Klare Worte des "Kapitäns"

Auf eine neue Form des „Politischen Aschermittwochs“ setzt die Oberallgäuer CSU. Statt derbem politischen Schlagabtausch sollte mit dem „Oberallgäu Forum“ ein anderer Akzent gesetzt werden. Für die Premiere der Veranstaltungsreihe hatte der Kreisverband den Unternehmer Wolfgang Grupp als Redner gewonnen. Der Trigema-Chef sprach in Ofterschwang vor rund 400 Zuhörern und zeichnete dabei ein anderes Bild vom Produktionsstandort Deutschland und der Verantwortung der Unternehmer: Nicht jammern, sondern sehen, was der andere nicht hat. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei besser als vermutet, so der Textilunternehmer. Er jedenfalls sei stolz, in Deutschland Steuerzahler zu sein.

Wenn die CSU am Aschermittwoch einen „notleidenden Unternehmer“ präsentieren wolle, sei er wohl der richtige Mann: Nicht nur notleidend, sondern praktisch ausgestorben sei seine Branche. Er gelte mit der Marke Trigema als der größte deutsche T-Shirt-Hersteller. „Kein Kunststück – ich bin inzwischen der Einzige.“ „Ich sage, was ich denke, offen heraus“, schickte Grupp seinen Anmerkungen zur Wirtschaftslage voraus. „Gier und Größenwahn“ betitelt der Unternehmer die Ereignisse der jüngsten globalen Wirtschaftskrise. „Alle sind sie dem Größenwahn verfallen und haben Milliardenverluste hinterlassen.“ Grupp vermisste eine Form der Haftung, damit Manager und Konzern-Chefs für ihre Entscheidungen gerade stehen. „Wenn die Verluste deutlich werden, sind die Verantwortlichen schon weg“, beschrieb er die Situation. Im Mittelstand werde diese persönliche Verantwortung seit jeher praktiziert, da werde persönliche Verantwortung geübt. Stolz, Steuern zu zahlen Schnell ein Seitenhieb auf die Vorgänge um die „Steuersünder-Datei“: Ganz nachvollziehen könne er nicht, was die Schweiz aufführe, wenn sie solche Möglichkeiten anbiete. Mit guter Nachbarschaft habe das wenig zu tun. Er, Grupp, sei stolz, hier Steuerzahler zu sein: „Solange ich hier Steuern zahlen, weiß ich, dass ich Gewinne mache – im Heimatland.“ Auffällig, so Grupp weiter, sei zudem, dass Erfolg offenbar „betrunken mache“ und anfällig für eine Jagd nach Mehr. Seine Erfahrung: „Erfolgreich sind viele; das ist nicht die Sache. Den Erfolg durchzustehen, das ist die Kunst.“ Genau hier müsse die Verantwortung der Unternehmen ansetzen. Als Paradebeispiel für seine Vision vom verantwortlichen Unternehmer sieht Grupp sein eigenes Haus. Betriebsbedingt habe er noch nie Mitarbeiter entlassen, so Grupp, der mit Trigema an mehreren Standorten in Deutschland produziert und rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von 85 Millionen Euro pro Jahr macht Trigema in rund 150 eigenen Geschäften, unter anderem auch im Oberallgäu. Kurzarbeit gebe es bei ihm nicht: Mit der Produktion wird das Geld verdient. Nur müsse die Produktion dem Markt angepasst sein. Grupp setzt auf möglichst große Unabhängigkeit – von Märkten, von Kunden, von Banken. „Kredite würde ich ohnehin nicht bekommen...“, vermutete er. Flexibilität und Schnelligkeit sind seine Trumpfkarten. Schnelle Entscheidungen, auch mehrfach angepasst, ergäben die besten Entscheidungen, so Grupps Erfahrung. „Die Kunst des Kapitäns besteht darin, zu sehen, wo die Eisberge sind“, beschrieb der Schwabe aus Burlafingen seine Strategie. Das Kunststück sei ihm jedenfalls geglückt: Allen Krisen zum Trotz gebe es seine Firma weiterhin. Von einst 26 Textilunternehmen in Burlafingen blieb allein Trigema übrig. Ein Unternehmen, das Grupp als Betriebsfamilie sieht. Das Vorbild Familie als Basis einer Unternehmenskultur. „Wenn ich Inhaber spielen will, muss ich auf der Brücke stehen, wenn’s schwierig wird.“ Im Ansatz bekämpfen Grupps Unternehmerweisheit: Probleme lösen, solange sie klein sind. „Wer Probleme groß werden lässt, erweist sich als Versager“, geißelte der studierte Ökonom seine Unternehmerkollegen. Auf die Verlagerung von Produktion in vermeintliche Billiglohnländer zurück kommend, wusste Grupp: „Ich kenne keinen, der besser gefahren ist, indem er die Produktion ins Ausland verlagert hat.“ Es zeige sich immer öfter, dass die vermeintlich rettende Flucht ins Ausland Unternehmen und „Made in Germany“ kaputt mache. Angst vor der Globalisierung kennt Grupp nicht. Sie schaffe vielmehr neue Chancen – vorausgesetzt man setze auf Qualität, nicht auf Masse und Billigpreise. „Nicht jammern, sondern sehen, was der andere nicht kann“, brachte Grupp sein Konzept auf den Punkt. Und das dann so gut wie irgend möglich machen.

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