Weil eine Kemptener Werbeagentur offenbar trickste, dürfen Republikaner Wahlwerbespot nicht mehr zeigen

In den Allerwertesten gekniffen

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Die Komparsen in dem Republikaner Clip "Lass dich nicht verarschen" wollen von der eigentlichen Verwendung des Videos nichts gewusst haben. Das Landgericht Berlin untersagte daher jetzt die Weiterverbreitung des Spots.

Kempten/Berlin – Mit ihren Wahlplakaten haben die Republikaner für Furore gesorgt. Ein TV-Spot, in dem die bunt bemalten Hinterteile ebenfalls auftauchen, hat der Partei dagegen jetzt jede Menge juristischen Ärger eingebracht – und der Kemptener Werbeagentur Sunshine GmbH gleich mit.

Laut einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin vom Freitag darf das Video nicht mehr weiter verbreitet werden. Einem Bericht der taz vom Wochenende („Arschkarte gezogen”) zufolge war es die Kemptener Werbeagentur Sunshine GmbH, die die jungen Komparsen über die Berliner Casting-Agentur „Wanted“ mietete, die angeblich für ein Musikvideo tanzen sollten. Tatsächlich wird in dem 1:17 Minuten langen Clip zu einer Art Deutsch-Rap getanzt. Und auch die bereits von den Wahlplakaten sattsam bekannten schwarz, rot, grün und gelb angemalten Hinterteile wackeln alle paar Sekunden durchs Bild. Das Honorar für die Statisten soll sich auf 75 bis 250 Euro pro Tag belaufen. 

Allerdings: Das Landgericht Berlin kam am Freitag nach Klagen von Komparsen und Agentur zu dem Urteil, dass die Schauspieler anscheinend von der Sunshine GmbH über die tatsächliche Verwendung getäuscht worden seien. „Die Komparsen“, so Michael Jahnke von der Agentur „Wanted“ gegenüber der taz, „hätten diesen Antrag nie angenommen, wenn sie gewusst hätten, für wen sie hier missbraucht werden sollten.“ Per einstweiliger Verfügung untersagte das Gericht die Weiterverbreitung des Videoclips. Bei Verstoß gegen das Urteil droht ein Ordnungsgeld in Höhe von 250 000 Euro. 

Die Sunshine GmbH unter ihrem Geschäftsführer Klaus Münzberg stritt die Vorwürfe am Freitag gegenüber der taz ab. Man könne versichern, „dass unsere Firma mit der Partei 'Die Republikaner' keinen Vertrag über einen Filmclip abgeschlossen hat“, wird die Firma zitiert. Das muss allerdings wenig heißen. Insidern zufolge ist es in der Branche offenbar üblich, als offiziellen Vertragsgeber beispielsweise eine Musikband vorzuschicken. Sunshine-Geschäftsführer Klaus Münzberg ist zudem kein Unbekannter in der Szene: Von 1990 bis 1998 saß er nach Angaben der Stadtverwaltung im Kemptener Stadtrat – für die Republikaner. 

Münzberg war am Montag gegenüber dem Kreisboten für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Partei kündigte auf ihrer Homepage – auf der das Video am Montag noch zu sehen war – Rechtsmittel gegen das Urteil an. „Wir lassen uns unseren Wahlwerbespot nicht einfach verbieten“, wird Bundesvorsitzender Rolf Schlierer zitiert. Die Vorwürfe seien nicht zutreffend.

Matthias Matz

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