Kleine Frau ganz groß

Zu einem bemerkenswerten Treffen kam es jetzt an der Astrid-Lindgren-Schule Kempten. Christine Urspruch, bekannt unter anderem als wortgewandte Assistentin Silke Haller des Professor Boerne im WDR-Tatort, traf sich dort mit Schülern des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Zum einen nutzten die Schüler mit einer Körperbehinderung die Gelegenheit, Einblick in das Leben der Schauspielerin zu gewinnen. Zum anderen ging es aber auch um das Thema „Handicap in der Öffentlichkeit“. Ein Problem, zu dem Urspruch einiges beitragen konnte, ist sie doch selbst kleinwüchsig und somit von Kindheit an damit konfrontiert.

Im Sommer erfuhren die Schülerinnen des Berufsvorbereitungsjahres, dass die durch den Münster-Tatort und die Verfilmung der Sams-Bücher bekannte Schauspielerin in Wangen, also gleich in ihrer Nähe wohnt. Es lag also räumlich wie gedanklich nahe, Urspruch, die ebenso wie sie selbst mit einem Handicap aufwuchs, zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen. Trotz des vollen Terminkalenders nahm sich Urspruch einen Vormittag lang Zeit. So konnte die Schauspielerin erklären, dass für sie als „Alberich“ im Tatort die Sticheleien durch ihren Kollegen Professor Boerne durchaus zu ertragen sind. Sie weiß nämlich, dass er selbst eigentlich ein sozial vereinsamter „armer Tropf“ ist. Von ebensolchen Erlebnissen aus dem richtigen Leben konnte auch eine Schülerin berichten. Ungute Situationen ergaben sich für Urspruch als Kind am Skilift, die mitunter auch zu Tränen geführt haben. Allerdings berichtete die Schauspielerin auch von Vorteilen, die sie durch ihre Größe hat, nicht zuletzt die Rolle des Sams, die ja nur ein kleiner Mensch spielen konnte. Urspruch gab den Jugendlichen den Rat, trotz ihres Handicaps mutig zu sein und Ziele konsequent zu verfolgen. Interessanter Werdegang Natürlich kam das Gespräch auch auf Urspruchs Werdegang, zur Schauspielerin und ihre Arbeit. Interessant für die Schüler war besonders, dass Urspruch sich, obwohl sie die Schauspielerei liebte, zunächst für ein Deutsch- und Englisch-Studium entschlossen hat. Sie kam sozusagen als Quereinsteigerin zu ihrer Arbeit am Theater und zum Film. Geplaudert wurde auch noch aus dem Nähkästchen: Die Samsdarstellerin erzählte, wie es möglich war im Film Papierkörbe und Teller zu essen (die waren extra von einem Konditor unter anderem aus Oblatenteig hergestellt worden) und den Taucheranzug des Sams platzen zu lassen. Im Anschluss an den Gesprächskreis gab es in der vollbesetzten Aula des Astrid Lindgren Hauses noch eine Lesung durch die in der Jury zum Deutschen Vorlesepreis 2009 der „Stiftung Lesen“ aktive, sympathische Frau. Aufmerksam lauschten die Schülerinnen und Schüler einer St. Martins-Geschichte, ehe sich Urspruch verabschiedete.

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