Klare Worte beim Politischen Aschermittwoch der CSU

"Wer AfD wählt, wird links regiert"

+
Betont kämpferisch und kein bisschen politisch korrekt, gab sich der CSU-Fraktionsvorsitzende Thomas Kreuzer aus dem Bayerischen Landtag in seiner Rede anlässlich des Politischen Aschermittwochs der CSU Kempten-Oberallgäu im Gasthof „Zum Kapitel“ in Wiggensbach.

Wiggensbach – Thomas Kreuzer ist ein Freund der offenen Worte, weiß wie es ist, wenn er wie unlängst im wöchentlichen „Kasperle Theater“ von Anne Will die Rolle des Krokodils zugeschrieben bekommt. Kreuzer aber folgt in seinen Reden immer zu tiefst seinen eigenen Überzeugungen. So auch beim diesjährigen Politischen Aschermittwoch, den die CSU-Kreisverbände Kempten und Oberallgäu im Gasthof „Zum Kapitel“ in Wiggensbach abhielten.

Kreuzer ist das Mark der Christsozialen und verkörpert bis heute die Seele der Parteibasis. So verwundert es nicht, dass es er ist, der im Jahr der Bundestagswahl am traditionellen Politischen Aschermittwoch im Allgäu den politischen Gegner „abwatscht“. Gut gefüllt war der historische Saal des Gasthofs, wenngleich sich der geneigte Beobachter, wie im übrigen bei allen Parteien, das ein oder andere neue Gesicht herbeigewünscht haben mag. Der Politische Aschermittwoch in Bayern ist Politik zum Anfassen, hautnah, authentisch und bisweilen politisch nicht korrekt.

Nachdem die Gäste des Abends zuvor in St. Pankratius einer Heilige Messe mit Auflegen des Aschekreuzes beigewohnt hatten, wurden diese nachfolgend im Saal des Gasthof „Zum Kapitel“ durch den 1. Bürgermeister von Altusried und Kreisvorsitzenden der CSU-Oberallgäu, Joachim Konrad, begrüßt. Unter den Gästen befand sich unter anderem der amtierende Landrat Anton Klotz sowie sein Vorgänger Gebhard Kaiser, Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Kemptens dritter Bürgermeister Josef Mayr, Bürgermeister Thomas Eigstler aus Wiggensbach, der CSU-Landtagsabgeordnete Erik Beißwenger, die Bezirksrätin Renate Deniffel und die Vorsitzende des Kreisverbandes der Frauen Union, Gabriele Gruber.

In seinem kurzem Grußwort verwies Konrad auf den Wertekanon der Christsozialen, der auf Gottvertrauen, dem klaren Bekenntnis zur Familie und dem ländlichen Raum fuße. Konrad verwies aus seiner Sicht auf die Erfolge christsozialer Politik, wie u.a. dem geplanten vierspurigen Ausbau der B12, der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet und der Einführung einer Mietpreisbremse und der Mütterrente. „Familie, Nachbarschaft und Vereine, das sind die verlässlichen Anker christsozialer Politik in stürmischen Zeiten wie diesen“, so betonte es Konrad und fügte seinen Ausführungen hinzu: „Keine Stimme für die AfD. Halten Sie der CSU die Treue!“

Man mag Kreuzer vieles vorwerfen, niemand aber vermag diesem das Talent zur politischen Rede abzusprechen. „Ich pflege das offene Wort“, sagt dann auch selbiger, als er als Hauptredner an das Pult im Kapitel Saal herantritt und fortan den politischen Gegnern einschenkt. Kreuzer wehrt sich aus seiner Sicht gegen die Fesseln der politischen Korrektheit und fordert von den Seinigen im öffentlichen Auftreten ein klares Bekenntnis zu den eigenen Überzeugungen. „Wir müssen nicht nur sagen was ankommt, sondern worauf es ankommt“, fordert er und pfeift ausdrücklich auf Glückwunschkarten zur Politischen Korrektheit von Politikerinnen wie Renate Künast, Claudia Roth und Simone Peter. So verwundert es auch nicht, dass sich Kreuzer zuerst dem Thema der inneren Sicherheit zuwendet. Der CSU-Fraktionsvorsitzende spricht sich klar für mehr Videoüberwachung, für eine schnellere Abschiebung von ausländischen Straftätern und dem Gebrauch von elektronischen Fußfesseln aus. In diesem Zusammenhang kritisiert Kreuzer die Tatsache, dass Messenger-Dienste wie WhatsApp von staatlicher Seite nicht überwacht werden dürfen. Dass Europa unter Jean Claude Juncker und Martin Schulz nicht in der Lage waren, die eigene Aussengrenzen gegen illegale Einwanderung zu sichern, veranlasst Kreuzer zur Forderung den Schutz der bundesdeutschen Grenzen durch eigene Polizeikräfte auszuweiten. Unter Beifall fordert er: „Wir müssen wissen, wer sich in unserem Land aufhält“ und fügt hinzu: „Wir wollen keine Zustände wie in NRW!“ Überhaupt ist Nordrhein-Westfalen das Bundesland, das an diesem Abend besonders viel Schelte vom CSU-Fraktionsvorsitzenden abbekommt.

NRW – das abschreckende Beispiel

„350 Wohnungseinbrüche auf 100.000 Wohnungen in NRW – 59 in Bayern, No Go Areas in vielen Städten, ein 0-Wachstum und eine immense Verschuldung kommunaler Haushalte, das habe NRW unter Rot-Grün auf die letzte Stelle im Bundesländer-Ranking gesetzt“, sagt Kreuzer und fordert deshalb in Hinblick auf das Dahinsiechen an Rhein und Ruhr für Bayern „Kommunen müssen finanzstark sein, Sparen ist kein Selbstzweck und Zukunftschancen statt Schulden.“ Während sich Bayern seit rund zehn Jahren eines Staatshaushaltes ohne Neuverschuldung rühmen dürfe, hätte NRW allein 2016 neue Kredite in Höhe von zwei Milliarden Euro benötigt, so Kreuzer. Allerdings erwarte er auch keine Selbstgefälligkeit seiner Parteikollegen sondern ein stetiges Voranschreiten auf dem eingeschlagenen Weg.

Dann kommt Kreuzer auf den Mann aus NRW zu sprechen, „der noch nie eine Wahl gewonnen hat.“ Martin Schulz, oder wie Kreuzer ihn nennt, den „Wunderheiler aus Brüssel“. Kreuzer kritisiert scharf das Fürsprechen des ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlamentes für die Einführung von Euro-Bonds und einer Vergemeinschaftung der Arbeitslosenversicherung innerhalb der EU. „Die Vertretung deutscher Arbeitnehmerinteressen sieht anders aus“, kommentiert Kreuzer. Er und die CSU werden sich auch in Zukunft vehement gegen die Pläne von mehr „internationalen Sozialismus“ in Europa einsetzen.

Drei Säulen der CSU

Kreuzer fasst am Ende seiner rund einstündigen Rede die Grundsätze christsozialer Politik zusammen: 1. Bayern ist aus seiner Sicht im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Humanitätsgründen verpflichtet und unterstützt zugleich das Bemühen des CSU-Bundesministers Dr. Gerd Müller die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in den Herkunftsländern zu verbessern. 2. Die eigenen Grenzen müssen gegen illegale Zuwanderung notfalls auch mit eigenen Kräften gesichert werden, bei gleichzeitiger Abschiebung von Personen, die keinen Asylstatus genießen. 3. Für Immigranten mit Bleibepersepktive müssen ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden, um diese erfolgreich in die bestehende Gesellschaft zu integrieren. Dabei versteht der CSU-Fraktionsvorsitzende Integration so: „Ich respektiere, wenn Eltern es ihren Kindern verwehren aus religiösen Gründen an einem St. Martinsumzug teilzunehmen, nur eines wird es nie geben: dass wir deshalb einen St. Martinsumzug in ein „Lichterfest“ umwandeln.“ Am Ende gibt Kreuzer die Empfehlung auf den Weg: „Wer AfD wählt, wird links regiert.“ Viel Beifall im Kapitel Saal.

Jörg Spielberg

Politischer Aschermittwoch Kempten und Oberallgäu

Auch interessant

Meistgelesen

Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Allgäuer Festwoche: Eindrücke aus dem Stadtpark
Allgäuer Festwoche: Eindrücke aus dem Stadtpark
Bilder vom Dienstag aus der Selfie-Box
Bilder vom Dienstag aus der Selfie-Box
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 
Selfie Box: Die ersten 100 Bilder vom Wochenende 

Kommentare