstelle in Berlin. Es schult auch die Trainer. Diese wiederum bieten Workshops vor Ort an, in denen die Erzieherinnen und Erzieher die Experimente erlernen. Die Trainer in Kempten sind Elvira Schmid, Schulsozialarbeiterin an der Gustav-Stresemann-Schule in Sankt Mang, und Jovo Kovacevic vom Amt für Jugendarbeit. Die beiden haben bereits mit der Basisschulung in der Berliner Geschäftsstelle begonnen. „Die Zukunft unserer Region hängt stark von befähigten jungen Leuten ab, die bereit sind, sich in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen zu engagieren“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) bei der Auftaktveranstaltung. Man könne nicht früh genug anfangen, Kinder und Jugendliche für eben diese Themen zu begeistern. „Kinder haben noch ein natürliches Interesse daran, ihre Welt zu erkunden und zu begreifen“, meinte Netzer. Die Partnerschaft mit dem „Haus der kleinen Forscher“ sei der richtige Weg, um dem pädagogischen Personal der Kitas das nötige Know-how für die Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens zu bieten. Die Netzwerkreferentin Nadja Fischer, die eigens aus Berlin gekommen war, stellte die Aktion genauer vor. „Die Experimente fördern die Basiskompetenzen der Kinder wie Feinmotorik und Lernkompetenz. Durch die positiven Erlebnisse gewinnen die Kinder an Selbstvertrauen“, erklärte die Juristin, die auch „Bildung und Erziehung im Kindesalter“ studierte. Die Zusammenarbeit in kleinen Gruppen steigere die Sozialkompetenz. „Bei den Experimenten geht es nicht darum, dem Kind eine Antwort zu geben, sondern es kommt mehr auf das Wie an.“ Interessantes Experiment Wichtigster Baustein seien die technischen und naturwissenschaftlichen Schulungen für Erzieherinnen und Erzieher. Der erste Workshop beschäftige sich mit dem Thema Wasser, der zweite mit dem Thema Luft. Die Kindertagesstätten bekämen die Kleine-Forscher-Box mit Arbeitsunterlagen und Karten zu den Experimenten. Einmal im Jahr gebe es den „Tag der kleinen Forscher“, so Nadja Fischer. „Dabei nehmen die Kinder das Thema Gesundheit aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Blickwinkeln wie der Biologie, Chemie, Physik oder Mathematik unter die Lupe“. Die Netzwerkreferentin ließ zwei Flaschen, die durch ein durchlässiges Zwischenstück miteinander verbunden waren, herumreichen. Eine Flasche war mit rot gefärbtem Wasser gefüllt. Dieses sollten die Zuhörer möglichst schnell in die andere Flasche befördern. Viele schafften es durch Drücken des Kunststoffes, doch es gab eine raschere Lösung. Nadja Fischer schwenkte die Flaschen, sodass ein Strudel entstand. Dabei entwich die Luft aus der einen in die andere Flasche. „Flaschentornado“ heißt dieses Experiment. Am Ende wurde es musikalisch. Auf allen Plätzen lagen Röhrchen verschiedener Längen, die durch Farben gekennzeichnet waren. Durch Klopfen des Rohrlochs auf die Handinnenfläche entstanden Töne. Die Referentin warf mit dem Beamer ein Bild vieler Punkte an die Wand, die die Farben der Röhrchen trugen. In einem bestimmten Rhythmus sollte nun jeder Zuhörer mit dem Rohrloch auf die Hand klopfen, wenn seine Farbe an der Reihe war. Dadurch erklang die Melodie von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, was alle sehr belustigte.

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