Hohe Anforderungen an Kindergartenpersonal

"Es hat sich viel verändert"

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Dem Kindergarten in Börwang geht angesichts massiv gestiegener Anforderungen der Platz aus.

Der Kindergarten als Einrichtung der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung hat sich im Lauf der vergangenen Jahre stark verändert. Das Bild von der „Tante“, die den Vormittag über mit den lieben Kleinen spielt, ist längst überholt.

An seiner Stelle stehen heute Frühförderung, therapeutische Maßnahmen und die Möglichkeit einer Ganztagesbetreuung. Die Leiterin des inklusiv arbeitenden Kindergartens St. Leonhard in Börwang, Claudia Fischer, berichtet stellvertretend für ihre Standeskolleginnen und –kollegen von den neuen Anforderungen, denen der Kinder- garten heute Rechnung zu tragen hat. „In den letzten zehn, 15 Jahren hat sich in den Kindergärten sehr viel verändert“, weiß Claudia Fischer. „Als wir vor 13 Jahren eröffnet haben, gab es hier zwei kleine Gruppen, die um 13.30 Uhr schlossen. Das Personal bestand aus vier festangestellten Erzieherinnen und einer Praktikantin.“ Heute besuchen 70 Kinder den dreigruppigen Ortsteilkindergarten und 19 Kinder die Krippe, die sich in einem benachbarten Gebäude befindet. Die Kinder werden dabei von insgesamt 15 Mitarbeiter(inne)n betreut. An drei Tagen besteht im Kindergarten die Möglichkeit einer Ganztagesbetreuung, das heißt, es gibt Mittagessen und eine Ruhezeit für die Kleinen. Bis zu 56 Kinder nutzen die Ganztagesbetreuung, im Schnitt sind es 35 bis 40, berichtet Kindergartenleiterin Claudia Fischer. Nicht nur die Anzahl der Kinder und die Dauer von deren Betreuung haben zugenommen, auch das Spektrum und die Intensität des Angebots haben sich massiv gewandelt. „Es gibt immer mehr Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Bei uns sind jeden Tag zusätzlich ein bis drei Therapeuten im Hause, wie beispielsweise ein Logopäde oder eine Heilpädagogin für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder.“ Aufgrund der veränderten Voraussetzungen ist die Zusammensetzung des Teams multi- professionell. Neben der Leiterin, drei Erzieherinnen und drei Kinderpflegerinnen sind auch eine Kindheitspädagogin mit Schwerpunkt im heilpädagogischen Bereich und ein Heilerziehungspfleger im Einsatz. „Wir sind mittlerweile mit einer Rei-he von Institutionen vernetzt, wie der Frühförderstelle, der Heilpädagogischen Ambulanz, Logopäden und Ergotherapeuten, der Psychologischen Beratungsstelle, dem Sozialpädiatri- schen Zentrum, dem Mobilen sonderpädagogischen Dienst, dem Gesundheitsamt, der Fachberatung der Caritas und einigen anderen mehr“, zählt Fischer auf. „Nach den Vorgaben des Kultus- und Sozialministeriums müssen wir seit diesem Jahr zudem einen Vorkurs Deutsch und Kooperationsstunden für Vorschulkinder gewährleisten.“ Für den Vorkurs kommt eine Lehrkraft der Grundschule stundenweise in den Kindergarten, um Einzel- oder Kleingruppenförderung für Kinder mit sprachlichen Defiziten anzubieten. Zusätzliche Kooperationsstunden sollen die Möglichkeit bieten, die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule zu verbessern und zu intensivieren.“ Um den Vorschulkindern einen besseren Übergang zur Schule zu ermöglichen, wurde ein umfangreiches Konzept entwickelt. So werden Hospitationen der Lehrer im Kindergarten und Besuche der Vorschulkinder in der Schule genauso auf dem Programm stehen, wie Patenschaften von Zweitklässlern oder eine „Lese- und Buchstabenwerkstatt“. Selbstverständlich nutzt auch das eigene Team Möglichkeiten zur Fortbildung, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. „Wir versuchen außerdem, im pädagogischen Alltag auf gesell- schaftliche Veränderungen wie die Zunahme von Alleinerziehenden und ‘Patchworkfamilien’ oder die kulturelle Vielfältigkeit zu reagieren.“ Abhilfe geschaffen Der Börwanger Tageseinrichtung geht angesichts dieses deutlichen Mehraufwands und des damit verbundenen Mehrbedarfs an Räumlichkeiten der Platz aus. „Unsere kleine Personalküche, in der gerade mal acht unserer elf Mitarbeiter Platz haben, dient derzeit gleichzeitig als Aufenthaltsraum, Bücherei, Küche und Besprechungszimmer.“ Was fehlt, sind Räumlichkeiten für Eltern- oder Mitarbeitergespräche, Elternbeirats- und Teamsitzungen, Therapiestunden, Einzel- förderung oder auch als Rück- zugsbereich für die Teammitglieder. „Wer sich den ganzen Tag mit 70 Kleinkindern beschäftigt, braucht ab und zu eine kleine Ruhepause“, betont Fischer, die im Hinblick auf den Fachkräftemangel eine nachhaltige Teampflege für unabdingbar hält. Im Falle Börwang konnte zügig für Abhilfe gesorgt werden. Die Einrichtung bekommt bis auf weiteres eine freiwerdende Zweizimmer-Mietwohnung im ersten Obergeschoss zugeschlagen. Die jährlichen Kosten in Höhe von rund 4500 Euro trägt die Gemeinde Haldenwang. Sabine Stodal

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