Klimafreundliches Essen – was heißt das?

Schülerinnen und Schüler des "Hilde" zaubern Vier-Gänge-Klimadinner

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Das Klimadinner bestand aus selbstgemachtem Pesto mit Gänseblümchendekoration, Salat mit Erdbeervinaigrette, Gemüsecurry und Mousse au chocolat. Zum Trinken gab es Leitungswasser, das mit Gurken- und Apfelscheiben verfeinert wurde – macht zusammen 7,4 Punkte auf der Bilanz.

Kempten – Das Kemptener Hildegardis-Gymnasium macht seinem Namen als Klimaschule alle Ehre. Am Freitag waren 70 Eltern der Einladung zum ersten Klimadinner gefolgt. Rund 40 Schülerinnen und Schüler aus der Klimaschutz-AG sowie einige der Klimabotschafter, die es in jeder Klasse gibt, kümmerten sich mit Unterstützung mehrerer Lehrkräfte sowie der Köchin Karen Fritzenschaft (Gewinnerin der Kochshow Masterchef des Fernsehsenders Sky) um die Zubereitung des möglichst klimaneutralen Vier-Gänge-Menüs, um den zuvorkommenden Service sowie um viel Information für die Gäste. Speis und Trank waren für diese kostenlos, stattdessen wurden Spenden entgegengenommen.

Mit ihrem gelungenen Fest wiesen die Schülerinnen und Schüler ohne erhobenen Zeigefinger und mit viel charmantem Engagement darauf hin, dass man auch beim Essen auf Klimaneutralität achten kann und sollte. Zwischen den einzelnen Gängen des Menüs erläuterten sie das Konzept „Ein guter Tag hat 100 Punkte“. 

Auf der zugehörigen Websitewww.eingutertag.org heißt es: „Es sind ungefähr 6,8 Kilogramm CO2, die jeder Mensch täglich durch alle seine Handlungen ausstoßen darf, um unsere Welt und unser Klima im Gleichgewicht zu halten. Wir rechnen dies um in 100 Punkte. Jeder Mensch hat jeden Tag 100 Punkte zur Verfügung.“ Die Kinder und Jugendlichen orientierten sich bei der Zubereitung der Speisen an diesem Punktesystem. 

Die Zutaten wurden im Vorfeld diskutiert, einige fielen der Verantwortung für das Klima zum Opfer: So wurde Reis zugunsten von Kartoffeln vom Speiseplan gestrichen. „Denn beim Reisanbau entsteht klimaschädliches Methan, zudem hat er aufgrund langer Transportwege eine schlechtere Klimabilanz als einheimische Kartoffeln“, so eine der Moderatorinnen des Abends. Bei der Tomatensuppe setzen die Schüler auf regionale Ware. „Ein Kilo spanische Tomaten kommt wegen der Transportwege auf 600 Gramm CO2. Außerhalb der Saison steigt dieser Wert sogar auf über 9200 Gramm CO2“, rechneten sie vor. „Demgegenüber kommt ein Kilo Tomaten aus regionalem Ökolandbau innerhalb der Saison auf nur 35 Gramm CO2.“ Bei der Zubereitung der Suppe aus Acht Kilogramm Tomaten konnten so 4,52 Kilogramm CO2 gespart werden. 

Das Klimadinner, das unter der engagierten Federführung der Lehrkraft Doris Schmidmeier in wochenlangen Vorbereitungen Gestalt angenommen hatte, steht in einer Reihe mit ganzjährigen Aktionen, die das Hildegardis-Gymnasium als erste Klimaschule Kemptens initiiert. Oberbürgermeister Thomas Kiechle, der mit dem Fahrrad noch geschwind zur Mensa geradelt war, lobte: „Die Klimaschule ist etwas Besonderes und ein Vorbild für viele andere, das sieht man auch im Stadtrat so.“ Als Geschenk versprach er, 1000 Euro für die Mensa zu überweisen, „damit der Bioanteil von derzeit 30 Prozent noch höher werden kann“. 

In kurzen Interviews wurden illustre Ehrengäste von den Schülern um Stellungnahmen zu verschiedenen Aspekten des Klimaschutzes gebeten. Zu ihnen gehörten der Duracher Landwirt Hubert Jörg, der Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) betreibt, Holger Epp von der Firma Rapunzel, Kati Bernhardt von „Parents for Future“, Dr. rer. nat. HansJörg Barth vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu Eza, Thomas Weiß, Klimaschutzmanager der Stadt Kempten sowie Klaus Dinser, Schutzwaldmanager der Bergwaldoffensive. Mit ihm zusammen nehmen Schüler des „Hilde“ dieser Tage an einer Aufforstungsaktion am Burgberger Hörnle teil. Die Spenden des Abends werden für weitere Klimaschutzprojekte verwendet.

Sabine Stodal

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