Ökologisch, nachhaltig und bezahlbar

Klimabeirat: Wohnraum auf Saurer Allma-Gelände

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Luftbildübersicht Gelände Saurer Allma

Kempten – Zwischen Leonhardstraße und Schumacherring auf dem Gelände Saurer Allma sollen auf rund 5,1 Hektar bis zu 400 Wohneinheiten entstehen.

2014 hatte die Sozialbau Kempten Wohnungs- und Städtebau GmbH dieses Areal gekauft, nun soll in dieser attraktiven Lage in Kooperation mit der Stadt Kempten bezahlbarer Wohnraum für Jung und Alt geschaffen werden. Um ein ganzheitliches Konzept erstellen zu können, das vor allem auch die Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes hinsichtlich des Klimaplans 2035 berücksichtigt, wurde das Projektvorhaben am vergangenen Donnerstag in der öffentlichen Sitzung des Klimaschutzbeirates vorgestellt und diskutiert. 

Man wolle frühzeitig bei der Planung mit dabei sein, damit Vorgaben auch von vornherein berücksichtigt werden können, sagte Thomas Weiß, Klimaschutzmanager der Stadt Kempten, im Gespräch. Um für diese bedeutende Fläche ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln, hat Sozialbau das Büro BGSM in München mit der Wettbewerbsauslobung beauftragt. Nun gilt es die Vorgaben für diesen Wettbewerb festzuzurren. Beim Bauvorhaben wolle man vor allem auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit achten, sagte Antje Schlüter, Leiterin des Stadtplanungsamtes Kempten. Neben dem Pflanzen von schattenspendenden, hitzeverträglichen Bäumen seien weitere klimaangepasste Maßnahmen, wie das Rückhalten von Regenwasser zum Kühlen und Bewässern sowie das Anlegen von Dachund Fassadenbegrünung angedacht. Neben einer „identitätsstiftenden Mitte“ soll es im neuen Wohnquartier eine gute Nahversorgung geben, ergänzte Schlüter. 

Außerdem sei die Schaffung vieler Freiraumflächen geplant, miteinbezogen werden solle der nahegelegene Engelhaldepark. „Schließlich braucht ein Mensch in der Stadt Freiräume zur Stressreduzierung“, erläuterte sie. Und letztendlich entscheide auch die Qualität dieser Freiraumflächen darüber, wo man sein Wochenende verbringe. Im Umgang mit dem Boden wolle man die Versiegelung möglichst geringhalten. Mit einer guten Anbindung an den ÖPNV und einem entsprechenden Ausbau von Fuß- und Radwegen soll für eine schnelle Erreichbarkeit der Innenstadt gesorgt werden. Im Quartier soll es mehrere E-Ladepunkte sowie eine Tiefgarage geben. Dabei regte Schlüter an die Stellplatzfassung zu überarbeiten, um Stellplätze im Sinne der Nachhaltigkeit zu reduzieren. Bei der Umsetzung des Projektes setzt Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau, auf Geschoss-Wohnungsbau. Bei der Sitzung verwies er auf ähnliche, bereits entstandene Wohnbauprojekte, wie z. B. auf der Funkenwiese oder in der Memminger Straße. Bei der Festlegung der Vorgaben für die umwelt- und klimapolitischen Aspekte forderte er von den Beiratsmitgliedern nicht ausschließlich auf höchste Effizienz zu setzen, sondern einen Umgang mit „Maß und Mitte“, denn letztendlich müsse der Wohnraum auch bezahlbar bleiben. 

Für Dr. Hans-Jörg Barth von eza!-Klimaschutz und stimmberechtigtes Mitglied im Klimabeirat, nur ein „vorgeschobenes Argument“. Dabei verwies er auf Wohnbauprojekte der Neuen Heimat Tirol, dort liege der Quadratmeterpreis bei sechs bis sieben Euro. Singer führte dies darauf zurück, dass die Subventionen für ökologische Bauprojekte in Österreich deutlich höher ausfielen. Auch für Ingrid Vornberger, SPD-Stadträtin und Mitglied im Klimaschutzbeirat, ist die „Bezahlbarkeit“ im Rahmen von zehn Euro pro Quadratmeter ein wichtiges Argument. Schließlich würden wohl kaum Millionäre dahin ziehen, mutmaßte sie. Für schnelle Wege in die Innenstadt sieht Singer Sharingmöglichkeiten, wie z. B ein E-Bike-Sharing vor. 

Außerdem sehe er beim Neubau keine Energieprobleme beim Heizen, da diese Verbrauchsmengen gering wären. Eher sei es das Thema Warmwasser, worüber man sich Gedanken machen sollte. Prof. Dr. Tobias Peylo von der Hochschule Kempten, stimmberechtig im Klimabeirat, schlug vor, für die Wettbewerbsauslobung einen „mutigen Entwurf“ zu wagen und abzuwarten, was denn komme. Und auch Getrud Epple, Sitzungsvorsitzende und Beauftragte des Stadtrats für Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz, war sich gegen Ende des Tagesordnungspunktes sicher, dass man künftig noch öfter über das Thema Saurer Allma sprechen werde. 

Tamara Lehmann

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