Klassik mit Sahnehaube

Frühjahrskonzert: Das radio.string.quartet aus Wien kam, spielte und siegte

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Kempten – Flammen schlagend, verglühend, züngelnd oder wärmend, verbrennend oder erhellend: Das alles kann Feuer sein. Aber auch Musik kann so klingen.

Feuer war das Thema des Frühlingskonzerts der Münchner Symphoniker in der Klassik Box Kempten. In Joseph Haydns Sinfonie mit dem Beinamen „Feuersinfonie“ knistert und flackert es unüberhörbar und höchst klassisch, zumindest sollte es das. Bei den Münchner Symphonikern fehlten offensichtlich ein paar wohlbekannte Gesichter auf den Orchesterstühlen. Und das eine oder andere Mal schien auch ein etwas gequälter Ton in der gut gefüllten Klassik Box zu erschallen. Welche neuen Farben sich in Musik entzünden lassen, führte das radio.string.quartet vor. 

Für die Münchner Symphoniker und das Frühlingskonzert hatte das Quartett ein Werk komponiert, das thematisch wie musikalisch dem Motto „Feuer“ etwas hinzufügte, quasi die Flammen zum Lodern brachte. „Les couleurs du feu“ – die Farben des Feuers, erklangen im unverwechselbaren Sound und in der Interpretation des radio.string.quartets und der Symphoniker. Bernie Mallinger und Ingmar Jenner (Violinen), Cynthia Liao (Viola), und Sophie Abraham (Violoncello) verwandeln in ihrer Quartettformation persönlichste Geschichten, Drehbüchern gleich, in musikalische Bilder. 

Als „CrossoverJazzClassicPopFusionRockNewMusicElectronic”-Ding bezeichnen die vier in Wien beheimateten Musikerinnen und Musiker ihre Kompositionen z.B. in ihrem jüngsten Album „In Between Silence“. Da mit einem solchen Wort-Monstrum niemand etwas anfangen kann, schieben sie die Namen einiger Künstler hinterher, die sie in den letzten Jahren inspiriert haben: Nine Inch Nails, Franz Schubert, Feist, e.s.t., Arvo Pärt, Bugge Wesseltoft und Sidsel Endresen. Was die vier österreichischen Virtuosen mit Instrumenten und Stimmmodulationen „abbrannten“, war ein wahrlich großes Feuerwerk, eine Musikerin unterstrich mit einem flammengemusterten Catsuit das Thema hervorragend in modischer Weise. Das Publikum war aus dem Häuschen, klatschte und stampfte mit den Füßen, was die Klassik Box nicht so oft erlebt. Mal fühlte man sich an den Klangteppich von „Jenseits von Afrika“, im nächsten Moment an indianische Klänge, Gipsy-Musik, Jazz, Improvisationen, und dann wieder Klassik erinnert. 

Ein überraschendes und begeisterndes Wechselbad. Den tosenden Applaus dankten die vier Virtuosen mit erlebnisreichen Zugaben. Nach der Pause versuchte Chefdirigent Kevin John Edusei mit seinen Münchner Symphonikern noch einen Gegenpol zu setzen. „L’Oiseau de feu“ aus der Feder von Igor Strawinsky, der auf seine Weise den Feuervogel musikalisch eingefangen hat. Schon eine schwere Kost und ein fast unmögliches Unterfangen nach dem furiosen Auftritt des radio.string.quartetts. Gerne würde man die vier Wiener wieder in Kempten hören, erleben und genießen. Freuen wir uns auf ein nächstes Klassikkonzert der Münchner Symphoniker, die dann hoffentlich wieder besser aufgelegt sind. Das haben die treuen Fans in Kempten verdient.

Achim Crispien

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