Brigitte Römpp ermöglicht Kindern aus Tschernobyl und Flüchtlingslagern eine Auszeit

Pause vom Horror

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Oleg Gelemej mit Brigitte Römpp und Bischof Stanislav Shyrokoradiuk. Die Vorsitzende des Vereins „Mdantsane e.V. – Kinderhife Südafrika. Kinder von Tschernobyl“ reist auch in diesem Jahr wieder nach Belarus und der Ukraine, denn „Ich will nicht einfach Geld schicken, sondern selbst sehen, was damit gemacht wird.“

Haldenwang/Fleschützen – Brigitte Römpp ist vielen Menschen ein Begriff. Nicht nur in ihrer Heimat Haldenwang, sondern auch in Südafrika und in der Ukraine. Hier setzt sich die 71-jährige ehemalige Lehrerin mit ihrem Verein „Mdantsane e.V. – Kinderhife Südafrika. Kinder von Tschernobyl“ seit fast zwei Jahrzehnten unermüdlich für die ärmsten Kinder ein.

Für 2016 plant der Verein mehrere Hilfsprojekte, u.a. für ukrainische Kriegskinder und Strahlungsopfer aus Tschernobyl. Als starker Mitkämpfer gegen das Leid steht ihr Bischof Stanislav Shyrokoradiuk, der Präsident der Caritas-Spes Ukraine, zu Seite. Er hat den Römpps jüngst einen Besuch abgestattet.

Brigitte Römpp gegründete den Verein Mdantsane e.V. 1998 zunächst, um in einem Gebiet zwischen Kapstadt und Durban, in dem fünf Millionen Schwarze in „besseren Slums“ leben, wie sie sagt, die Bedingungen besser zu machen. Der kleine Verein leistete hier als einer der Gründersponsoren wertvolle Anschubhilfe für ein Daycare-Center, in dem heute die allerärmsten und direkt oder indirekt von AIDS betroffenen Kinder von zwei Jahren bis hin zum Collegealter betreut, unterrichtet und versorgt werden. „Inzwischen fließen die Spendengelder glücklicher Weise von mehreren Seiten“, freut sich Brigitte Römpp. „Unsere Arbeit hier ist im Wesentlichen abgeschlossen.“ Nicht aber das Bedürfnis zu helfen.

Bereits seit 1995 kümmert sich Brigitte Römpp auch um Menschen, die von Tschernobyl betroffen sind (Römpp war selbst Vorstandsmitglied im Deutschen Verband für Tschernobylhilfe). Mit großem persönlichem Einsatz organisierte die rührige Allgäuerin Krankenhauseinrichtungen und tonnenweise Medikamente im Wert von rund 500.000 Euro für die am stärksten von dem radioaktiven Niederschlag betroffenen Gebieten in Belarus.

Zudem holte sie im Lauf der Jahre etwa 450 „Tschernobylkinder“ – also Kinder, die mit ihren Familien in Gebieten leben, die durch die Reaktorkatastrophe vom 26. April 1986 bis heute und noch für die nächsten Jahrtausende besonders stark strahlenverseucht sind - für ein paar Wochen zu deutschen Gastfamilien. „Eigentlich sollten sie sich jedes Jahr für drei Monate in einem unverstrahlten Umfeld aufhalten, damit ihre Körper sich zumindest eine kurze Weile von der andauernden Belastung erholen können“, weiß Römpp. „Noch heute sterben zahllose Menschen dort an den Folgen der Katastrophe, viele davon an Krebs. Sehr viele Mütter bringen behinderte Kinder mit schwersten Missbildungen zur Welt. Unzählige haben mit den Symptomen des ´Tschernobyl-Aids´ zu kämpfen: sie leiden an Immunschwäche, sind aufgedunsen, schnell erschöpft, müde und anfällig für Allergien und Lungenerkrankungen. Aber die Menschen dort verdrängen die allgegenwärtige Gefahr so gut es geht“, berichtet sie von ihren zwanzig Aufenthalten vor Ort. Inzwischen hat der kleine, aber effiziente Verein mit seinen rund 20 aktiven Mitgliedern sein Einsatzgebiet auch auf die Ukraine ausgeweitet.

Für das Jahr 2016 sind mehrere Projekte geplant. So wird im April die 22-jährige Ukrainerin Ulyana, die aufgrund von Strahlenschäden behindert und an den Rollstuhl gefesselt ist, nach Kempten eingeladen, um im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum 30-jährigen Jahrestag der Reaktorkatastrophe aus ihrem Leben zu berichten.

Zudem finanziert Mdantsane e.V. den Aufenthalt von 80 Kindern aus ukrainischen Kriegsflüchtlingslagern in dem hübschen, sehr gut organisierten Kinderdorf Jablunitsa in den Karpaten. Hier werden sie betreut und umsorgt, dürfen spielen und sich erholen. Das Team vor Ort wurde 2015 bei seiner anspruchsvollen Aufgabe mit den traumatisierten kleinen Menschen drei Wochen lang von sechs Waldorfschülern aus Wangen unterstützt. Die jungen Leute lernen in der Schule Russisch und waren mit Feuereifer dabei. Im September unterstützt der Verein darüber hinaus die Entsendung von 50 Behinderten aus verschiedenen ukrainischen Caritas-Heimen – überwiegend Strahlenopfer – in dieselbe Einrichtung. Parallel dazu läuft die Unterstützung von 70 ukrainischen Straßenkindern „aus allerärmsten Verhältnissen“, wie Römpp sagt. Die Kinder im Alter ab zwei Jahren können dadurch im Sommercamp Ofirna, das zu einer Sozialstation in Fastiv gehört, versorgt werden.

Gerade waren die Verantwortlichen der Partnerorganisationen, der weltoffene Bischof Stanislav Shyrokoradiuk (Präsident der Caritas-Spes Ukraine und Leiter eines ukrainischen Kriegsflüchtlingslagers) sowie Oleg Gelemej, Leiter des Kinderdorfes Jablunitsa, beim Ehepaar Römpp in Fleschützen zu Besuch. „Die beiden kamen ganz fremd hier an und beim Mittagessen („Surbraten, Spätzle und Kohlrabi“) und Schwarzwälder Kirschtorte konnten wir vieles besprechen. Bei der Verabschiedung haben uns beide umarmt“, freut sich Römpp. „Der persönliche Kontakt ist enorm wichtig und bei uns stimmte die Chemie einfach.“ Damit der Verein seine wertvolle Arbeit auch in Zukunft leisten kann, fehlen weitere engagierte Mitglieder sowie ein großer Sponsor.

Infos gibt es bei Brigitte Römpp, 1. Vorsitzende Mdantsane e.V. – Kinderhilfe. Tel.: 08304 – 92967 sowie unter www.mdantsanekinderhilfe.de.

Sabine Stodal

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