Kirchen spenden für Flüchtlingshilfeprojekt

"Fit for work" in Dietmannsried

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Fahad Abdi Hasan (li.) und die beiden nigerianischen Asylbewerber John Ogbeide und Bob Jacob (ganz rechts) nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit Anleiter Dietmar Rottenkolber (2.v.re.) an ihren Werkstücken weiterzuarbeiten. Im Hintergrund Manuela Bischoff (gemeindliche Betreuung Asylbewerber), Sandro Drechsel von Landratsamt Oberallgäu sowie Rainer Lenzenhuber vom Team „Fit for work“.

Dietmannsried – „Fit for work“ heißt das Projekt, mit dem engagierte Dietmannsrieder Bürgerinnen und Bürger den ortsansässigen Asylbewerbern zu besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt verhelfen wollen. Die katholische und die evangelische Kirche unterstützen das Programm nun mit einer großzügigen Spende.

„Wir greifen ein zentrales Problem der Asylbewerber auf: Sie streben in erster Linie eine bezahlte Arbeit an, bekommen aber häufig keine. Das langzeitige Untätigsein ist emotional schwierig“, erläutern die vier Initiatoren des Projektes, das aus dem Asylhelferkreis Dietmannsried hervorging und mittlerweile 18 Aktive umfasst. In einer leerstehenden Spenglerei-Werkstatt, die zu einer der drei Asylbewerberunterkünfte in der Marktgemeinde gehört, wurde so im Lauf des Jahres 2016 in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden von dem Team „Fit for work“, vielen fleißigen Helfern sowie dem Hauseigentümer ein großer, freundlicher neuer Arbeitsraum samt Materiallager geschaffen. Dieser konnte durch Material- und Werkzeugspenden aus der Bevölkerung und von Firmen mit Maschinen und Gerätschaften ausgestattet werden. Das Kemptener Möbelhaus Böck spendete eine Küchenzeile und baute diese ein. Auf einen Aufruf hin fanden sich auch Handwerker im Ruhestand, die bereit sind, derzeit einmal pro Woche (Freitags von 17.30 bis ca. 19.30 Uhr) mit interessierten Asylbewerbern Holz- und Metallarbeiten sowie Fahrradreparaturen durchzuführen.

„Sie leiten die jungen Männer fachlich fundiert in verschiedenen Arbeitstechniken an und vermitteln ganz nebenbei einen respektvollen Umgang miteinander, die Einhaltung von Regeln, Fairness, Teamgeist und Zuverlässigkeit. Die Teilnehmer erleben zudem bei den Workshops und in der Kaffeepause niederschwellig Kontakt zu Menschen, die ihnen helfen möchten. Dabei können sie ihr Deutsch anwenden und einüben“, so die Mitglieder des Teams „Fit for work“. Das Projekt konnte durch eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1000 Euro von Seiten der Marktgemeinde auf den Weg gebracht werden. Das Landratsamt Oberallgäu trägt die Kosten für Strom und Heizung. Der Rest der Aufwendungen wurde aus privaten und Firmen-Spenden finanziert. Jetzt wurde der finanzielle Grundstock ordentlich aufgestockt: Die Diözese Augsburg spendete im Rahmen der Aktion „Wir schaffen Herberge“ 3000 Euro. Der gleiche Betrag wurde von der evangelisch-lutherischen Kirche Bayern gespendet. Er generiert sich aus Kirchensteuern und Spenden für die Flüchtlingsarbeit.

Am Freitag fand in Anwesenheit der evangelischen Pfarrerin Andrea Krakau, des katholischen Pfarrers Dr. Martin Awa, der beiden Bürgermeister Werner Endres und Otto Schmid, Vertreter des Landratsamtes sowie vieler Helferkreismitglieder und Asylbewerber die feierliche symbolische Scheckübergabe in der Werkstatt statt. „Wir stellen Dinge her, die wir hier nutzen oder die die Männer mit nach Hause in ihre Unterkünfte nehmen können“, erklärt Dietmar Rottenkolber, einer der Anleiter, die sich um den Bereich Holzbearbeitung kümmern. So sind Böcke und Holzgarderoben entstanden, die in den Räumlichkeiten gebraucht werden, aber auch Vogelhäuser, Hocker, Bilderrahmen und Kochlöffel. An einem Tisch daneben haben die Frauen die Möglichkeit unter Anleitung zu nähen, zu malen und zu basteln. Sie haben beispielsweise adventliche Dekoartikel hergestellt oder für die hübsche Deko aus Holzblumen auf den Stehtischen gesorgt, die an jenem Abend den Raum verschönern. Fahad Abdi Hasan, der seit zweieinhalb Jahren mit seiner kleinen Familie in Dietmannsried lebt, genießt das Angebot. „Ich verbringe gerne Zeit hier, denn die Arbeit macht richtig Spaß“, sagt der junge Somalier, der in seiner Heimat in einer Schreinerei gearbeitet hat. „Ich würde sehr gerne in Deutschland als Schreiner arbeiten und ich hoffe, dass ich irgendwann die Chance dazu bekomme.“

Sabine Stodal

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